2. Dezember 2022

Kuba hebt Maskenpflicht auf

Ab dem heutigen 31. Mai ist das Tragen eines Mund-Nasenschutzes auf Kuba in den meisten Fällen nicht mehr verpflichtend. Dies kündigte Gesundheitsminister José Angel Portal Miranda am Montag in einer Sondersendung an. Einzige Ausnahmen sind Gesundheitseinrichtungen, ausgewiesene Quarantänezonen sowie beim Auftreten von Atemwegssymptomen. Für vulnerable Personengruppen und bei großen Menschenansammlungen (z.B. im ÖPNV) gilt weiterhin eine Empfehlung zum Tragen der Maske.

Ankündigung der Novellierung des Infektionsschutzes (Quelle: Cubadebate)

Auf Kuba galt seit Ausbruch der Pandemie im März 2020 über mehr als zwei Jahre eine strenge Maskenpflicht auch außerhalb geschlossener Räume. Verstöße wurden mit relativ hohen Bußgeldern geahndet. Inzwischen hat die Impfkampagne 96,7 Prozent der impffähigen Bevölkerung erreicht, die 7-Tage-Inzidenz lag zuletzt bei 3,6. Damit sei das Coronavirus effektiv „unter Kontrolle gebracht“, erklärte Miranda. Dies habe sich zuletzt noch einmal beim Auftreten der Omikron-Variante gezeigt, welche trotz ihrer erhöhten Infektiosität auf Kuba keine größere Hospitalisierungswelle nach sich zog. Auch deshalb die Entscheidung, nach der Rückkehr von Großveranstaltungen Anfang des Jahres, jetzt die letzte noch bestehende Interventionsmaßnahme aufzuheben.

Neben der Maskenpflicht wird auch das wöchentliche Lageupdate durch Kubas Chefepidemiologen Dr. Francisco Durán erstmals seit Beginn der Pandemie auslaufen. Fallrückverfolgung, Testung und die Nutzung von Desinfektionsmitteln in Gastronomie und öffentlichen Einrichtungen werden beibehalten. Alle 27 Sequenzierungslabore des Landes bleiben in Betrieb.

In ersten Kommentaren auf den Seiten des staatlichen Nachrichtenportals „Cubadebate“ wurde der Schritt überwiegend positiv aufgenommen. Für viele war das Ende der Maskenpflicht längst überfällig, andere hingegen erklärten, weiterhin freiwillig am Mund-Nasenschutz festhalten zu wollen. Die Pandemie sei noch nicht zu Ende, betonte der Gesundheitsminister, der jetzige Schritt markiere jedoch den Übergang in die Schutzverantwortung jedes einzelnen.

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9 Gedanken zu “Kuba hebt Maskenpflicht auf

  1. Na endlich,
    diese sinnlose Auflage, an der frischen Luft eine Maske tragen zu müsse, war in etwa so sinnvoll, wie ganze Straßenzüge mit gechlortem Wasser zu besprühen.

    1. Ist aus epidemiologischer Sicht absolut vertretbar angesicht der Inzidenz. Aber wenn man mal nach Spanien und Italien schaut (was für Kuba auch Orientierungspunkte waren) sieht man, dass auch dort anders als in D. sehr lange eine Maskenpflicht im Außenbereich galt. Und man darf nicht vergessen, dass das die letzte noch bestehende Maßnahme war, an der man als „Sicherheitsanker“ festhielt, nachdem man 2020/21 mit verfrühten Lockerungen herbe Rückschläge kassiert hatte. Insofern finde ich hat Kuba mit der langsamen Lockerungswelle beginnend ab Herbst 2021 alles richtig gemacht und ist jetzt an einem Punkt, wo man sagen kann, dass das was jetzt gelockert wurde (ojala, so lange keine neue Variante kommt) wird bleiben können und bestand hat. Das ganze hin- und her mit Länderkonferenzen und „Maske hier aber dort nicht“ aufgeteilt in 16 verschiedene Landesregelungen bei uns hat die Leute teilweise mehr verunsichert als alles andere. Da finde ich es schon sinnig diese letzte Maßnahme erst dann – und zwar generell und überall – aufzuheben, wenn man die nötige Sicherheit (und Impfquote) hat.

      1. Das sieht garantiert nicht jeder Epidemologe so. Das Ansteckgungsrisiko an der frischen Luft ist annähernd NULL, abgesehen von Massenveranstaltungen und Situationen, in denen Mindesabstände nicht eingehalten werden. Die krasse Einschränkung als solche, bürdete Auto- und Mopedfahrern, aber auch allein laufenden Menschen auf der Straße auf, bei Affenhitze eine Maske zu tragen. Das ist unangemessen und ein schwerer Eingriff in die Persönlichkeitsrechte. Ich habe auf Madeira erlebt, wie man das mit Augenmaß organisiert hat, dort wurde in allen zivilisatorischen Bereichen und in Stadtgebieten eine Maskenpflicht ausgesprochen. Das war zum Jahreswechsel als befristetet Maßnahme angemessen, als viele Touristen die Insel besuchten. Man ließ den Leuten aber trotzdem Luft, weil man es nicht haarspalterisch verfolgt hat, wenn jemand mal die Maske unter der Nase zu klemmen hatte.

