9. Juni 2023

Díaz-Canel nimmt Stellung zur Treibstoffknappheit (+Update vom 18.04)

Seit einigen Tagen schon hat sich der Treibstoff in Kuba erneut verknappt. Vor den Tankstellen Havannas bilden sich lange Schlangen, die teils mehrere hundert Meter lang sind und in denen die Fahrer übernachten. Auch in anderen Landesteilen gibt es wenig Sprit, der Transport ist stark eingeschränkt. Zuletzt hatte die Treibstoffknappheit auch Auswirkungen auf die Stromerzeugung, einzelne Abschaltungen waren die Folge. Die Situation erinnert an die letzte große Treibstoffkrise im März 2022, die in Folge einer Kraftwerkshavarie aufkam. Am Freitag hat nun Präsident Díaz-Canel über die Ursachen der Situation Auskunft gegeben.

Demnach stehen Kuba von den 500 bis 600 Tonnen Treibstoff, die das Land täglich benötigt, aktuell weniger als 400 Tonnen zur Verfügung. Ursache sind vor allem Lieferrückstände, da einige der Hauptlieferanten selbst „in schwierigen energetischen Situationen“ steckten und ihre Zusagen entsprechend nicht einhalten konnten. Einer der wichtigsten Öl- und Treibstofflieferanten Kubas ist Venezuela, das die Insel im Rahmen eines bilateralen Vertrags im Austausch für den Dienst kubanischer Ärzte versorgt. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf interne Dokumente berichtet, hat der venezolanische Staatskonzern PDVSA seine Lieferungen seit Januar von 40.000 Barrel pro Tag (bpd) auf 52.000 bpd im Februar und 76.000 bpd im März aufgestockt. Von den 8,3 Millionen Tonnen Treibstoff, die Kuba jedes Jahr für Stromerzeugung und Verkehr verbraucht, müssen 61 Prozent importiert werden.

Schlange vor einer Tankstelle in Havanna (Quelle: Cubadebate)

„Beim Diesel ist die Lage eine andere. Abgesehen von den genannten Situationen, haben wir hier garantierte Lieferungen. Dieses Schiff kam in Santiago de Cuba an und hatte dort eine Panne, so dass es nicht rechtzeitig zu anderen Häfen in Kuba weiterfahren konnte, was zu einer Verzögerung bei der Verteilung des Kraftstoffs geführt hat“, sagte Díaz-Canel.

Verschärft wird die Lage zusätzlich durch die stärkere Nutzung dezentraler Dieselkraftwerke, welche während der derzeit laufenden Wartungsarbeiten der Großkraftwerke als Ausgleich gebraucht werden. „Ein bedeutender Anteil des Diesels ist in die Stromerzeugung geflossen“, so Díaz-Canel. Nun habe sich auch hier die Versorgung zugespitzt, weshalb es erneut zu Stromabschaltungen gekommen ist.

Die Krise könnte indes noch einige Zeit anhalten. Derzeit habe man „noch immer keine klaren Vorstellungen davon, wie wir aus dieser Situation herauskommen werden“, erklärte das kubanische Staatsoberhaupt.

Update (18.04): Mittlerweile hat sich auch Energieminister Vicente de la O Levy zur aktuellen Treibstoffsituation geäußert. Aufgrund der Mangelsituation sei die Entscheidung getroffen worden, den Treibstoff an den Zapfsäulen des Landes zu rationieren:

„Wir werden in den restlichen Tagen des April weiter Treibstoff nur in ziemlich kleinen Mengen freigeben, daher die Warteschlangen an den Tankstellen. Die Situation verbessert sich tendenziell aufgrund von Entscheidungen und Verhandlungen, erste Lieferanten kommen ihren Verpflichtungen bereits nach. Dies ist einer der Gründe für die verspätete Information. […] Trotz einer leichten Verbesserung werden wir auch in den verbleibenden Tagen des April und kommenden Mai keine Normalität haben. Wir werden weiterhin nur partiell und in reduzierter Form Treibstoff abgeben, damit die Versorgung nicht gegen Null geht und vitale Dienstleistungen gewährleistet werden können.“

Kubas Energieminister Vicente de la O Levy am 17. April, Hervorhebungen durch den Autor

Die aktuelle Krise wird sich also noch einige Wochen hinziehen, doch anders als in der vorherigen Stellungnahme Díaz-Canels stellt O Levy vorsichtig ein Ende in Aussicht. Die Verknappung von Energieträgern, fügte er hinzu, sei ein „weltweites Problem, doch in Kuba wird es aufgrund der Blockade immer akuter sein“. Es sei sehr schwierig für das Land, Schiffe für den Transport und entsprechende Finanzierung aufzutreiben, darüber hinaus seien aber auch „normale Anforderungen beim Kauf von Treibstoffen“ für Kuba teilweise schwer zu erfüllen, so der Minister.

Die Stadtregierung von Havanna führte am Dienstag Abgabelimits für die Tankstellen der Hauptstadt ein. Diese betragen 100 Liter Diesel bzw. 40 Liter Benzin pro Fahrzeug. Andere Provinzen dürften demnächst mit ähnlichen Schritten folgen. Vor allem „Ambulanzen, Bestattungsdienste und die Kartoffelernte“ sollen laut O’Levy bei der Versorgung mit Diesel priorisiert werden.

Auch Flüssiggas, das vor allem zum kochen verwendet wird, ist knapp. In einen Provinzen sei die Verfügbarkeit „sehr niedrig, mancherorts fast Null“, weshalb die Lebensmittelverarbeitung und Krankenhäuser bevorzugt werden. Hier soll jedoch kurzfristig eine Lösung gefunden werden können.

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