Panamá vergibt Einkaufs-Visa an kubanische Selbstständige

Kubas Privatsektor kann ab sofort für einen Monat auf Einkaufstour nach Panamá gehen (Quelle: Juventud Rebelde)

Beschäftigte im kubanischen Privatsektor können ab sofort von einem neuen Shopping-Visa in Panamá Gebrauch machen. Zum Preis von 20 US-Dollar vergibt das zentralamerikanische Land entsprechende Genehmigungen für den Besuch der Freihandelszone von Colón an Kubaner, welche als Kunsthandwerker oder selbstständig Beschäftigte tätig sind. Alle anderen sind in der Regel von dem Angebot ausgeschlossen, außer sie konnten bisherige Reisen nach Panamá oder in Drittländer vorweisen.

Mit dem neuen Visaprogramm will Panamá die Verkäufe in der Freihandelszone Colón ankurbeln. Sie ist die größte Freihandelszone des Kontinents und grenzt direkt an den Panamakanal, einer der zentralen Handelsrouten für Lateinamerika und die Karibik. Das neue Einkaufs-Visum wird nur mit gültigem Hin- und Rückflug ausgegeben und ist für maximal 30 Tage gültig. Es kann ab sofort im Konsulat des Landes in Havanna erworben werden, wie die Tageszeitung „Juventud Rebelde“ berichtet.

Am Montag wird Panamas Präsident Juan Carlos Varela für einen zweitägigen Staatsbesuch nach Havanna reisen. Neben der Vorstellung der kubanischen Biotechnologiebranche könnte es bei den Gesprächen auch um die neue Visapolitik seines Landes gehen. Panamá ist aufgrund der niedrigen Preise in der Freihandelszone bereits seit Jahren ein beliebtes Ziel kubanischer Einkäufer. Im letzten Jahr besuchten über 80.000 Kubaner das Land. Mit der neuen Visapolitik könnte sich diese Zahl deutlich erhöhen.

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Lohnreform kommt „mit höchster Priorität“

Der Vorsitzende des kubanischen Gewerkschaftsdachverbands CTC, Ulises Guilarte de Nacimiento (links), und Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel (Quelle: ACN)

Havanna. Die Regierung Kubas arbeitet an einer umfassenden Lohnreform. Dies gab der Generalsekretär des Gewerkschaftsverbands CTC, Ulises Guilarte de Nacimiento, vergangene Woche bekannt. Dieses Thema werde von der Regierung aktuell „mit höchster Priorität“ bearbeitet. Ziel sei es, die unzureichende Kaufkraft der Löhne gegenüber den hohen Einzelhandelspreisen zu korrigieren. Die Reform der Löhne und Preise ist bereits seit längerer Zeit im Gespräch. Sie soll einhergehen mit der lange angekündigten Währungsreform, um die Doppelwährung auf der Insel zu beseitigen.

„Diese Reform hängt vom Status der Doppelwährung ab, und davon, ob genügend Waren und Dienstleistungen verfügbar sind um entsprechende Nachfragesteigerungen zu befriedigen. Falls nicht, wäre der unmittelbare Effekt der Anstieg der Preise und Inflation“, erklärte Guilarte bei der Gewerkschaftskonferenz in Havanna. Die Regierung hat in der Vergangenheit immer wieder eingeräumt, dass die vom Staat ausbezahlten Löhne unzureichend sind um die Kosten der Bevölkerung zu decken, was wiederum zu niedriger Produktivität und der großen Verbreitung halblegaler Geschäftstätigkeiten geführt hat.

Im Jahr 2017 betrug der Monatslohn im Staatssektor durchschnittlich 767 kubanische Pesos, was nach aktuellem Wechselkurs etwa 27 Euro entspricht. Dank zahlreicher Subventionen und der staatlichen Grundversorgung ist die Kaufkraft jedoch deutlich höher als etwa in Deutschland. Dennoch sind vor allem Importprodukte und Haushaltsgeräte, die zu gängigen Weltmarktpreisen angeboten werden, für viele Kubaner unerschwinglich. Die Reform des Lohn- und Preissystems ist dabei eng an die Abschaffung der Doppelwährung geknüpft, welche auf Kuba seit 1993 de facto existiert.

