18. Juni 2024

Verstärkung für Cubana: Russischer Jumbojet wieder im Einsatz

Die Fluggesellschaft Cubana erhält nach langer Zeit wieder eine Verstärkung der Flotte. Am vergangenen 3. Dezember landete eine Iljuschin Il-96-300 nach 14-monatiger Generalüberholung in Havanna. Erst wenige Wochen vorher war eine instantgesetzte Tupolew aus Russland zurückgekehrt. Damit verfügt die sozialistische Airline wieder über eigene Großraumflugzeuge für Mittel- und Langstreckenflüge.

Eigentlich besitzt die Cubana vier Il-96, die allerdings seit einigen Jahren ein trauriges Dasein im Hangar fristen müssen. Der Mangel an Devisen hat die überfälligen Wartungsarbeiten für die russischen Maschinen verzögert. 2018 wurde deshalb die erste und bis Mitte 2021 auch die drei übrigen Maschinen ausgemustert. Die meisten internationalen Verbindungen der Cubana werden seitdem über Verträge mit externen Anbietern bedient, welche auf gängige Boeing- oder Airbustypen zurückgreifen. Auch für Regierungsflüge müssen seither ausländische Maschinen gechartert werden. 2019 vereinbarten Kuba und Russland ein Abkommen zur Generalüberholung der russischen Cubana-Maschinen, um dessen Umsetzung es während der Pandemie zunächst still wurde.

Am 10. August 2022 war die Iljuschin mit der Registriernummer CU-T1250 schließlich in das Herstellerwerk nach Woronesch aufgebrochen. Dort wurde sie einer „schweren Form der Wartung“ unterzogen, wie das Flugzeugwerk WASO auf seinem Telegram-Kanal erläutert. Diese umfassst neben der Modernisierung von Cockpit- und Navigationssystemen in der Regel auch Arbeiten am Fahrwerk und der Lackierung, weiß das Fachportal „Flugrevue“ zu berichten. Wie der Projektverantwortliche Alexander Jarschewski erklärte, habe man bei den Arbeiten viel gelernt. „Die Erfahrungen mit der kubanischen Il-96 waren sowohl für uns als auch für sie sehr nützlich“, sagte der WASO-Mitarbeiter. Jetzt will die Cubana offenbar auch ihre drei verbliebenen Iljuschin-96-Maschinen wieder flott machen. Damit die nächste Wartung schneller ablaufen kann, sei ein „spezielles Konzept“ entwickelt worden, das die nötigen Vorarbeiten Seitens der Kubaner in Havanna festlege, erklärte Jarschewski.

Die CU-T1250 wurde 2005 gebaut, ihre beiden Schwestermaschinen mit den Registriernummern CU-T1251 und CU-T1254 wurden 2006 ebenfalls fabrikneu an die Cubana übergeben. Die vierte Il-96 mit dem Kennzeichen CU-T1717 wurde 1993 gebaut und war zuvor für russische Fluggesellschaften im Einsatz. Sie wurde im Jahr 2014 erworben.

Iljushin für die Langstrecke, Tupolew für Regionalflüge: Die Tu-204E mit der Kennung CU-T1702 ist nach Abschluss der Wartung am 18. September nach Havanna zurückgekehrt (Quelle: Cubadebate)

Die vierstrahlige Iljuschin 96 war einst das modernste Großraumflugzeug der Sowjetunion und wurde als Konkurrent zur Boeing 767 und Airbus A330 entworfen. Sie fasst bis zu 300 Passagiere und verfügt über eine maximale Reichweite von 13.500 Kilometern. Der Jungfernflug der ersten Testmaschine fand am 28. September 1988 statt. In den 1990er Jahren wurden mehrere Varianten wie Il-96M/T und Il-96-400 mit vegrößerter Flügelspannweite und erhöhter Zuladung entwickelt. Aufgrund mangelnder Wirtschaftlichkeit konnte sie sich auf dem Weltmarkt nicht durchsetzen, weshalb weltweit nur 30 Exemplare existieren. 2019 wurde die Produktion nach mehrjähriger Unterbrechung allerdings wieder aufgenommen. Eine vergrößerte Variante mit der Bezeichnung Il-96-500 soll ab 2026 als Frachtmaschine ausgeliefert werden. Cubana ist die weltweit einzige Fluggesellschaft, die eine Il-96 für den Passagierbetrieb einsetzt. Neben der kommerziellen Nutzung dürfte die Il-96 erneut als kubanische Präsidentenmaschine zum Einsatz kommen.

Am 18. September kehrte auch eine 2007 gebaute Tupolew Tu-204E nach vierjähriger Überholung wieder nach Kuba zurück. Sie war 2019 zur Wartung ins russische Uljanowsk gestartet, aufgrund fehlender Finanzierung lag das Projekt jedoch lange auf Eis. Mit einer Reichweite von 4500 Kilometern dürfte sie künftig für regionale Mittelstreckenverbindungen in Lateinamerika zum Einsatz kommen.

Kuba hatte zuvor kein glückliches Händchen bei der Beschaffung neuer Flugzeuge. Zwischen 2013 und 2015 wurden sechs Antonow An-158 erworben (Cuba heute berichtete), die vor allem für Inlandsflüge genutzt werden sollten. Die modernen Regionaljets wurden von Aviant in Kiev als ukrainisch-russisches Gemeinschaftsprojekt gebaut. Mit Kriegsbeginn brach jedoch die Ersatzteilversorgung zusammen, weshalb alle sechs Maschinen inzwischen stillgelegt werden mussten. „Wir haben die An-158 in der Ukraine gekauft, der Vertrag für die Ersatzteile wurde aber mit Russland geschlossen“, erklärte ein Cubana-Sprecher.

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