Analyse: Wie zufrieden sind die Kubaner?

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Was denken die Kubaner über ihre Revolution? (Quelle: Washington Post)

Die Mehrzahl der Kubaner begrüßt die Gespräche mit den USA und blickt optimistisch in die eigene Zukunft. Dies ist Ergebnis einer aktuellen Erhebung, die vor wenigen Wochen auf Kuba durchgeführt wurde. Im Auftrag der Washington Post ermittelte das amerikanische Meinungsforschungsinstitut Bendixon & Amandi die Haltung von 1.200 Kubanern zu einem breiten Katalog unterschiedlicher Themen. Dabei heraus kam ein einzigartiges Stimmungsbild vom Stand der öffentlichen Meinung auf der Insel, das jedoch aufgrund der ausgewählten Stichprobe mit Vorsicht zu genießen ist.

Kuba – ein schwieriges Pflaster für Meinungsforscher

Meinungsumfragen sind für die meisten Kubaner nichts neues. Die Regierung nutzt schon seit Jahrzehnten die Methode der empirischen Sozialforschung, um die Stimmung im Land zu erfassen und Problemfelder näher zu bestimmen. Für ausländische Meinungsforscher hingegen ist Kuba ein schwieriges Pflaster. Die Behörden reagieren äußerst misstrauisch gegenüber Ausländern, die mit Fragebögen von Haus zu Haus gehen. Im aktuellen Fall von Bendixon & Amandi hat dies eine verdeckte Rekrutierung der kubanischen Interviewer erforderlich gemacht.

„Bereits nach drei oder vier Tagen haben wir erfahren, dass drei unserer vier Interviewer verhaftet wurden“, berichtet Fernand Amandi, der Leiter der Umfrage. Dennoch gelang es dem Team zwischen dem 17. und 27. März alle geplanten Interviews abzuschließen. Obwohl auch andere Institute (z.B. das IRI) mehr oder weniger regelmäßige Meinungsumfragen in Kuba durchführen, stach die jüngste Umfrage vor allem durch die Aktualität in Folge der Wiederannäherung an die USA sowie durch ihren Umfang hervor. Selten gelingt es ausländischen Meinungsforschern, mehr als 1.000 Kubaner zu derart vielen Aspekten zu befragen. Von internationalen Medien wurde die Erhebung entsprechend breit rezipiert. Doch nicht nur deshalb lohnt sich ein näherer Blick auf die Ergebnisse.

Optimismus und der Wunsch nach Wohlstand

Zunächst einmal fällt auf, dass die meisten Kubaner frohen Mutes in die Zukunft blicken. 73% der Befragten äußerten sich mit Blick auf ihre eigene Zukunft und die ihrer Familie optimistisch, 55% gehen von der Verwirklichung ihrer Wünsche innerhalb der nächsten fünf Jahre aus. Zu diesen gehört für 64% der Befragten eine Auslandsreise. Ganze 37% der Kubaner wollen der Umfrage zu Folge ein Geschäft eröffnen, während sich 34% ein Auto wünschen – hier waren auch Mehrfachnennungen möglich.

Auf die Frage: „Was benötigt das kubanische Volk derzeit am dringendsten?“ forderten 24% der Befragten ein offenes politisches System, genauso viele wünschten sich eine Verbesserung ihrer Lebensqualität. Mit 48% stand jedoch für die meisten eine besser funktionierende Wirtschaft an erster Stelle. Nur 19% der Befragten Kubaner zeigten sich mit dem derzeitigen Wirtschaftssystem zufrieden, womit die ökonomischen Schwierigkeiten gegenüber allen anderen Aspekten hervorstechen.

Kubas politisches System im Vergleich

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So zufrieden sind die Kubaner mit… (Quelle: Washington Post)

Immerhin 39% gaben an, mit dem politischen System zufrieden zu sein, während 34% „überhaupt nicht zufrieden“ mit der Politik ihres Landes sind. Der Grund hierfür liegt für 49% an mangelnder Freiheit, während an zweiter Stelle (26%) abermals das Ausbleiben wirtschaftlicher Entwicklung genannt wurde. 19% hingegen führten die abstrakte Aussage „Wir brauchen Veränderung“ als Ursache für ihre politische Unzufriedenheit ins Feld.