Der frühere Präsident Raúl Castro äußerte zuletzt im Dezember 2017, dass sich die anstehende Währungsreform bereits „zu sehr verzögert“ habe und nun „nicht länger hinausgeschoben“ werden könne. Dabei soll der 2004 eingeführte Konvertible Peso (CUC), der einst den US-Dollar ablöste, zugunsten des kubanischen Pesos (CUP) als einzigem Zahlungsmittel abgeschafft werden. Dieser wiederum müsste seinen Wechselkurs von bisher 24:1 gegenüber dem Dollar reduzieren, was die Kaufkraft stärken, jedoch auch Risiken in Bezug auf die Inflation mit sich bringen würde.

Von Marcel Kunzmann / Amerika21

Kuba fördert Internetversorgung im ländlichen Raum

Bisher nutzen rund 51.000 Kubaner einen Internetanschluss in den eigenen vier Wänden (Quelle: ACN / Cubadebate)

Kubas staatlicher Telefonversorger ETECSA kündigte jüngst ein neues Tarifmodell für Internetnutzer in ländlichen Gegenden an. Für 5 CUC pro Monat können Kunden in ausgewählten Landgemeinden ab sofort das 30-Stunden-Paket des Anbieters mit einer Geschwindigkeit von 512 Kbps buchen. Mit dem Angebot soll eine preiswerte Grundversorgung in entlegeneren Gebieten geschaffen werden, wo aufgrund fehlender Infrastruktur noch keine schnellen Verbindungen möglich sind.

Seit letztem Herbst läuft auf Kuba der Ausbau von privaten Internetanschlüssen im Rahmen des Angebots „Nauta hogar„. Bisher haben über 51.000 Kubaner einen entsprechenden Vertrag bei ETECSA. Internet „en casa“ ist heute noch längst nicht in allen Orten des Landes verfügbar, wird jedoch stetig ausgebaut. Derzeit kann in rund einem Drittel der Wohngebiete auf der Insel ein Heimanschluss gebucht werden. Bisher wird das Angebot vor allem in den urbanen Zentren des Landes in Anspruch genommen. Die Preise zwischen 15 CUC (1024/256 kbps) und 70 CUC (4096/512 kbps) sind jedoch für viele noch immer zu hoch.

Mit dem jetzigen Schritt sollen auch ländliche Gegenden stärker in den Fokus des Internetversorgers rücken, wobei auch die „sozialen und ökonomischen Bedingungen der Regionen“ stärker berücksichtigt werden, wie es in einem Statement von ETECSA heißt. Neben dem reduzierten Preis von 5 CUC im Monat entfallen in diesen Gegenden auch die Einrichtungsgebühren und der Router kann über einen Zeitraum von 12 Monaten abbezahlt werden. Bisher kann das Angebot in 18 ländlichen Gemeinden in 8 verschiedenen Provinzen genutzt werden. Die maximale Geschwindigkeit beträgt dort 512 kbps im Download bzw. 256 kbps im Upload. Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel bekräftigte in der Vergangenheit wiederholt, dass das Internet „ein Recht aller“ sei, welches erschwinglicher und verfügbarer gemacht werden müsse. Der Ausbau der digitalen Infrastruktur des Landes zählt zu den Prioritäten der neuen Regierung.

Über 40.000 im Ausland lebende Kubaner zurückgekehrt

Der für im Ausland lebende Kubaner zuständige Funktionär des kubanischen Außenministeriums, Ernesto Soberón (Quelle: Granma)

Seit der Reform der kubanischen Migrationsgesetze im Jahr 2013 haben sich 40.603 im Ausland lebende Kubaner wieder repatriieren lassen. Dies gab Ernesto Soberón Guzmán, Leiter der zuständigen Abteilung beim kubanischen Außenministerium, jüngst im Rahmen einer Pressekonferenz bekannt. Soberón bekräftigte den Willen der kubanischen Regierung, weiterhin mit den im Ausland lebenden Landsleuten zusammenzuarbeiten.

Dies drücke sich nicht zuletzt auch bei der Beteiligung von im Ausland lebenden Kubanern an der laufenden Volksaussprache zur Verfassungsreform aus. „Bis heute haben sich Kubaner aus 121 Ländern an der Debatte beteiligt“, so Sóberon. Auch der Reiseverkehr hat in den letzten 5 Jahren stark zugenommen. Seit 2013 besuchten mehr als zwei Millionen im Ausland lebende Kubaner die Insel, während 2,6 Millionen kubanische Staatsbürger ins Ausland reisten.

