4. Juli 2022

Zafra schließt mit 431.000 Tonnen

Am 20. Mai hat Kuba die aktuelle Zuckererntesaison 2021/22 mit einem historisch schlechten Ergebnis beendet. Wie die Parteizeitung „Granma“ berichtet, konnte der Plan von 911.000 Tonnen Zucker nur zu 52 Prozent erfüllt werden. Trotz der versuchten Wiederbelebung des Sektors ab 2014 wurden zuletzt nur selten Werte von über einer Million Tonnen erreicht. In den vergangenen Rezessionsjahren erlebte Kubas Zuckerindustrie weitere Rückschläge.

„Vielfältige Gründe“

Wie die Granma berichtet, stand die diesjährige Erntesaison („Zafra“) von Anfang an unter einem schlechten Stern, von Personal- und Wartungsproblemen war bereits im Februar die Rede. Von den 35 beteiligten Zuckermühlen konnten nur drei den Plan erfüllen. Wie die staatliche Azcuba-Gruppe erklärte, sei die Versorgung der Bevölkerung über die Rationierungskarte Libreta weiterhin gesichert, allerdings wird jetzt zusätzlicher Zucker importiert werden müssen. Ursprünglich war das Ziel, dieses Jahr mindestens 500.000 Tonnen allein für den nationalen Markt bereitzustellen und den Rest zu exportieren. Die diesjährige Saison fiel mit 431.000 Tonnen jedoch nochmal deutlich geringer als die Vorsaison 2020/21 aus, bei der Kuba mit 816.000 Tonnen die niedrigste Ernte seit 1908 ins Haus stand.

Die Gründe für das schlechte Ergebnis seien „vielfältig“, wie Azcuba-Kommunikationschef Dionis Pérez gegenüber der Zeitung erklärte. Zu den „objektiven Problemen, die das Land betreffen“ (gemeint ist der Devisenmangel und fehlende Investitionen) kämen noch „organisatorische Schwierigkeiten“ hinzu. In diesem Zusammenhang wies er auf Schwierigkeiten bei der Versorgung mit Industriesauerstoff infolge von Pannen hin, die zu einer dreimonatigen Verzögerung bei der Reparatur der Anlagen sowie zu einer zwölftägigen Verzögerung bei der Inbetriebnahme der Fabriken geführt hätten. Als weitere Faktoren wurden die Auswirkungen der US-Blockade, welche den Erwerb von Ausrüstung erschwert, sowie niedrige Erträge auf den Feldern angesichts des Mangels an Düngemitteln und Herbiziden angegeben. Von den beiden letztgenannten Mitteln konnten nur 37 Prozent der benötigten Menge ausgebracht werden.

Umstrukturierung steht bevor

Zuckerrohranbau hat auf Kuba eine lange Tradition, welche der Insel sogar den Beinamen „Zuckerinsel“ verschaffte. Tatsächlich gehörte Kuba mit kontinuierlichen Ergebnissen von über acht Millionen Tonnen Rohrzucker in den 1980er Jahren einst zu den drei größten Zuckerproduzenten weltweit. Im Jahr 2002 wurde die ohne sowjetische Subventionen schwer aufrechtzuerhaltende Industrie weitgehend stillgelegt. 2014 sollte mit brasilianischer Hilfe der Neustart erfolgen, wobei langfristig Ernten von vier bis fünf Millionen Tonnen angestrebt wurden.

Um der einst prestigeträchtigen Branche neues Leben einzuhauchen, wurde inzwischen die komplette Umstrukturierung des Sektors beschlossen. Für die kommende Ernte soll Azcuba in 56 Einzelunternehmen aufgeteilt werden, welche die jeweiligen Mühlen bewirtschaften. Insgesamt umfasst das Reformprogramm „93 Maßnahmen zur Rettung der Zuckerindustrie“, mit denen die Mühlen über Kredite in die Lage versetzt werden sollen, eigenständig zu haushalten und dezentrale Logistikstrukturen aufzubauen. Die Reform stellt die erste größere Umstrukturierung des Sektors seit Auflösung des Zuckerministeriums und Gründung der Holding Azcuba im Jahr 2012 dar.

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3 Gedanken zu “Zafra schließt mit 431.000 Tonnen

  1. Eigentlich ist das doch eine gute Nachricht. Schade das man trotzdem importiert anstatt zum Beispiel eine Zuckersteuer einführt. Kuba hat einen enormen Pro-Kopf-Verbrauch an Zucker. Gerade eine kommunistische Regierung müsste doch das Wohl der Bevölkerung im Kopf haben.

    1. Ich kann nichts positives an der zurückgehenden Produktion erkennen, auch wenn das sicher keine Überraschung sondern das Ergebnis des stetigen Niedergangs der Branche in den letzten Jahren ist. Zucker war halt 1.) ein wichtiges Exportprodukt und früher eine relevante und verlässliche Devisenquelle und 2.) glaube ich kaum, dass der Verbrauch von Zucker pro Kopf in Kuba wirklich höher ist als hier bei uns. Wozu also eine Zuckersteuer einführen? Das scheint mir eher ein typisches „First-World-Problem“.

      1. Zuckerverbrauch D 2019/2020 33,8kg/Person/Jahr. Tendenz sinkend.
        Legt man die o.g. Zahlen für Kuba zugrunde (500.000 Tonnen Eigenbedarf) kommt man bei 11 Millionen Konsumenten auf 45,5kg/Person/Jahr. Also deutlich mehr als in D. Allerdings gibt es oben keine Angaben über den Verbrauch von Zucker für Nicht-Nahrungszwecke, also industriellen Einsatz..
        Quelle: https://www.ble.de/SharedDocs/Meldungen/DE/2021/210517_Zuckerbilanz.html
        Das deckt sich auch mit meinem subjektiven Eindruck: Kubaner:innen mögen’s gerne süß. Womit ich nicht sagen will, dass das für die Gesamtbevölkerung gesundheitlich relevant ist. Weil andererseits Mangel herrscht. Welcher im Unterschied zum Überfluss in der ‚First-World‘ eher gesundheitlich positive Folgen haben kann. Wenn er nicht gleichzeitig mit dem Mangel an Nährstoffen, Vitaminen, Mineralien etc. daherkommt …
        Aufschlussreicher für die Bewertung der Gesundheitssituation auf Kuba wären andere Daten. Besonders, wenn man Gesundheit nach der Satzung der WHO definierte, stände Kuba trotz eines guten gesundheitspolitischen Wesens nicht so toll da. Indes würde es ein noch schlimmeres Bild für Kuba ergeben, wenn man die anerkannte Gesundheitsdefinition der Charta von Ottawa zugrunde legt.
        https://www.euro.who.int/__data/assets/pdf_file/0006/129534/Ottawa_Charter_G.pdf

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