Einige Zahlen zum kubanischen Staatssektor

Wenn man die aktuellen kubanischen Statistiken verfolgt, bemerkt man eine regelmäßig aktualisierte Publikation die über die „Institutionelle Organisation“ Aufschluß gibt, die letzte Fassung hat den Stand September 2013. Hierin wird die grobe Aufteilung des Staatssektors festgehalten, wobei die Genossenschaften formell als unabhängig zu betrachten sind. Zwar finden sich keine Angaben über die jeweilige Anzahl der Beschäftigten, allerdings dafür die Anzahl der verschiedenen Wirtschaftseinheiten. Und diese geben einige Auskünfte über die Struktur des kubanischen Staatssektors…

Kubainst1Im Jahr 1999 gab es in Kuba noch 3.962 Staatsunternehmen, ihre Anzahl ist seitdem um 43 Prozent zurückgegangen, so dass es heute noch 2.256 von ihnen gibt. Die Anzahl der Kooperativen in der Landwirtschaft vom Typ UBPC, CCS und CPA lag 1999 noch bei 6.682, heute sind es mit 5.262 gut 21 Prozent weniger. Die sonstigen dem Staat unterstellten Wirtschaftseinheiten (hierzu dürften alle Einheiten mit eigenem Budget zählen, also Ministerien, Organisationen des Parlaments, kommunale Dienstleister, etc.) sind hingegen von 1.861 im Jahr 1999 auf heute 2.358 gewachsen, ein Anstieg von 27 Prozent. Die Gesamtzahl aller staatlichen Einheiten hat sich jedoch seit ihrem Hochpunkt im Jahr 2003 (12.883) innerhalb von zehn Jahren um 20 Prozent verringert (10.275).

Der stärkste Rückgang erlebten alle Einheiten ab dem Jahr 2008, wo Kuba nach den Schäden zweier Hurricane in die weltwirtschaftskrise Schlitterte und die jetzigen Wirtschaftsreformen vorbereitet wurden. Gerade bei den Staatsunternehmen war der Rückgang in den letzten drei Jahren beträchtlich:

staatsunternehmenZwischen 2010 und 2012 verringerte sich die Anzahl der Staatsunternehmen um nicht weniger als 27 Prozent während sie im Jahr 2013 praktisch konstant blieb, was die nun anstehende Reform dieser Einheiten andeutet. Unrentable Unternehmen wurden in den letzten Jahren wahrscheinlich im großen Stil mit größeren und profitableren Konzernen fusioniert, um sie fit für die kommenden Jahre zu machen. Komplette Schließungen in diesem Ausmaß kamen bisher noch nicht zum Einsatz, die Anzahl der im Staatssektor Beschäftigten fällt im Vergleich zur Unternehmensanzahl eher langsam: Im Jahr 2007 waren 82,9 Prozent der Kubaner beim Staat tätig, 2011 lag ihre Anzahl noch bei üppigen 77,3 Prozent – ein Rückgang um weniger als sechs Prozent. Zum Vergleich: Die Anzahl der staatlichen Unternehmen ging im selben Zeitraum um 11 Prozent zurück. Doch was genau hat sich verändert?

NachsektorBetrachtet man die Anzahl der Wirtschaftseinheiten nach Sektor, gibt sich ein Bild über den Inhalt der Fusionen. Die Zuckerindustrie hatte beispielsweise im Jahr 2006 noch 66 Unternehmen, nach der Gründung der staatlichen Holding „Azcuba“ im Jahr 2011 konzentrierte sich der Sektor stärker und die 14 übrigen Unternehmen arbeiten effizienter.
Bei der herstellenden Industrie sind mit die stärksten Rückgänge von über 35 Prozent zu verzeichnen. Im Bereich der öffentlichen Verwaltung und Verteidigung gab es einen leichten Anstieg der Unternehmen, dort kamen 35 neue Firmen seit 2006 hinzu, auf dem Gebiet der Wissenschaft und Forschung war es eine. Die Anzahl der im Bildungssektor tätigen Unternehmen musste einen Rückgang von knapp 10 Prozent verzeichnen, dafür gibt es nun im Bereich öffentliche Gesundheit und soziale Sicherheit 509 Firmen (im Vergleich zu 375 im Jahr 2006). Auch diese Gebiete befinden sich in einem Prozess stetiger Umstrukturierung, die Anzahl der Unternehmen allein ist wenig aussagekräftig.