Seit dem 14. Januar 2013 sind in Kuba neue Migrationsgesetze in Kraft. Die Beantragung einer gesonderten Ausreiseerlaubnis für kubanische Staatsbürger ist seit diesem Datum entfallen. Die Dauer von Auslandsaufenthalten wurde auf zwei Jahre erhöht, wobei eine Verlängerung möglich ist. Wer innerhalb dieses Zeitraums nach Kuba zurückkehrt, behält seine Staatsbürgerschaft. Auch wie Repatriierung von im Ausland lebenden Kubanern wurde mit den neuen Bestimmungen vereinfacht.

Obwohl sich die Regierung damals vorbehielt, die Regelungen bei bestimmten Fachkräften noch zu modifizieren, trat kein massenhafter Exodus aufgrund der Reiseerleichterungen ein. Stattdessen würden die damals eingeführten Maßnahmen heute „völlig normal funktionieren“ und genössen „in- und außerhalb Kubas große Akzeptanz“, sagte Soberón. „Unterm Strich reisen die Kubaner heute zunehmend ins Ausland, wandern jedoch nicht massenhaft aus.“

Erster spanischer Staatsbesuch in Kuba nach 32 Jahren

Erstmals nach 32 Jahren wird Spanien in Person des aktuellen Ministerpräsident Pedro Sánchez zu einem offiziellen Staatsbesuch nach Kuba kommen (Quelle: Flickr)

Havanna. Im November wird erstmals seit 32 Jahren ein offizieller Staatsbesuch zwischen Spanien und Kuba stattfinden. Darauf hatten sich der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel und Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez bereits am Rande der UN-Generalversammlung in New York am 25. September verständigt, nun wurde die Verabredung öffentlich gemacht. Ein Besuch Havannas schien zunächst unwahrscheinlich, da der Iboamerika-Gipfel in Antigua als weitere Gesprächsplattform genutzt werden sollte. Laut offiziellen Angaben wird es nun zudem am 22. und 23. November ein Treffen in der kubanischen Hauptstadt geben. Neben seinen Verpflichtungen um den Iboamerika-Gipfel am 15. und 16. November sowie dem G-20-Gipfel in Buenos Aires am 30. November und 1. Dezember wird Sánchez daher innerhalb von etwas mehr als 15 Tagen dreimal den Atlantik überqueren.

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Kubas Präsident fordert Investitionen in Industrie und Tourismus

In der 2014 eröffneten Sonderwirtschaftszone im kubanischen Mariel haben sich inzwischen 37 Unternehmen angesiedelt (Quelle: Radio Reloj)

Havanna. Das sozialistische Kuba plant, den Tourismus-Sektor weiter auszubauen und will gleichzeitig auch die Industrialisierung des Landes vorantreiben. Die Regierung sieht vor, mit der Entwicklung der Sonderwirtschaftszone von Mariel (ZEDM) künftig die notwendigen Produktionskapazitäten für das weitere Wachstum aufzubauen. Im diesjährigen Portfolio für ausländische Investoren, das Ende des Monats auf der Handelsmesse von Havanna (FIHAV) vorgestellt werden soll, sind aus diesem Grund 27 neue Projekte in verschiedenen Bereichen der Industrieentwicklung enthalten.

Am Montag bezeichnete Präsident Miguel Díaz-Canel auf der Sitzung der zuständigen Fachminister die Tourismus-Branche als „Lokomotive der Entwicklung“, die weiter ausgedehnt werden solle. In diesem Jahr rechnet Kuba mit 4,75 Millionen Touristen, rund zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Zu den wichtigsten Herausforderungen zähle laut Díaz-Canel neben der Sicherstellung der Qualität bei den Hotels auch die Verbesserung der Internetversorgung. In einem ersten Schritt soll es deshalb bald in allen Vier- und Fünf-Sterne Unterkünften des Landes auf jedem Zimmer drahtlosen Breitbandzugang geben. Darüber hinaus sollen die Preise für Roaming-Dienste gesenkt werden.