Im lateinamerikanischen Kontext schneidet das politische System Kubas nicht so schlecht ab, wie diese Zahlen zunächst suggerieren. Nur 34% aller Lateinamerikaner vertrauen aktuellen Erhebungen zu Folge ihren jeweiligen Parlamenten. In Peru beispielsweise gaben jüngst gerade einmal 25% der Befragten an, ihrer Regierung zu vertrauen. Lediglich 28% der Peruaner sind mit der Demokratie in ihrem Land zufrieden. In Kolumbien liegt dieser Wert bei 39, in Brasilien und Argentinien bei 49 und in Ecuador bei 56%.

Überdurchschnittlich bewertet wurden hingegen die kubanischen Sozialsysteme, auch wenn es gegenüber älteren Erhebungen einen leichten Rückgang gab. 68% der Kubaner sind heute mit dem Gesundheitssystem auf der Insel zufrieden. Die hohe Zufriedenheit deckt sich mit den Ergebnissen einer früheren Gallup-Umfrage, wonach im Jahr 2007 gut 75% der Kubaner angaben, Vertrauen in ihr Gesundheitswesen zu haben – gegenüber 57% im Rest Lateinamerikas. Mit 72% Zufriedenheit wurde das Bildungssystem geringfügig besser bewertet als die Gesundheitsfürsorge. Auch hier lag Kuba bereits 2007 mit 78% gegenüber 59% im lateinamerikanischen Durchschnitt deutlich vorne. Damals gaben lediglich die Hälfte der Lateinamerikaner an, dass Bildung in ihrem Land für alle zugänglich sei. In Kuba wurde diese Frage zu 98% bejaht.

Russland bleibt populärer als die USA

Nach ihrer Haltung zu anderen Ländern befragt, bewerteten die Kubaner vor allem Bolivien, Ecuador und Venezuela positiv. Über 90% bezeichneten diese Länder als Freunde Kubas. Die USA hingegen landeten mit 53% weit abgeschlagen hinter Russland (71%), aber noch vor Nordkorea (43%). Eine überwältigende Mehrheit der Kubaner (97%) ist der Ansicht, dass der Normalisierungsprozess mit den USA gut für Kuba sei. 64% versprechen sich davon eine Veränderung des Wirtschaftssystems, während 37% von einer Veränderung des politischen Systems ausgehen. Zwar wünschen sich 52% der Befragten ein Mehrparteiensystem in Kuba, allerdings gehen nur 19% davon aus, dass dies umgesetzt wird.

Eindeutige Haltungen gab es auch bei anderen Fragen in Bezug auf die Vereinigten Staaten: So sprachen sich wenig überraschend 96% der Kubaner für das Ende der Wirtschaftsblockade aus, während 83% einen Besuch ihres Präsidenten in den USA begrüßen würden. Mit Blick auf die USA werden nochmals die ökonomischen Prioritäten der Kubaner deutlich: 43% wünschen sich (bei möglicher Mehrfachnennung) von ihrem nördlichen Nachbarn vor allem neue Supermärkte, dicht gefolgt von Wohngebäuden (41%), Apotheken (40%) und Autos (35%). Auf die Auswirkungen des zunehmendem Fremdenverkehrs angesprochen gaben 96% an, der Tourismus würde ihrem Land gut tun.

Raúl Castro beliebter als sein Bruder

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Die Umfrage offenbart einen eklatanten Unterschied zwischen verschiedenen Altersgruppen (Quelle: Washington Post)

Bei der Beliebtheit einzelner Personen schnitten Papst Franziskus und Barack Obama am besten ab. Jeweils 80% der Kubaner hatten eine positive Meinung von ihnen. Naturgemäß fällt die Zustimmung für das eigene Staatsoberhaupt weitaus geringer aus, lediglich 47% hatten demnach eine positive Meinung von Raúl Castro. Damit hat Kubas Präsident in seinem Land etwa die selben Zustimmungswerte wie Barack Obama in den USA, liegt aber innerhalb Kubas noch vor seinem Bruder Fidel, von dem 44% der Befragten eine positive Meinung hatten. Im lateinamerikanischen Vergleich genießt Raúl Castro damit die selben Zustimmungswerte wie Rafael Correa in Ecuador mit 46,5%, liegt aber deutlich vor Venezuelas Präsident Nicolás Maduro, der derzeit mit einem Umfragetief von 25% zu kämpfen hat. In Kuba hingegen wurde Maduro von 62% der Befragten positiv bewertet.