aufteilungSieht man sich nun die Aufteilung des Staatssektors an, bemerkt man den prozentualen Rückgang der Unternehmen und Agrargenossenschaften. Davon profitierten die „sonstigen“ staatlich budgetierten Einrichtungen, über deren Wesen hier nur spekuliert werden kann. Womöglich handelt es sich um zusätzliche Kontrollorgane für den Privatsektor oder Übertragung von staatlicher Unternehmenstätigkeit direkt auf den Staat zur angestrebten Trennung von Staats- und Wirtschaftsfunktionen. Auffällig ist auch, dass die neu geschaffenen Kooperativen außerhalb der Landwirtschaft (Stand September 2013 sind es 164) bisher noch keine große Rolle im Gefüge der staatlichen Wirtschaftsbeziehungen spielen, dies soll sich jedoch ändern.

Der Starke Rückgang aller staatlichen Einheiten, insbesondere das scheinbare „Sterben der Staatskonzerne“, lässt sich jedoch erst sinnvoll bewerten wenn man es in den Kontext der Industrieproduktion setzt. Die Kubaner haben hierfür einen Index geschaffen, der die aktuelle Industrieproduktion im prozentualen Verhältnis zu 1989 angibt:

prodindexVergleicht man dies mit der Entwicklung der Anzahl staatlicher Wirtschaftseinheiten, kann bei gleichzeitiger Reduzierung der Unternehmen und Genossenschaften sowie einer Verringerung der Staatsangestellten ein kleiner Anstieg der Gesamtproduktion gemessen werden (+ 4,6 Prozent seit 2010) – d.h. die umfangreiche Rekonstruktionsphase im staatlichen Sektor führte allein in den letzten drei Jahren zu messbar höherer Produktivität. Oder anders gesagt: Weniger Personen stellen heute in weniger Unternehmen mehr Waren her. Neben den Staatsunternehmen wurde auch bei den Genossenschaften „aufgeräumt“, die Schließung von unproduktiven UBPCs wurde 2012 angekündigt und bisher auch durchgezogen. Damals gab es 1.989 UBPC, von denen 327 geschlossen werden sollten. Heute gibt es noch 1.839.

Die institutionelle Umorganisierung scheint weitgehend abgeschlossen zu sein, zumindest dürften bald alle übrigen unproduktiven Agrargenossenschaften geschlossen werden. Man kann davon ausgehen, dass dieser Prozess bei den Staatsunternehmen in Vorbereitung auf das neue Verwaltungsmodell für 2014 bereits abgeschlossen ist.

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Telekommunikation in Kuba wächst – Pläne für kommendes Jahr

Seit dem am 4. Juni im ganzen Land 118 neue Internetcafés eröffneten, haben in den ersten 15 Tagen bereits über 11.000 Kubaner von dieser Option gebrauch gemacht. Das waren durchschnittlich über 5.500 pro Woche. Mit dem neuen Geschäftsmodell Nauta, bietet der staatliche Telekomunikationsdienstleister ETECSA für den Preis von 4,50 CUC eine Stunde Internetzugang sowie die Einrichtung eines eMail-Accounts an. Die selbe Zeit im kubanischen Intranet kosten 0,60 CUC. Obwohl diese Preise sehr hoch sind, plant man durch die Einnahmen langfristig dringend notwendige Investitionen zu tätigen.

Hierzu gehört beispielsweise die Eröffnung von zehn weiteren Nauta-Zugangspunkten in den Provinzen Pinar del Río, Ciego de Ávila, Camagüey und Havanna bis zum Ende des laufenden Jahres. Derzeit haben rund 1,7 Millionen Kubaner Zugang zum Internet, das entspricht etwa 15 Prozent der Bevölkerung. In den letzten Jahren war jedoch ein stetes Wachstum zu verzeichnen, zwischen 2010 und 2011 lag es bei über 31 Prozent.
Jorge Legrá, Direktor des strategischen Programms von ETECSA erklärte neulich gegenüber Juventud Rebelde, dass künftig auf (für Kuba) neue Technologien wie WiFi gesetzt werde, und man die Modemnetze des Landes durch moderne ADSL-Verbindungen ersetzen wird. Ende 2013 wird es seinen Angaben zu Folge über drei Millionen Telefonleitungen in Kuba geben, davon werden über zwei Millionen auf Mobiltelefone entfallen (2012: 1,79 Millionen).

