Havanna wird 500 – ein runder Geburtstag in schwierigen Zeiten

Das 1929 errichtete Kapitol Havannas wurde aufwändig saniert und wurde zum Jubiläum aufwändig beleuchtet (Quelle: G.V.)

Mit einem großen Feuerwerk vor dem frisch restaurierten Kapitol wurde am Samstag Abend der 500. Jahrestag der kubanischen Hauptstadt begangen. Die hatte sich zum historischen Jubiläum ordentlich herausgeputzt. Gefreut haben sich über die Feier jedoch vor allem die Habaneros selbst, denn der Kuba-Tourismus ist derzeit auf Talfahrt.

Am 16. November 1519 wurde Kubas Hauptstadt Havanna an ihrem heutigen Standort gegründet. Die Altstadt ist unlängst UNESCO-Weltkulturerbe und gilt als größte erhaltene Kolonialstadt in Amerika. Mehr als 2000 Gebäude und Einrichtungen wurden in den vergangenen Monaten anlässlich des runden Jahrestags unter Leitung des Stadthistorikers Eusebio Leal Spengler aufwändig saniert.

Ein Highlight markiert dabei das seit 2009 wegen Sanierung geschlossene Kapitol, welches seit wenigen Wochen mit einer goldenen Kuppel glänzt. Zahlreiche Museen, wie das Auto- oder Eisenbahnmuseum, haben nach Jahrelanger Schließung wieder geöffnet. Erst vor wenigenTagen wurde das neue Luxushotel „Prado y Malecón“ eröffnet. Auch das „Barrio Chino“, Havannas Chinatown, wurde aufgemöbelt.

Doch das Arbeitsteam, welches unter Leitung von Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel den Jahrestag vorbereitete, beließ es nicht bei Prestige- und Tourismusprojekten. Viele der Werke dürften für die meisten Besucher verborgen bleiben: so bekommt Havannas Altstadt nun endlich eine stabile Wasserversorgung mittels neuer Rohre, außerdem wurden 170 Schulen und dutzende Operationssäle in Krankenhäusern renoviert. Hinzu kommen mehr als 900 Geschäfte und Restaurants im ganzen Stadtgebiet. Die neue Müllabfuhr funktioniert ebenfalls, die meisten Müllberge in Centro Habana und Vieja sind verschwunden. Die Stadt wirkt irgendwie aufgeräumter als früher.

Tausende Habaneros trafen am Samstag, um den 500. Geburtstag der kubanischen Hauptstadt zu feiern (Quelle: eigene Aufnahme)

„Sie haben wirklich viel getan“, sagt ein Anwohner gegenüber „Cubaheute“, „vor allem angesichts der wirtschaftlichen Situation in der wir uns befinden.“ Einen Tag vor dem Jubiläum am 15. November haben die USA ihre Sanktionen gegen Kuba abermals verschärft. Diesmal trifft es „nur“ fünf weitere Hotels, die von US-Amerikanern nicht mehr betreten werden dürfen. Erst im Oktober hatten die USA sämtliche Flüge nach Kuba mit Ausnahme Havannas gestrichen, während neue Finanzsanktionen seit Mai 2019 die Insel von Investoren und Handelspartnern abschotten sollen.

Auch der Kreuzfahrttourismus aus Drittländern kam deswegen weitgehend zum erliegen. Das zeigt sich auch in der Statistik: so ist nach jüngsten Zahlen des Statistikamtes ONE die Anzahl der Besucher von Januar bis Oktober um mehr als 300.000 zurückgegangen gegenüber dem selben Zeitraum im Vorjahr. Diesen Oktober musste Kuba sogar einen Besucherrückgang von 27,8 Prozent gegenüber dem selben Monat 2018 ausweisen. Die Besuche aus Ländern wie Deutschland, Frankreich und den USA gingen um gut 15 Prozent zurück, einzig aus Russland kommen heute mehr Gäste nach Kuba. Immerhin: das deutsche Kreuzfahrtschiff „MS Hamburg“ erwies sich im November als „Blockadebrecherin“ und auch die Lufthansa kündigte eine neue Verbindung nach Santa Clara an, nachdem sich Eurowings und KLM zurückgezogen haben.

Dabei gibt es keinen Grund, jetzt nicht nach Kuba zu reisen. Nach der schweren Energiekrise im September aufgrund neuer Sanktionen gegen Reedereien, die Öl nach Kuba liefern, beginnt sich die Lage wieder langsam aber sicher zu entspannen. Für Touristen waren die Auswirkungen ohnehin nur begrenzt in Form von reduzierten Busfahrplänen zu spüren. Doch inzwischen ist wieder Treibstoff verfügbar und auch die nationale Buslinie „Astro“ (die nur von Kubanern genutzt werden kann) wird ab Freitag ihre alten Fahrpläne wieder aufnehmen. Havanna hat seinen Besuchern heute einiges zu bieten und die Kubaner hoffen darauf, dass sich die Welt gerade jetzt nicht von ihnen abwendet.

4 Gedanken zu „Havanna wird 500 – ein runder Geburtstag in schwierigen Zeiten

  1. Auf Imperialisten darf sich kein Land verlassen, sozialistische erst recht nicht.
    Schon Chavez wollte eine eigene Tankerflotte bauen, erst jetzt stellte Maduro einige Tanker fertig. Nur deshalb hat Kuba nun wieder genug Energie. Bleibt aber zu hoffen daß Kuba weiter versucht autonom zu werden – vor allem auch was die Lebensmittelversorgung betrifft.
    Die Alternative die Kuba stets zu fürchten hat ist das kapitalistische USA-Modell Haiti.
    Zu meinen man könnte mit dem Kapitalismus aus Kuba ein „Desert Mountain“ der Wohlhabenden erreichen ist nur ein Fantasieprodukt von Kapitalismus-Gläubigen.

    • Statt an den Imperialismus verkauft sich Kuba lieber an den internationalen Prostitutions-Tourismus. Profiteure sind die Militärs und hohe Regierungsbeamte. Das Volk wird mit einem wertlosen Peso abgespeist.

  2. Pingback: Havannas neues Einkaufszentrum „Cuatro Caminos“ ist (wieder) eröffnet | Cuba heute

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