        Ein Plädoyer für eine klare politische Entscheidungslinie kann ich in dem Zusammenhang natürlich nachvollziehen, aber das stellt das Förderalismus-Prinzip nicht generell in Frage. Die Imperfektion, die aus dem System in solchen Momenten leider erwächst, lebe ich lieber, als mit dem, was mir die Diktatur in Kuba zumuten würde.

      2. ‚ … Das ganze hin- und her mit Länderkonferenzen und „Maske hier aber dort nicht“ aufgeteilt in 16 verschiedene Landesregelungen bei uns hat die Leute teilweise mehr verunsichert als alles andere …‘

        In einer liberalen Gesellschaft, die zudem politisch föderal strukturiert ist, sind unterschiedliche Auffassungen und Wichtungen signifikant und Voraussetzung für einen politischen, geistigen und ethischen Diskurs. Zu beobachten beispielsweise auch bei der Bildungspolitik, der Kulturpolitik, der Sozialpolitik, etc.
        Nach meinem Verständnis ist in D der Konsens, dass niemand im Besitz der absoluten Wahrheit ist, in demokratischen Kreisen der Standard. Davon lebt die Demokratie und deshalb ist sie auch herausfordernder, als autoritäre Systeme. Gerade bei der Abwägung von persönlicher Freiheit im Rahmen ideeller und ethischer Auffassungen.
        Die ‚teilweise Verunsicherung‘ ist aus meiner Sicht zum einen von den Medien (weil schlagzeilengeeignet) hochgespielt worden (wer interviewt schon gerne nicht-verunsicherte Leute …) und wäre zum anderen sowieso nicht zu vermeiden gewesen, weil bei einer direktiven republikweiten Maskenregelung diejenigen ‚verunsichert‘ wären, die bei der obrigkeitlichen Bewertung der Pandemierisiken legitimerweise eine ganz andere Auffassung vertreten (das wären nicht wenige), was medial ebenfalls für eine Verunsicherungsdiskussion gut wäre. Diese kann man gut als wesentlich für eine freie Gesellschaft sehen. Demokratie, erst recht in einer komplexen Welt, erfordert angemessenes Umgehen mit scheinbaren Widersprüchen, also Ambiguitätstoleranz. Das ist vielleicht von den Medien in D nicht optimal vermittelt worden, obwohl es in den Leitmedien immer wieder aufgetaucht ist und einige Fachleute (Drosten, Lauterbach, Priesemann, Streeck, Wieler, etc etc) sich stark darum bemüht haben.
        Ich sehe es als (eher positives) Attribut einer offenen, pluralistischen Gesellschaft, dass sie um richtige Ideen ringt, selbst wenn sie dabei in manchen Augen einen zerstrittenen oder unbestimmten Eindruck macht (was ja besonders von altmodischen Autokraten wie Putin gerne als Schwäche interpretiert wird) . Deshalb lebe ich lieber in einem Land, wo Entscheidungen demokratisch erstritten, statt in einem System, wo diese angeordnet werden. Harmonie und Gleichklang kann im Privatleben ganz schön sein. In politischen Systemen dürfte Gleichschaltung und direktives Regieren imho eher in Paternalismus, Entmündigung und sogar faschistische Richtung führen.

        1. Fachleute Drosten,Priesemann,Lauterbach usw.
          Muhahahaaaa…Ist das Satire oder dein Ernst.
          Drosten hat nach seine Schwurbeleien die er ja schon in der Schweinegrippe unter die Leute gebracht hat das sinkende Schiff schon verlassen.
          Ich hoffe der Rest dieser selbsternannten Experten folgt bald.

        2. Man muss gar nicht so weit ausholen was die Pandemiepolitik angeht: Auch liberale Staaten wie Südkorea oder Taiwan haben, ähnlich wie Kuba, ein zentralistisches und konsequenteres Pandemiemanagement verfolgt. Die Bund-Länderkonferenzen sind schon eine deutsche Besonderheit und waren alles andere als funktional in der Pandemie. Überall wurden Fehler gemacht, auch auf Kuba (wie hier ja auch schon in einigen Corona-Updates beschrieben wurde), aber das „Ringen um richtige Ideen“ hat sich angesichts der akuten medizinischen Katastrophe in föderalen Systemen als häufig zu langsam und am Ende deshalb schwer vermittelbar erwiesen. Nicht zuletzt deshalb, weil selbst nach Erreichen eines Konsens, dieser hierzulande häufig je nach Bundesland verschieden interpretiert und umgesetzt wurde. Mit täglichem Krisenstab und Dr. Durán im Fernsehen hat Kuba da sicherlich kein schlechtes Bild abgegeben, sowohl was die Umsetzung als auch die Kommunikation der Maßnahmen anging, die (bis auf die verfrühte Öffnung des Tourismus im Winter 2020/21) nach meinem Dafürhalten immer auf wissenschaftlicher Evidenz basierten.

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