8. Dezember 2022

Kuba erleichtert privaten Fischhandel

Eine kleine Meldung ging in den vergangenen Wochen fast unter. Dabei könnte die Neuerung Bewegung in einen nach wie vor stark regulierten Sektor bringen: Die Fischerei. Wie die Parteizeitung „Granma“ berichtet, wird der private Fischverkauf „auf experimenteller Basis“ erleichtert. Konkret bedeutet dies, dass für den privaten Fischhandel kommendes Jahr keine Fischereilizenz mehr erforderlich ist. Viele Kleinfischer dürften von der Lockerung profitieren – doch wird diese auch langfristig mehr Meeresprotein die Teller der Kubaner bringen?

Kuba und der Fisch, das ist so eine Sache. Eine Insel umgeben von Meer, deren Küstengewässer ein riesiges Schongebiet für allerlei Meerestiere darstellen. Denn trotz der schwierigen Versorgungslage läuft die tierische Proteinversorgung auf Kuba fast ausschließlich über Landlebewesen. Und das nicht erst seit gestern. Die indigene Bevölkerung betätigte sich noch umfangreich in der Fischerei, nach der spanischen Kolonisation setzten sich Schweine und Hühnerzucht durch. Fisch gilt vielen als weniger reichhaltig und schmackhaft im Vergleich zum „pollo/cerdo criollo“, dem heimischen Huhn bzw. Schwein. Daran konnten auch die zahlreichen Initiativen Fidel Castros nichts ändern, der versucht hatte, die Ernährungsgewohnheiten seiner Landsleute durch die Gründung staatlicher Fischrestaurants zu verbreitern. Auch soll der „máximo lider“ einst live im Fernsehen einen Fisch auf genussvolle Weise verspeist und dabei von den gesundheitlichen Vorteilen maritimer Ernährung berichtet haben – vergeblich.

Neben der Gewohnheit spielt jedoch auch ökonomische und rechtliche Situation eine Rolle, wenn Kuba-Reisende regelmäßig über das nicht vorhandene Angebot an Fisch und Meeresfrüchten staunen. So musste das Land in den 1990er Jahren aufgrund Devisenmangels fast die komplette staatliche Fischfangflotte verkaufen. Private Fischerei war jedoch nur für den Eigenbedarf legal. Langusten und andere Meeresfrüchte, die in Casas zu Essen angeboten werden, stammen fast immer vom Schwarzmarkt. Wenn ab und zu tiefgefrorener Fisch in den Devisenläden landet, dann meist in Form von Importen. Gebremst wurde die Entwicklung der heimischen Fischerei lange Zeit von den allgemeinen Einschränkungen gegenüber privaten Geschäften, darüber hinaus aber auch von strengen Küstenschutzbestimmungen. Diese wiederum haben ihre Ursachen in der Bekämpfung der illegalen Migration und im ebenfalls strengen Umweltschutz auf Kuba. Zwischen 2016 und 2021 reduzierten sich die Fänge der kubanischen Fischerei nochmal um 24 Prozent auf magere 40.000 Tonnen pro Jahr.

Der restriktive Rahmen begann sich erst 2019 zu lockern, als die Kategorie des Fischers Eingang in die Lizenzbestimmungen des Privatsektors fand. Kommerzielle Fischerei auf privater Basis ist seither möglich, auch Fischfangkooperativen können gegründet werden – theoretisch. In der Praxis wurden aus unerfindlichen Gründen bislang kaum Lizenzen ausgegeben, so dass mit der jetzigen Lockerung versucht wird, an zwei Stellen anzusetzen: Zum einen kann Fisch jetzt zunächst für ein Jahr ohne Lizenz (aber mit Steuerformular) verkauft werden, zum anderen sollen „ab Inkrafttreten des Gesetzes neue Fischereilizenzen verkauft werden“. Gehandelt werden können Fisch, Muscheln, Krabben und Garnelen. Das ganze erfolgt auf „experimenteller Basis“ und beschränkt sich zunächst auf das kommende Jahr. Im Dezember 2023 soll dann Bilanz gezogen werden. Ob bis dahin mehr Fisch nachgefragt und umgesetzt werden kann, bleibt abzuwarten. Ebenso unsicher bleibt die Zukunft der privaten Fischerei im kubanischen Sozialismus. Allein die Nachfrage des Exportsektors müsste der Fischerei eigentlich einen Impuls verleihen können, karibische Languste, Krabbe und Thunfisch sind schließlich gefragte Produkte auf dem Weltmarkt. Und wann, wenn nicht jetzt, wäre es an der Zeit die reichen Gewässer der kubanischen Küste endgültig für die Verbesserung der Ernährungssituation zu nutzen?

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