20. Februar 2024

(Vorsichtige) Entspannung der Stromsituation

Die Energiesituation wird auch in diesem Sommer in Kuba weiter angepannt bleiben. Nachdem vergangenen Freitag mit der „Antonio Guiteras“ Kubas größtes Kraftwerk nach einem Fehlstart hochgefahren werden konnte, hat sich das tägliche Stromdefizit auf der Insel jedoch deutlich reduziert. Die Frage ist: für wie lange?

Wie der Energieversorger UNE meldet, wird das Erzeugungsdefizit am heutigen Dienstag bei 90 Megawatt liegen. Für gestern waren 390 Megawatt angesagt. Seit dem Start der „Guiteras“ oszillieren die Werte um diesen Bereich herum. In der Praxis bedeutet das deutlich weniger langanhaltende Stromabschaltungen. Vor dem Start der Guiteras lagen die Werte bei 500 bis 900 Megawatt, ähnlich hoch wie vergangenen Sommer, in dem viele Provinzen mit täglichen Stromsperren von acht Stunden und mehr zu tun hatten.

Grund zum Aufatmen gibt es dennoch nicht: Der erste Startversuch der Guiteras sorgte Mitte des Monats für Sorgenfalten in den Reihen der Techniker, nachdem die Turbine aufgrund eines Kesselschadens bereits nach wenigen Stunden vom Netz genommen werden musste. Eine erneute Wartungsaktion unter Hochdruck konnte das Problem zwar nach 10 Tagen beheben, dennoch braucht das 35 Jahre alte Kraftwerk dringend eine umfassende Generalüberholung, die nicht vor Jahresende beginnen kann.

Doch vorerst speist die Guiteras wieder ein. Wie der Energiejournalist José Miguel Solis berichtet sogar mit 265 statt der ursprünglich geplanten 230 Megawatt. Ob das den ganzen Sommer hinweg gut gehen wird, ist fraglich. „Mehr Strom zu erzeugen ist nicht ohne Risiko“, warnte der Leiter des Kraftwerks. Alternativen für einen Ausfall der Guiteras werden weiter vorbereitet, doch weiß keiner, ob und wann das nächste Problem in einer anderen Anlage auftritt. Die Pläne sind auf Kante genäht.

Das kubanische Stromnetz befindet sich aktuell in einer kritischen Situation, die durch Ausfälle und Pannen in mehreren Großkraftwerken sowie akutem Brennstoffmangel geprägt ist. Anfang des Jahres wurden mehrere Anlagen gewartet, um sie „Fit für den Sommer“ zu machen, der Zeit mit dem höchsten Verbrauch in Kuba. Darüber hinaus wird inzwischen knapp ein Fünftel des Stroms über gemietete schwimmende Kraftwerke generiert, ein anderer Teil stammt aus kleineren Dieselgeneratoren, die derzeit ebenfalls überholt werden.

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