Kubas stille Internetrevolution

Noch immer teuer, aber zunehmend verfügbar: private Internetanschlüsse auf Kuba (Quelle: americateve)

Ohne großen Medienrummel, fast geräuschlos, kündigte Kubas Internetversorger ETECSA vor wenigen Tagen die Umsetzung eines alten Versprechens an: der massenhafte Ausbau privater Internetanschlüsse. Seit Ende letzten Monats profitieren die ersten fünf Provinzen und die Hauptstadt Havanna vom schnellen Internet „en casa“. Innerhalb der kommenden zwei Monate sollen mehr als 30.000 kubanische Privathaushalte mit DSL versorgt werden, meldet das Nachrichtenportal „Cubadebate“.

Seit dem 29. September wird ein Pilotprojekt, welches Ende letzten Jahres zunächst für wenige Haushalte in Havannas Altstadt begann, auf weitere Teile des Landes ausgedehnt. Kubas staatlicher Internetversorger stellte zunächst einigen hundert Haushalten mit Telefonanschluss einen Router sowie ein kostenloses Paket von 30 monatlichen Stunden Internetzugang zu Verfügung, um die technische Machbarkeit und die Akzeptanz des Angebots zu überprüfen.

Wie sieht das Preismodell aus?

Nun soll das Modell mit besserem Preis-Leistungsverhältnis im ganzen Land Schule machen. Wo ursprünglich 15 CUC für eine 256 Kbps-Leistung verlangt wurden, soll nun für das selbe Geld DSL 1.000 zu Verfügung stehen. Für 30 CUC bekommt man auf Kuba nun eine DSL 2.000 Leitung und für 50 CUC stehen 3 Mbit Downstream bei einer garantierten Upload-Leistung von 512 Kbps zu Verfügung. Die schnellste Option wird DSL 5.000 für 70 CUC im Monat sein. Voraussetzung ist immer ein bestehender Festnetzanschluss. Die Einrichtungskosten belaufen sich auf 14 CUC, entsprechende Verträge können in der ETECSA-Filiale abgeschlossen werden, der Router wird vom Internetanbieter vermietet.

Zwar wird es zunächst keine Flatrate-Tarife geben und jedes der Pakete beinhaltet lediglich 30 monatliche Surfstunden zu den jeweiligen Geschwindigkeiten – dennoch bekommt man mit den neuen Internetpaketen deutlich mehr für sein Geld als bei den öffentlichen Hotspots, wo eine Stunde mit 1,50 CUC dreifach so teuer verrechnet wird wie bei dem günstigsten Paket der Heimtarife. Viel mehr als DSL 1.000 haben die meisten Hotspots für den einzelnen Anwender nämlich auch nicht zu bieten, zudem fehlt an den öffentlichen Zugangspunkten der Schutz vor Witterung und die Privatsphäre beim surfen.

Wer bekommt alles Internet?

Von dem neuen Angebot profitieren werden zunächst die Bewohner der Provinzen Pinar del Río, Las Tunas, Holguín, Granma, Guantánamo sowie die Hauptstadt Havanna. In letzterer sollen zunächst ausgewählte Gebiete in den Stadtteilen Centro, Vieja, Plaza, La Habana del Este, San Miguel del Padrón und La Lisa versorgt werden. Perspektivisch wird in den kommenden Jahren das ganze Land von der „Internet-Revolution“ erfasst werden, immer „in Einklang mit den technischen Bedingungen der jeweiligen Gebiete“, wie es in einem Statement des Telefonanbieters heißt.

Die Ausdehnung des Projekts erfolgt in mehreren Etappen. Bis zum Ende des Jahres soll „nauta hogar“ von derzeit 600 Nutzer auf über 30.000 anwachsen. Im nächsten Jahr sind weitere Zuwächse geplant. Preise und Leistungen sollen sich im Rahmen der technischen und finanziellen Möglichkeiten des Unternehmens verbessern, wie bereits bei den mehr als 400 öffentlichen WiFi-Hotspots, die vor gut drei Jahren an wenigen Orten mit einem stündlichen Tarif von 4,50 CUC starteten und heute für 1,50 CUC pro Stunde jede Gemeinde des Landes mit Internet versorgen.

Die Hotspots sind seit ihrer Einführung die einzige Option, mit der Kubaner problemlos im weltweiten Netz surfen können. Internetzugang gibt es für die meisten sonst nur an wenigen Arbeitsplätzen sowie in Bildungseinrichtungen. Private Heimanschlüsse waren bisher ausgewählten Berufsgruppen wie Ärzten und Journalisten vorbehalten und selbst diese verfügten meist lediglich über eine langsame Modemverbindung. Der Ausbau privater DSL-Anschlüsse ist die Einlösung eines langjährigen Versprechens der politischen Führung, welche sich zum Ziel gesetzt hat, bis 2020 mindestens jeden zweiten Haushalt mit Internet zu versorgen.


Gebiete, die bis Ende des Jahres mit privaten Internetanschlüssen versorgt werden können:

Havanna:

  • Catedral (La Habana Vieja)
  • Los Sitios (Centro Habana)
  • sectores de Puentes Grandes, Plaza und Rampa (Plaza de la Revolución)
  • Alamar Alturas y Campo Florido (La Habana del Este)
  • Dolores Veracruz (San Miguel del Padrón)
  • Versalles Coronela, Balcón Arimao (La Lisa)
  • Miramar und Ampliación Almendares (Playa)

Weitere Provinzen:

Quelle: Cubadebate

Quelle: Cubadebate

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2 Gedanken zu „Kubas stille Internetrevolution

  1. Pingback: nachschLAg: Ein unvollständiger Wochenrückblick - Welcome @ trueten.de

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