Wachstum und Kostensenkung bei der Telefonie

Dies ist ein gewaltiger Anstieg wenn man bedenkt, dass kurz nach der Legalisierung von Mobilfunkverträgen 2008 gerade einmal 223.000 Kubaner ein Handy angemeldet hatten, 2010 wurde erstmals die Zahl von einer Million Kunden erreicht. Während die Eröffnung eines Handyvertrags vor fünf Jahren noch 111 CUC kostete, belaufen sich die Kosten heute auf 30 CUC, betonte Legrá. Daneben wurden im Laufe der Jahre viele weitere diversifizierte Angebote wie z.B. R-Gespräche sowie starke Senkunden der Gesprächskosten eingeführt. Derzeit deckt das kubanische Handynetz mit seinen über 400 Sendemasten gut 75 Prozent der Landesfläche ab. In einigen ländlichen Gegenden mit niederiger Netzauslastung im Westen und Osten der Insel läuft derzeit ein Versuchsprogramm mit reduzierten Gebühren für Gesprächsminuten. Dieses soll 2014 auch auf andere Gegenden mit ähnlichen Bedingungen ausgedehnt werden, um die Nutzung der Mobiltelefonie zu stärken.

Auch in Zukunft soll der jährliche Zuwachs von 300.000 neuen Nutzern bei der Mobiltelefonie gehalten werden. Dennoch sei die derzeitige Telefonabdeckung mit etwa 25 Prozent der Bevölkerung noch unzureichend, räumte der Vertreter von ETECSA ein. Der Ausbau und die schnelle Modernisierung des kubanischen Telefon- und Internetnetzes sei mit hohen Kosten verbunden, betonte der Ingenieur. Die Grundlage für das schnelle Aufholen bildet nun das ALBA-1 Unterseekabel aus Venezuela, das 2012 in Betrieb ging und seitdem die Internetkapazität der Insel um mehrere tausend Prozent gesteigert hat. Auch bei der Telefonie macht sich dies positiv bemerkbar: Statt 19.000 können nun bis zu 32.000 gleichzeitige Telefongespräche von der Insel ausgehen, 97% aller Munizipios werden dabei vom Kabel profitieren können.

Private Internetanschlüsse ab 2014

Mit einer spektakulären Ankündigung sorgte Legrá zudem erst neulich für Aufsehen: Die für den „langfristigen“ Zeitraum angekündigten privaten Internetanschlüsse für kubanische Haushalt könnten nun doch schneller als gedacht kommen: Bis zum Ende des Jahres 2014 soll das Angebot in den dafür ausgerüsteten Gegenden verfügbar sein. Das mobile Datennetz für Handys wird voraussichtlich ebenfalls im kommenden Jahr starten.

Das Jahr 2014 verspricht wichtige Akzente für den Internetzugang der Kubaner zu setzen. Zwar werden die neuen Möglichkeiten erst einmal nur wenigen, zahlungskräftigen Kubanern zu Verfügung stehen – wenn man jedoch die Preissenkungen bei den Handyverträgen von über 80 Prozent in fünf Jahren mit in Rechnung stellt, könnte sich hier eine analoge Entwicklung anbahnen. Schließlich bedeuten mehr Kunden für ETECSA auch immer neue Investitionsmöglichkeiten und zudem schaffen die neuen Kunden die nötigen Amortisationen für Preissenkungen um noch mehr Kunden anzulocken.

Trotz der hohen Startpreise dürfte nun kein Zweifel mehr daran bestehen, dass die massenweise Ausdehnung des Internets in der kommenden Dekade für Kuba ein ernstes Projekt ist. Die oft unterstellten politischen Motive für eine Vorenthaltung des Internetzugangs scheinen nun ein mehr als fadenscheiniger Vorwurf zu sein. Für private Internetanschlüsse, die vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wären, existiert jetzt zumindest ein ungefährer Termin in naher Zukunft. In wenigen Jahren könnte so eine kleine Revolution in der Telekommunikation der Insel beginnen, die einem gigantischen und schnellen Aufholakt auf diesem Gebiet gleichkäme.

