20. April 2024

Energiekrise: Universitäten setzen Präsenzbetrieb aus

Der akute Treibstoffmangel, der seit mehreren Wochen für lange Schlangen vor den Tankstellen in Kuba sorgt, hat mittlerweile zu weitreichenden Einsparmaßnahmen geführt. Mehrere Universitäten kündigten an, den Präsenzunterricht in der letzten Aprilwoche auszusetzen. Erste Provinzregierungen gaben Rationierungspläne bekannt.

Die Universität von Santa Clara, „Marta Abreu“, kündigte an, erst am 3. Mai wieder in den Präsenzbetrieb zu starten. Studierende sind angehalten, sich kommende Woche über das Moodle-Onlineportal der Einrichtung mit Übungsaufgaben zu versorgen, Dozierende erhalten für die Zeit kostenlosen Internetzugang. Dies berichtet die Zeitung des Studierendenverbands FEU, „Alma Mater“. Auch die Universitäten von Holguín, Artemisa, Sancti Spíritus, und die landwirtschaftliche Hochschule von Havanna setzen kommende Woche den Präsenzunterricht aus, die Studentenunterkünfte sind dann teilweise geschlossen. Die Hochschulen von Pinar del Río, Cienfuegos, Matanzas, Camagüey, Las Tunas, die Universität Havanna (UH) und die Technische Universität Havanna (CUJAE) kündigten hingegen an, den Präsenzbetrieb am Montag unter Anpassungen fortzusetzen. So finden in der UH kommende Woche keine Prüfungen statt. Dozenten sind dazu angehalten, beim Unterrichtsbeginn auf extreme Verspätungen keine Rücksicht zu nehmen und Inhalte möglichst online verfügbar zu halten.

Kubas Energieminister Vicente de la O Levy kündigte am Dienstag die Entscheidung der Regierung an, aufgrund der aktuellen Mangelsituation Treibstoff in den kommenden Wochen zu rationieren. Dem Land stünden derzeit nur 400 der 500 bis 600 Tonnen zu Verfügung, die jeden Tag verbraucht werden. Die Ursache sind dem Minister zu Folge Ausfälle und Verzögerungen zentraler Lieferanten. Hinzu kommt, dass Kuba aufgrund laufender Wartungsarbeiten der Großkraftwerke verstärkt Dieselkraftstoff für die Stromerzeugung nutzt, der für den Verkehrssektor fehlt. O Levy zu Folge soll die Situation noch über den Mai anhalten, wobei bereits „erste Lieferanten wieder ihren Verpflichtungen nachkommen“, so der Minister.

Die Einsparmaßnahmen sehen vor, die Abgabe von Kraftstoff an Tankstellen stark zu begrenzen um „vitale Dienstleistungen“ wie Krankentransporte, Dialyse, Wartungsfahrzeuge von Telefon- und Stromversorger sowie Bestattungsdienste aufrecht zu erhalten. In Havanna sind am Dienstag Abgabelimits von 100 Liter Diesel bzw. 40 Liter Benzinkraftstoff pro Fahrzeug in Kraft getreten. Die Provinz Villa Clara kündigte die zeitweise komplette Aussetzung des freien Verkaufs an. „Mit voller Transparenz teilen wir Ihnen mit, dass wir heute nicht über die nötige Treibstoffmenge verfügen, um den Verkauf zu organisieren“, war am Samstag auf der Seite des Bürgerportals „Soy Villa Clara“ zu lesen. Nur „zugelassenen privaten Beförderungsunternehmen für den öffentlichen Verkehr“ kann eine Mindestmenge garantiert werden.

Am Sonntag dementierte der staatliche Ölkonzern Cupet Spekulationen, nach denen die Treibstoffkrise in Folge von Re-Exporten von raffinierten Treibstoffen entstanden sei, da die Lieferungen aus dem befreundeten Venezuela laut Frachterdaten zunahmen. „Cupet exportiert keine Treibstoffe, da die Nachfrage nicht gewährleistet ist“, stellte Generaldirektor Néstor Pérez Franco gegenüber dem Nachrichtenportal „Cubadebate“ klar. Er verwies auf Einfuhrbeschränkungen und hohe Preise auf dem Weltmarkt „die es dem Land sehr schwer machen, Zugang zu diesem Produkt zu erlangen“ und erklärte, dass die aus Venezuela gelieferten Mengen nur den Grundbedarf decken könnten. „Wir arbeiten daran den Engpass, der uns alle betrifft, so schnell wie möglich zu beseitigen“, sagte Pérez.

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