Kuba reformiert das Hochschulwesen

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Die Universität von Camagüey (Quelle: Juventud Rebelde)

Havanna. Kubas Regierung will bis zum Jahr 2016 eine landesweite Hochschulreform zum Abschluss bringen, um die Qualität der Bildungseinrichtungen zu erhöhen und die verfügbaren Mittel effizienter zu nutzen. Im Rahmen dieses Prozesses sollen in den einzelnen Provinzen mehrere Hochschulen zu zentralen Bildungseinrichtungen zusammengefasst werden.

Bei der Reform gehe es nicht um das simple „Addieren“ der Einrichtungen, sondern um die Schaffung einer neuen Universität, „mit einem stärker multidisziplinären Charakter und mit höheren Immatrikulationsziffern“, sagte Santiago Lajes Choy, Direktor der Universität Camagüey, gegenüber der Tageszeitung „Juventud Rebelde“.

Kuba verfügt derzeit über 59 Hochschuleinrichtungen, darunter 22 Universitäten, die dem Ministerium für Hochschulbildung unterstehen. Im Rahmen der Reform soll für jede der 16 Provinzen eine spezifische Strategie entwickelt werden, um die Zusammenlegung der Standorte möglichst sinnvoll umzusetzen. Die Konzentration der Universitäten wird von Investitionen in neue Lehrmaterialien sowie technischen Sanierungsmaßnahmen begleitet. Auch die Schulung des Hochschulpersonals zählt zu den Maßnahmen der Reform.

Die Provinzen Artemisa, Mayabeque und die Insel der Jugend machten 2012 den Anfang bei der Umstrukturierung, in diesem Jahr werden die Provinzen Pinar del Río, Las Tunas, Granma, Holguín und Santiago de Cuba folgen. 2016 soll die Reform in der Hauptstadt Havanna ankommen und damit landesweit abgeschlossen werden. Kuba gibt jedes Jahr zwölf Prozent seiner Wirtschaftsleistung für sein Bildungssystem aus, ein Drittel davon wird für die Finanzierung der Hochschulen verwandt.

von Marcel Kunzmann / Amerika21

Havanna investiert in Kinderkrippen

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Mit der Neueröffnung und Sanierung von Kinderkrippen will Kuba die Bedingungen für junge Mütter verbessern (Quelle: Cubadebate)

Kubas Gesellschaft wird immer älter. Aus diesem Grund will die Regierung in den kommenden Jahren Maßnahmen ergreifen, um dem demographischen Wandel entgegen zu wirken. Hierzu gehört auch der Neubau sowie die Sanierung von Betreuungseinrichtungen für Kleinkinder. Im vergangenen Jahr konnten allein in Havanna elf geschlossene Kindertagesstätten ihre Tore wieder öffnen.

Nach Angaben des letzten Zensus aus dem Jahr 2012 sind 18,3 Prozent der Kubaner heute über 60 Jahre alt, im Jahr 2030 werden es gut 30 Prozent sein. In den letzten Jahren hat sich die Geburtenrate auf 1,5 Kinder pro Frau reduziert – bei einer Lebenserwartung von gut 79 Jahren und konstanter Emigration. Kuba steht damit vor ähnlichen demographischen Herausforderungen, wie man sie sonst eigentlich nur aus reichen Industrienationen kennt.

Derzeit versucht die Regierung deshalb ein umfassendes Konzept zur Bewältigung des demographischen Wandels zu entwickeln. Dieses umfasst ein Bündel von Maßnahmen, die an verschiedenen Stellen ansetzen. So wurden beispielsweise im letzten Jahr zahlreiche Altenheime und Betreuungseinrichtungen für Alzheimer-Erkrankte saniert. Aber auch mit der Wiederherstellung ehemals geschlossener Kindertagesstätten wurde bereits begonnen.

In diesem Jahr wird das Programm an Fahrt aufnehmen, allein in Havanna sollen 18 Kinderkrippen die im Laufe der Sonderperiode geschlossen wurden, neu eröffnet werden. Zusätzlich werden 198 der 423 Krippen in der Hauptstadt saniert, dadurch sollen 1.300 neue Plätze entstehen. Landesweit gibt es in Kuba etwa 1.000 solcher Einrichtungen – mit steigendem Bedarf. Auch in Kuba leiden junge Mütter oftmals unter der Doppelbelastung von Familie und Beruf, weshalb die staatlichen Betreuungseinrichtungen einen wichtigen Teil des Bildungsnetzes darstellen. Seit 2008 hat sich die Anzahl der betreuten Kinder von 130.000 auf 140.000 erhöht.

Um die Lage der jungen Müttern auf dem Land zu verbessern, sollen weitere Kindertagestätten in entlegenen Gebieten errichtet werden, die bisher noch nicht über solche Einrichtungen verfügen. Zudem plant das Gesundheitsministerium die Betreung von Schwangeren weiter auszubauen um die Müttersterblichkeit zu senken. Arbeitende Frauen mit mehreren Kindern sollen bei der Vergabe von Krippenplätzen bewusst bevorzugt werden. Leitbild der demographischen Politik des Landes ist eine Familie mit mindestens zwei Kindern.

Kuba gibt weltweit am meisten für Bildung aus

En el aula. Foto: Ismael Francisco/Cubadebate

Kuba hat eine der höchsten Einschulungsraten des amerikanischen Kontinents (Quelle: Cubadebate)

Havanna. Nach Angaben eines Berichts der Weltbank befinden sich Kuba, Bolivien und Venezuela unter den zehn Staaten, die weltweit am meisten für Bildung ausgeben. Die Studie bezieht sich auf den Zeitraum 2009 bis 2013 und misst die staatlichen Bildungsausgaben in Relation zum Brutttoinlandsprodukt (BIP).

Den ersten Platz weltweit belegte dabei das sozialistische Kuba, das im Jahr 2010 knapp 13 Prozent des BIPs in die Bildung seiner Bürger investierte. Platz zwei belegte der südostasiatische Staat Osttimor mit 10,5 Prozent des BIP.

Venezuela und Bolivien landeten mit je 6,9 Prozent auf dem achten und neunten Platz. In Lateinamerika folgen sie jedoch direkt nach Kuba. Auf dem dritten Rang bei den Bildungsausgaben des Kontinents kommt Costa Rica, gefolgt von Argentinien mit je 6,3 Prozent.

von Marcel Kunzmann / Amerika21