Interessant ist auch die demographische Komposition der Ergebnisse. So gaben sich in der Gruppe der 18 bis 49-jährigen 75% optimistisch mit Blick auf ihre Zukunft, bei den über 50-jährigen hingegen nur 68%. Noch eklatanter ist der Abstand bei den Hautfarben. 77% der sich als weiß bezeichnenden Kubaner sind demzufolge optimistisch, allerdings nur 57% der schwarzen. Dennoch sind die Afrokubaner überdurchschnittlich zufrieden mit dem Wirtschaftssystem der Insel. Die Zustimmung zum Einparteiensystem scheint in Kuba vor allem altersabhängig zu sein: So wünschen sich bei den 18 bis 49-jährigen 59% mehr als eine Partei, in der Gruppe der über 50-jährigen sind es lediglich 37% und bei den über 65-jährigen sogar nur 27%. Eine positive Meinung von der regierenden kommunistischen Partei hatten 27% der 18 bis 34-jährigen, jedoch 44% der 50 bis 64-jährigen.

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„Wie würden Sie die Kommunistische Partei Kubas (PCC) bewerten?“ (Quelle: Washington Post)

Fragt man nach der Beliebtheit Raúl Castros, vermutet man die größten Zustimmungswerte zurecht bei der älteren Bevölkerung. Tatsächlich ist Kubas Präsident in der Altersgruppe der 18 bis 34-jährigen nicht übermäßig populär, dort haben 43% eine positive Meinung von ihm. Am besten schneidet Raúl hingegen bei den über 65-jährigen mit 55% ab. Ähnlich verhält es sich im Falle Fidel Castros, der in der Gruppe der 50 bis 64-jährigen den größten Zuspruch (51%) genießt. Zudem haben 40% der weißen Bevölkerung, jedoch 51% der Afrokubaner eine positive Meinung von ihm. Auffällig ist auch die regionale Verteilung: Während Raúl Castro in Zentralkuba den höchsten Zuspruch (57%) erhält, ist Fidel Castro vor allem in Westkuba und Havanna beliebt, dort haben 58% der Einwohner eine positive Meinung von ihrem langjährigen Präsidenten.

Wie repräsentativ ist die Zusammensetzung der Umfrage?

Bei den demographischen Angaben offenbart sich allerdings auch die methodische Schwäche der Umfrage. Auf Nachfrage durch „Cuba heute“ erklärte die Washington Post, „dass die demographische Zusammensetzung der Befragten mit der Gesamtbevölkerung hinsichtlich des Geschlechts, der Region und der Hautfarbe verglichen wurde und den Regierungsangaben sehr nahe kommt.“ Lediglich das Alter der ungewichteten Stichprobe liege etwas unter dem Durchschnitt. Obwohl sich diese Einschätzung bestätigen lässt, scheint sich die soziale Zusammensetzung der Befragten in mancherlei Hinsicht von der Gesamtbevölkerung zu unterscheiden.

Auffällig war beispielsweise, dass 57% der Umfrageteilnehmer angaben, über einen eigenen Telefonanschluss in ihrem Haushalt zu verfügen. Offizielle Statistiken zeigen jedoch, dass in Kuba lediglich 29 Telefonanschlüsse pro 100 Einwohner vorhanden sind. Für dieses Phänomen fand die Washington Post nach Rücksprache mit Bendixen & Amandi eine schlüssige Erklärung. Auch den Interviewern vor Ort sei die übermäßige Telefondichte aufgefallen, „sie berichteten, dass viele die Frage nicht wie beabsichtigt verstanden und Telefonzugang im Haus mit dem Zugang zu einem Telefon im Rahmen ihrer Nachbarschaft interpretiert haben“, lautete die Antwort der Zeitung gegenüber „Cuba heute“.

Schwieriger wird es bei der Frage des Arbeitsplatzes. Bendixon & Amandi haben in Kuba genauso viele Staatsangestellte wie Arbeiter aus dem Privatsektor befragt, was jedoch starke Zweifel an der Repräsentativität der Stichprobe aufkommen lässt. Nach offiziellen Statistiken arbeiten derzeit lediglich 22% der kubanischen Beschäftigten im Privatsektor, was 12% der volljährigen Gesamtbevölkerung ausmacht. Fast jeder dritte Befragte gab bei der Umfrage jedoch an, im Privatsektor beschäftigt zu sein. Dies deutet auf eine urbane Tendenz innerhalb der ausgewählten Zielgruppe hin, bei der offenbar überproportional viele Privatunternehmer zu Worte kamen. Andere Umfragen, wie die „Cuba Survey“ des IRI, haben eine deutlich bessere Arbeit hinsichtlich der Auswahl eines repräsentativen Personenkreises geleistet. Eine Antwort der Washington Post auf diese Kritik steht bis heute aus.