Die kubanische Landwirtschaft 2013

Vor wenigen Tagen veröffentlichte die kubanische Statistikbehörde ONE die ersten Zahlen zur Landwirtschaft in Kuba in diesem Jahr (Januar bis März). Nachdem der Sektor schon seit Jahren mit Problemen zu kämpfen hat und sich erst langsam seit 2011 begann zu erholen, lassen die aktuellen Reformen in diesem Bereich mittelfristig auf größere Erfolge hoffen. Dies ist auch dringend notwendig, allein im Jahr 2012 musste Kuba 1,7 Mrd. US$ für Nahrungsmittelimporte ausgeben. Die Revitalisierung der landwirtschaft ist daher essentiell für die gesamte Entwicklung der kubanischen Wirtschaft. Im Januar wurden deshalb über 600 Vorsitzende von Genossenschaften ausgetauscht, die Umstrukturierungen sind seitdem in vollem Gange.

Doch wie sind die Auswirkungen in diesem Jahr? Zunächst stieg die landwirtschaftliche Produktion in den Monaten Januar bis März um insgesamt 1,2% im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres. Insbesondere die Gemüse- (+8,4%) und Reisproduktion (+2,5%) sowie die Viehzucht (+16,8%) konnten zulegen, während Zitrusfrüchte (-33,9%), Bananen (-44,6%) sowie Knollen- und Wurzelgewächse in diesem Jahr bisher weniger Erträge lieferten.

Produktion der Landwirtschaft Januar-März 2013

Produktion ausgewählter landwirtschaftlicher Erzeugnisse, Januar bis März.

Die Folgen der neuen UBPC-Reformen dürften noch nicht absehbar sein, da sich Veränderungen in der Landwirtschaftspolitik in langfristigeren Zeiträumen zeigen. Bemerkenswert ist jedoch, dass die UBPCs in der Reis- und Gemüseproduktion einen stärkeren Anteil innehaben als im letzten Jahr. Dennoch konnten gerade in diesem Bereich noch keine signifikanten Verbesserungen erzielt werden.

Anders sieht es dagegen in der Viehzucht aus: Die Fleischproduktion stieg um 16,8% und liegt mit 31.900 Tonnen (Zeitraum Januar bis März) derzeit auf einem Dreijahreshoch. Auch die Intensität der Viehzucht konnte gesteigert werden, der Viehbestand stieg insgesamt leicht an, während die Milchproduktion um 0,8% zurückging. Die Hurricanschäden in den Provinzen Holguín und Santiago de Cuba spiegeln sich bei vielen Produkten ebenfalls in der Statistik wieder.

Insgesamt entsteht also ein noch wenig aussagekräftiges Bild über den Zustand der kubanischen Landwirtschaft, es bleibt abzuwarten, was das Jahr 2013 noch bringen wird.

Leichte Erholung der Industrieproduktion 2011

Nach Angaben des aktuellen Statistischen Jahrbuchs für 2011 hat sich die gesamte Industrieproduktion in Kuba nach jahrelangem Rückgang (2009: 44,9%, 2010: 43,6%) erstmals seit 2008 wieder erhöht und beträgt nun 45,1% des Wertes von 1989. Nach zwei verheerenden Hurricanes und den Folgen der weltweiten Finanzkrise war das Land 2009-2010 in eine leichte Krise gerutscht und hatte sogar Liquiditätsprobleme. Seit 2011 zeichnet sich erstmals wieder eine Erholung ab. Die Industrieproduktion der Zuckerindustrie erhöhte sich von 15,7% des Wertes von 1989 im Jahr 2010 auf 16,4%, die Produktion der Nicht-Zuckerindustrie stieg von 49,9% auf 51,2%.

Statistisches Jahrbuch 2011 erschienen: 22% Privatsektor?