Um die Tourismus-Branche stärker von Importen unabhängig zu machen, sollen künftig ausländische Investoren neue Industriezweige entwickeln, welche jenseits des Tourismus sowohl für den Binnenmarkt als auch den Export produzieren sollen. Im diesjährigen Portfolio sind 27 neue Projektvorschläge enthalten, welche auf diesen Bereich abzielen. Unter anderem wird nach Partnern gesucht, um je eine Fabrik für Verpackungsmaterialien und Reinigungsmittel zu errichten. Auch ist geplant, die Abfallwirtschaft von Havanna mittels internationaler Partner neu aufzubauen. Die Müllentsorgung der kubanischen Hauptstadt zu verbessern sei ein „entscheidendes Thema“, sagte Außenhandelsminister Alfredo López. Deshalb werde „mit Hochdruck“ nach Investitionspartnern zum Aufbau eines Abfallwirtschaftssystems gesucht.

Kuba rechnet in diesem Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von rund 1,5 Prozent. Nachdem die Insel ab dem Jahr 2016 aufgrund der zurückgehenden Öllieferungen aus Venezuela wirtschaftlich angespannte Zeiten durchlebt hatte, will die Regierung künftig verstärkt auf die Entwicklung der Sonderwirtschaftszone in Mariel setzen, welche 2014 eröffnet wurde. Derzeit sind dort 37 Unternehmen mit einem Wert von rund 1,3 Mrd. US-Dollar angesiedelt.

Pinar del Río kommt mit blauem Auge davon

Derzeit wird in Pinar del Río mit Hochdruck an der Wiederherstellung der Stromversorgung gearbeitet (Quelle: Guerillero)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nachdem Hurrikan „Michael“ am Montag an Kubas westlichster Provinz Pinar del Río vorbeizog, sind inzwischen erste Informationen über das Ausmaß der Schäden bekannt. Nach Angaben der Lokalzeitung „Guerillero“ wurden insgesamt 1082 beschädigte Gebäude gemeldet, während sich auf der Insel der Jugend die Schäden auf 16 Gebäude beschränken. Damit kam das Land gemessen an früheren Stürmen diesmal mit einem blauen Auge davon. Am Mittwoch stattete Präsident Díaz-Canel der Provinz Pinar del Río einen Besuch ab, um sich vor Ort über die Lage zu informieren.

Noch immer sind jedoch rund 200.000 Haushalte ohne Strom. Die Regierung hat deshalb bereits am Dienstag Reparaturbrigaden aus Sancti Spíritus und Ciego de Ávila nach Pinar entsandt. Die beiden zentralkubanischen Provinzen waren nicht nur von „Michael“ verschont worden, sondern verfügen auch über umfangreiche Erfahrungen bei der Wiederherstellung der Stromversorgung. Zuletzt verwüstete „Irma“ im Herbst 2017 große Teile Zentralkubas, wobei das Stromnetz aufgrund der schweren Schäden an einem Großkraftwerk für mehrere Tage völlig kollabierte.

Laut Angaben von „Guerillero“ funktionierte das von der UN als vorbildlich gelobte Evakuierungssystem auch dieses mal, weshalb es zu keinen menschlichen Verlusten kam. Noch immer seien jedoch zahlreiche Gegenden aufgrund von Erdrutschen und Überschwemmungen nicht erreichbar. Die Normalität läuft langsam an und beginnt zunächst mit der Beseitigung der gröbsten Schäden, umgestürzten Bäumen und vor allem der Wiederherstellung der Stromversorgung, von der auch die Normalisierung der Wasserversorgung abhängt.

Kubas Präsident Díaz-Canel stattete den betroffenen Gebieten am Mittwoch einen Besuch ab. Unter anderem besuchte er eine Tabakplantage der Gegend um Vueltabajo. Rund 32 Prozent der Tabakernte sind von den Schäden betroffen. Tabak gilt als wichtigstes Exportprodukt der Provinz, die für den groß der nationalen Produktion aufkommt. Als wichtige Sofortmaßnahme der Katastrophenhilfe werden 1,5 Millionen Eier und andere Lebensmittel in die Provinz geliefert. Dazu sollen mehr als 15.000 neue Dächer kommen. Immerhin: an Wasser dürfte es der ländlich geprägten Provinz in Zukunft nicht fehlen. Die durch die letzten Niederschläge ohnehin schon gut gefüllten Staubecken weisen nach „Michael“ einen Füllstand von 98 Prozent aus.