Fazit

Meinungsumfragen sind in Kuba grundsätzlich mit vielen Schwierigkeiten verbunden. Zum einen fehlt es oft an der geeigneten Infrastruktur um beispielsweise zufallsgenerierte Telefonumfragen durchführen zu können, zum anderen gestaltet sich der Umfrageprozess selbst höchst schwierig. Insbesondere bei brisanten politischen Themen, z.B. bei der Frage nach dem Einparteiensystem, verweigern teilweise über 20% der Befragten die Auskunft. Zudem ist vorstellbar, dass überzeugte Anhänger der Revolution sich aus Prinzip nicht an derartigen Umfragen beteiligen. Die Auswahl eines repräsentativen Personenkreises scheint selbst großen Meinungsforschungsinstituten in Kuba noch immer zu misslingen. Nicht zuletzt werden manche Fragen vollkommen unterschiedlich interpretiert, wie das Beispiel der Telefonanschlüsse zeigt.

Ungeachtet ihrer methodischen Schwächen gibt die Umfrage von Bendixon & Amandi zumindest einen ersten Einblick in das Denken einiger Kubaner. Trotz der üblichen Fehlerquote von 5 Prozent und einer nicht vollständig repräsentativen Zielgruppe, lassen sich vor allem bei den eindeutig beantworteten Fragen Rückschlüsse auf die Haltung der Bevölkerung ziehen, zumal die Erhebung landesweit in allen Provinzen (mit Ausnahme der Insel der Jugend) proportional zur Einwohnerzahl durchgeführt wurde. Dennoch stellt die Umfrage vor allem eine Momentaufnahme dar. Insbesondere bei kontroversen Themen bleibt ein großer Unsicherheitsfaktor, weshalb die Ergebnisse grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen sind.

Anhang

Kuba reformiert das Hochschulwesen

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Die Universität von Camagüey (Quelle: Juventud Rebelde)

Havanna. Kubas Regierung will bis zum Jahr 2016 eine landesweite Hochschulreform zum Abschluss bringen, um die Qualität der Bildungseinrichtungen zu erhöhen und die verfügbaren Mittel effizienter zu nutzen. Im Rahmen dieses Prozesses sollen in den einzelnen Provinzen mehrere Hochschulen zu zentralen Bildungseinrichtungen zusammengefasst werden.

Bei der Reform gehe es nicht um das simple „Addieren“ der Einrichtungen, sondern um die Schaffung einer neuen Universität, „mit einem stärker multidisziplinären Charakter und mit höheren Immatrikulationsziffern“, sagte Santiago Lajes Choy, Direktor der Universität Camagüey, gegenüber der Tageszeitung „Juventud Rebelde“.

Kuba verfügt derzeit über 59 Hochschuleinrichtungen, darunter 22 Universitäten, die dem Ministerium für Hochschulbildung unterstehen. Im Rahmen der Reform soll für jede der 16 Provinzen eine spezifische Strategie entwickelt werden, um die Zusammenlegung der Standorte möglichst sinnvoll umzusetzen. Die Konzentration der Universitäten wird von Investitionen in neue Lehrmaterialien sowie technischen Sanierungsmaßnahmen begleitet. Auch die Schulung des Hochschulpersonals zählt zu den Maßnahmen der Reform.