Cuentaproposta in Santiago de Cuba

Die Cuentapropistas machen derzeit 7,8% aller Beschäftigten in Kuba aus. (Bild: Cuentapropista in Santiago de Cuba, August 2012)

Letzten Donnerstag wurde das Statistische Jahrbuch Kubas für das Jahr 2011 veröffentlicht und ist nun im Internet einsehbar. Zwar sind bisher noch viele Themenbereiche lückenhaft, diese werden allerdings Schritt für Schritt nachgetragen da das meiste Zahlenmaterial bereits in Form anderer Publikationen veröffentlicht wurde. Bis zum jetzigen Zeitpunkt sind denn auch keine größeren Überraschungen enthalten, allerdings boten die Daten im Bereich „Beschäftigung und Löhne“ für einige Medien Anlass genug von 22% Privatanteil aller Beschäftigten in Kuba auszugehen. So titelte die Huffington Post „Cuba: Private employment now 22 percent of jobs„. Die selbe Meldung fand sich auch bei ABC-News und anderen.

Abgesehen davon, dass die Zahlen schon vor Monaten veröffentlicht wurden, wird in dem Artikel richtig bemerkt, dass von Kubas 5,01 Millionen Beschäftigten 1,1 Millionen ihre Anstellung im nicht-staatlichen Sektor fanden, was in der Tat einem Anteil von 22% entspricht. Dies ist wesentliches Ergebnis der vom VI. Parteitag 2011 eingeleiteten Aktualisierung des Wirtschaftsmodells, bei der durch die Zulassung anderer Formen der Beschäftigung zu mehr wirtschaftlicher Effizienz beitragen werden soll. Interessant ist dabei allerdings, dass in Kuba eine Trennung zwischen dem nicht-staatlichen Sektor, auf den auch Kooperativen entfallen, und dem reinen Privatsektor gemacht wird. Der Privatsektor wiederum untergliedert sich in selbständig Beschäftigte (sogenannte „Cuentapropistas“, Arbeiter auf eigene Rechnung) und einen nicht näher spezifizierten Rest, der sich wahrscheinlich aus privaten Kleinbauern und Arbeitern in Joint-Ventures zusammensetzt. Die Zahl der Cuentapropistas im Privatsektor stieg von 2,9% im Jahr 2010 auf 7,8% im Jahr 2011. Die Gesamtzahl der Beschäftigten im Privatsektor fiel allerdings von 11,8% im Jahr 2010 auf 9,7% 2011.

Trotzdem konnte sich der nicht-staatliche Sektor erheblich ausdehnen und wuchs um 6%, hauptsächlich wegen des starken Zuwachs bei den Genossenschaften. In diesen arbeiteten im Jahr 2011 etwa 652.100 Menschen, was einem prozentualen Anteil von 13% aller Beschäftigten des Landes entspricht. Ein deutlicher Zuwachs gegenüber den 4,3% im Jahr 2010. Dies ist insbesondere auf die „Kooperatisierung“ verschiedener staatlicher Unternehmen wie beispielsweise Taxigesellschaften oder Friseursalons zurückzuführen. Der Trend bestätigt auch den Kurs der Regierung, den Genossenschaften Vorrang gegenüber reinen Privatbetrieben einzuräumen. Ab nächstem Jahr sollen verstärkt Kooperativen im nicht-agrarischen Bereich gefördert werden.

Das genossenschaftliche Eigentum bietet in Kuba vor allem den Vorteil effizienterer Wirtschaftsführung durch autonomes Budget und dezentrale Kompetenzverlagerung bei gleichzeitiger Beibehaltung des gesellschaftlichen Eigentums an den Produktionsmitteln. Die Entscheidungen des Betriebs werden von den Mitgliedern der Genossenschaft selbst getroffen, die anteilsmäßig Miteigentümer sind – nicht von einzelnen Besitzern wie in reinen Privatbetrieben. Dadurch leisten sie als mittelständische Unternehmen einen wichtigen Beitrag zu mehr Produktivität und verhindern die Konzentration von Reichtum in Privathand.

Wenn in Kuba also von einer Ausdehnung der privaten Beschäftigung auf 22% die Rede ist, dann sind damit vor allem die Genossenschaftsmitglieder gemeint. Der reine Privatsektor bleibt bisher noch eher marginal.

Wo recherchiere ich zu Kuba?

