22. Mai 2024

Zentralbankspitze in Kuba wird neu besetzt

Der kubanische Staatsrat hat am Mittwoch Joaquín Alonso Vázquez zum neuen Präsidenten der Zentralbank (BCC) ernannt. Der 59-jährige leitete bisher die staatlichen CADECA-Wechselstuben. Ihm dürfte jetzt die Umsetzung einiger geldpolitischer Maßnahmen zukommen, die dieses Jahr geplant sind.

Alonso Vázquez hat einen Abschluss in Finanz- und Kreditwesen, einen Master in Management und war in verschiedenen Positionen im Bankensektor tätig. So fungierte er unter anderem als stellvertretender Provinzdirektor der Banco Popular de Ahorro in Havanna, als Direktor für Sparwesen in der Zentrale der Banco Popular de Ahorro und war Leiter des Kreditwesens beim Finanzdienstleister FINALSE. Zwischen 2000 und 2010 war er Vizepräsident von CUBALSE, einem Unternehmen, das seit 1962 Verkäufe in Devisen für ausländische Unternehmen und Botschaften anbietet. Anschließend war er sieben Jahre lang Vizepräsident der Banco Popular de Ahorro, bis er 2017 in seine aktuelle Position befördert wurde.

Wie das Nachrichtenportal „Cubadebate“ berichtet, hat Alonso Vázquez auch Erfahrungen bei der Unternehmensreform innerhalb der Streitkräfte („Perfeccionamiento empresarial“) gesammelt, die in den 1980er Jahren begann. Damals wurden im Staatssektor erste Erfahrungen mit neuen Managementmethoden und Marktmechanismen gesammelt.

Alonso Vázquez‘ Werdegang wird in der offiziellen Note gelobt, so habe er auch während seiner Zeit als Vizepräsident der Organisation kubanischer Ökonomen und Buchhalter „positive Ergebnisse“ vorzuweisen gehabt. Anders der Ton über die bisherige BCC-Präsidentin Martha Sabina Wilson González (58), deren „Bemühungen gewürdigt“ werden, und die sich „anderen Aufgaben“ zuwenden werde: Im politischen Jargon Kubas bedeutet das eine ehrenhafte Entlassung bei mäßiger Leistung.

Wilson González begann ihre Karriere 1986 bei der Zentralbank, wo sie zwischen 1998 und 2001 als Zahlungsbilanzanalystin und Spezialistin für internationale Wirtschft tätig war. 2012 wurde sie Vizepräsidentin der BCC, 2019 deren Leiterin. Mit Wilson González verliert Kubas Wirtschaft eine prominente schwarze Funktionärin, die durch einen weißen Mann ersetzt wird. Die Förderung von Frauen, Schwarzen und Mulatten im politischen System erlebt damit einen Rückschlag. González‘ eher bürokratisches Auftreten als Zentralbankpräsidentin und der Werdegang ihres Nachfolgers lassen jedoch vermuten, dass die Neubesetzung fachlich kein schlechter Griff gewesen sein könnte.

Auf Alonso Vázquez warten jedenfalls große Aufgaben. Kubas Zentralbank befindet sich gerade inmitten eines Prozesses um Teile der Altschulden des Landes beim obersten Gericht in London. Konkret geht es um 72 Millionen US-Dollar von denen Kuba behauptet, dass diese durch einen Zentralbankmitarbeiter illegal an einen „Geierfond“ verkauft worden seien, weshalb man die Schuldtitel nicht anerkennt. Gleichzeitig zeigt sich Havanna jedoch bereit, eine Einigung mit den ursprünglichen Gläubigern zu erzielen. Der Ausgang dieses Prozesses dürfte große Auswirkungen für die Kreditfähigkeit des sozialistischen Landes haben und wird von Kubas Gläubigern genau beobachtet. Bis ein finales Urteil gefällt wird, könnten jedoch noch Jahre vergehen.

Zu den unmittelbar bevorstehenden Aufgaben des frischgebackenen Zentralbankpräsidenten dürfte indes die Umsetzung neuer fiskalpolitischer Maßnahmen gehören. Kubas Regierung kündigte auf der Parlamentssitzung im vergangenen Dezember ein „makroökonomisches Stabilisierungsprogramm“ an, das unter anderem neue Mechanismen für die Devisenzuteilung und antiinflationäre Maßnahmen umfassen soll. Die Rolle und Verantwortung der Zentralbank im Reformprozess dürfte damit wachsen. Gut vorstellbar, dass die Neubesetzung der BCC-Spitze in diesem Zusammenhang erfolgt ist.

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