Die Provinzen Artemisa, Mayabeque und die Insel der Jugend machten 2012 den Anfang bei der Umstrukturierung, in diesem Jahr werden die Provinzen Pinar del Río, Las Tunas, Granma, Holguín und Santiago de Cuba folgen. 2016 soll die Reform in der Hauptstadt Havanna ankommen und damit landesweit abgeschlossen werden. Kuba gibt jedes Jahr zwölf Prozent seiner Wirtschaftsleistung für sein Bildungssystem aus, ein Drittel davon wird für die Finanzierung der Hochschulen verwandt.

von Marcel Kunzmann / Amerika21

Havanna investiert in Kinderkrippen

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Mit der Neueröffnung und Sanierung von Kinderkrippen will Kuba die Bedingungen für junge Mütter verbessern (Quelle: Cubadebate)

Kubas Gesellschaft wird immer älter. Aus diesem Grund will die Regierung in den kommenden Jahren Maßnahmen ergreifen, um dem demographischen Wandel entgegen zu wirken. Hierzu gehört auch der Neubau sowie die Sanierung von Betreuungseinrichtungen für Kleinkinder. Im vergangenen Jahr konnten allein in Havanna elf geschlossene Kindertagesstätten ihre Tore wieder öffnen.

Nach Angaben des letzten Zensus aus dem Jahr 2012 sind 18,3 Prozent der Kubaner heute über 60 Jahre alt, im Jahr 2030 werden es gut 30 Prozent sein. In den letzten Jahren hat sich die Geburtenrate auf 1,5 Kinder pro Frau reduziert – bei einer Lebenserwartung von gut 79 Jahren und konstanter Emigration. Kuba steht damit vor ähnlichen demographischen Herausforderungen, wie man sie sonst eigentlich nur aus reichen Industrienationen kennt.

Derzeit versucht die Regierung deshalb ein umfassendes Konzept zur Bewältigung des demographischen Wandels zu entwickeln. Dieses umfasst ein Bündel von Maßnahmen, die an verschiedenen Stellen ansetzen. So wurden beispielsweise im letzten Jahr zahlreiche Altenheime und Betreuungseinrichtungen für Alzheimer-Erkrankte saniert. Aber auch mit der Wiederherstellung ehemals geschlossener Kindertagesstätten wurde bereits begonnen.

In diesem Jahr wird das Programm an Fahrt aufnehmen, allein in Havanna sollen 18 Kinderkrippen die im Laufe der Sonderperiode geschlossen wurden, neu eröffnet werden. Zusätzlich werden 198 der 423 Krippen in der Hauptstadt saniert, dadurch sollen 1.300 neue Plätze entstehen. Landesweit gibt es in Kuba etwa 1.000 solcher Einrichtungen – mit steigendem Bedarf. Auch in Kuba leiden junge Mütter oftmals unter der Doppelbelastung von Familie und Beruf, weshalb die staatlichen Betreuungseinrichtungen einen wichtigen Teil des Bildungsnetzes darstellen. Seit 2008 hat sich die Anzahl der betreuten Kinder von 130.000 auf 140.000 erhöht.

Um die Lage der jungen Müttern auf dem Land zu verbessern, sollen weitere Kindertagestätten in entlegenen Gebieten errichtet werden, die bisher noch nicht über solche Einrichtungen verfügen. Zudem plant das Gesundheitsministerium die Betreung von Schwangeren weiter auszubauen um die Müttersterblichkeit zu senken. Arbeitende Frauen mit mehreren Kindern sollen bei der Vergabe von Krippenplätzen bewusst bevorzugt werden. Leitbild der demographischen Politik des Landes ist eine Familie mit mindestens zwei Kindern.

Kuba gibt weltweit am meisten für Bildung aus

En el aula. Foto: Ismael Francisco/Cubadebate

Kuba hat eine der höchsten Einschulungsraten des amerikanischen Kontinents (Quelle: Cubadebate)

Havanna. Nach Angaben eines Berichts der Weltbank befinden sich Kuba, Bolivien und Venezuela unter den zehn Staaten, die weltweit am meisten für Bildung ausgeben. Die Studie bezieht sich auf den Zeitraum 2009 bis 2013 und misst die staatlichen Bildungsausgaben in Relation zum Brutttoinlandsprodukt (BIP).

Den ersten Platz weltweit belegte dabei das sozialistische Kuba, das im Jahr 2010 knapp 13 Prozent des BIPs in die Bildung seiner Bürger investierte. Platz zwei belegte der südostasiatische Staat Osttimor mit 10,5 Prozent des BIP.

Venezuela und Bolivien landeten mit je 6,9 Prozent auf dem achten und neunten Platz. In Lateinamerika folgen sie jedoch direkt nach Kuba. Auf dem dritten Rang bei den Bildungsausgaben des Kontinents kommt Costa Rica, gefolgt von Argentinien mit je 6,3 Prozent.

von Marcel Kunzmann / Amerika21