Grundsätzliches

Informationen aus und über Kuba zu erhalten ist in Zeiten des Internets nicht (mehr) schwer. Allerdings sollte man zumindest über rudimentäre Spanischkenntnisse (oder über den Google Übersetzer betreffende Kenntnisse) verfügen, um sich ein direktes Bild über die kubanischen Quellen zu verschaffen. Viele Statistiken sind allerdings mindestens 1-2 Jahre alt und nur teilweise aktualisiert. Daher sollte man sich mitunter an zähe Recherchen gewöhnen, will man wirklich wissen, was aktuell vorgeht. Auch das zwischen den Zeilen lesen in kubanischen Medien lässt sich erlernen, denn manchmal sagen diese auch Dinge, indem sie sie nicht sagen. Insgesamt lässt sich jedoch die Informationsauswahl zum Thema Kuba als gut bezeichnen, im Nachfolgenden eine Übersicht über die wichtigsten Quellen ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

1. Informationsquellen aus Kuba

Zu den aktuellen Ereignissen auf Kuba informiert man sich erstmal möglichst direkt über die kubanischen Medien, die es auch immer öfter in englischer und sogar deutscher Sprache gibt, wobei die spanische Version naturgemäß die aktuellere und umfangreichere ist. Zu diesen Quellen gehören:

Nachrichtenagenturen

  • Prensa Latina – internationale kubanische Nachrichtenagentur, gegründet von Che Guevara, meist sehr aktuell. (Englisch)
  • ACNAgencia cubana de noticias , „nationale“ kubanische Nachrichtenagentur, meistens etwas weniger aktuell als Prensa Latina, dafür mehr Nachrichten aus der Provinz. (Englisch)
  • Cubadebate – keine Agentur, aber ein sehr gutes und aktuelles kubanisches Nachrichtenportal.

Überregionale Tageszeitungen

Regionalzeitungen

Radio & TV

Weitere kubanische Quellen

  • ONE – Website der kubanischen Statistikbehörde.
  • Reflexiones del Comandante en Jefe – die aktuellen Reflexionen Fidel Castros in diversen Sprachen.
  • Minrex – Website des kubanischen Außenministeriums.
  • EcuRed – kubanische Enzyklopädie.
  • Cubacineonline – Website des kubanischen Kinos mit vielen kostenlosen Filmen.

2. Nicht-kubanische Informationsquellen

Außerhalb Kubas existieren zahlreiche Blogs und Websites, die sich mit dem Thema Kuba befassen und oft detaillierte Analysen und Statistiken veröffentlichen. Die wichtigsten davon sind:

  • The Cuban Economy – Blog eines kanadischen Wirtschaftswissenschaftlers.
  • Cuba Standard – Wirtschaftsnachrichten aus Kuba.
  • Cuba Headlines – aktuelle Meldungen aus Kuba.
  • Havana Times – relativ ausgewogener Blog mit diversen Beiträgen.
  • Cuba Study Group – Website einer amerikanischen „Kuba-Forschungsgesellschaft“.
  • Bert Hoffmann –  GIGA-Institut für Lateinamerikastudien.
  • FES – Publikationen der Friedrich-Ebert-Stiftung zum Thema Kuba.
  • FG BRD-Kuba – Website der Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba.
  • Lateinamerika Nachrichten – Aktuelles aus Kuba in den Lateinamerika Nachrichten.
  • Amerika 21 – Gutes Portal zu Lateinamerika, auch mit Meldungen aus Kuba.
  • Latina Press – Reaktionäre Agentur mit aktuellen Meldungen.
  • Cuba individual – Portal für Kubareisende, mit vielen detaillierten und aktuellen Informationen.

Wichtige Analysen zu den aktuellen Entwicklungen nach dem VI. Parteitag sind bereits von einigen Autoren erschienen (nach Priorität sortiert):

Außerdem bietet sich zum Thema Kuba auch folgende Literatur an:

  • Kuba – von Bert Hofmann, Verlag C.H. Beck, 3. Auflage 2009, ISBN 3406558518
  • Kuba: Auf Tour – von Elmar Kulke, Spektrum Akademischer Verlag, 2011, ISBN 3827425964
  • Die Geschichte Kubas – von Prof. Jose Canton Navarro, 5. Auflage 2002, (kubanisches Geschichtsbuch, in Kuba auf Deutsch erhältlich)

Wer sonst noch an aktuelle Informationen kommen will, dem empfehle ich Google News mit den Suchbegriffen: „Cuba“, „Kuba“, „Cuba Economy“, etc.