Corona-Update für Kuba (6): Lockerungen erreichen jetzt auch Havanna

Am Freitag ist als letzte Provinz schließlich auch die Hauptstadt Havanna in der „Phase I“ der kubanischen Corona-Lockerungen angekommen. Seit dem 1. Juli dürfen Touristen wieder die Insel besuchen – allerdings nur unter strengen Auflagen. Die übrigen Provinzen, mit Ausnahme von Matanzas, bereiten sich indes bereits auf den Übergang in die zweite Phase vor. Wie Premierminister Manuel Marrero betonte, erfordere die schrittweise Aufhebung der Ende März erlassenen Maßnahmen „Verantwortung und Disziplin“ der Bürger. Das weitere Voranschreiten im Lockerungs-Fahrplan hänge jetzt vom „individuellen und kollektiven Verhalten der Bevölkerung“ ab, wobei Risiken minimiert und die Verfolgung von Infektionsketten mit Nachdruck weiter betrieben werden sollen.

Covid-19 Fälle auf Kuba vom 11. März bis einschließlich 2. Juli: Akkumuliert (beige), aktive Fälle (rot) und tägliche Neuinfektionen (blau), (Quelle: Covid19-Dashboard Cuba)

  • Bis zum 2. Juli wurden auf Kuba insgesamt 2361 Personen positiv auf das neuartige Coronavirus getestet (+8 zum Vortag, davon alle in Havanna), 86 Personen sind an den Folgen des Virus gestorben. 142 Personen befinden sich zur Gesundheitsüberwachung in medizinischen Einrichtungen, 2224 gelten als genesen. Die Anzahl der aktiven Fälle liegt damit bei 49 (siehe Grafik oben). Am stärksten betroffen ist weiterhin die Hauptstadt Havanna mit über der Hälfte aller diagnostizierten Erkrankungen (1313 Fälle), gefolgt von Villa Clara (219 Fälle) und Matanzas (207 Fälle). Innerhalb Havannas wurden im Stadtteil Centro Habana mit 145 Fällen die meisten Infizierten gemeldet, gefolgt von Cotorro (139 Fälle) und La Lisa (112 Fälle). Die Anzahl der durchgeführten PCR-Tests wurde inzwischen auf 2.680 pro Tag hochgefahren, während die Zahl der täglichen Neuinfektionen seit dem 19. Juni im einstelligen Bereich geblieben ist. Derzeit bereitet den Behörden in Havanna ein neuer Infektionscluster sorgen, der durch einen evangelikalen Gottesdienst in Cotorro verursacht wurde.
  • Nachdem die Epidemie in den vergangenen Wochen auf Kuba eingedämmt werden konnte, wurden am 17. Juni in allen Provinzen (mit Ausnahme von Havanna und Matanzas) erste Lockerungen erlassen. Seit dem 22. Juni gilt auch in Matanzas die erste Phase im Lockerungs-Fahrplan, womit die Strände in Varadero für inländische Urlauber zugänglich wurden. Am 3. Juli zog schließlich auch die Hauptstadt Havanna nach, während sich die anderen Provinzen auf Phase II vorbereiten.
  • Wann lockert sich nochmal was auf Kuba? Die wichtigsten Inhalte des Fahrplans zurück in die „neue Normalität“ können in der letzten Ausgabe des Corona-Updates für Kuba nachgelesen werden. Inzwischen hat die Regierung die Schritte auch in einer übersichtlichen Broschüre zusammengefasst, welche allerdings nur in spanischer Sprache vorliegt: PDF-Datei (960 KB).

Tourismus-Saison geht weiter:

Seit Ende Juni haben die Strände von Varadero wieder für heimische Touristen geöffnet (Quelle: NP)

Am 1. Juli hat Kuba seine Grenzen geöffnet und den internationalen Tourismus unter Einschränkungen wieder aufgenommen. So können Reisende derzeit ausschließlich in Hotels auf den vorgelagerten Inseln (Cayo Santa María, Cayo Coco, Cayo Guillermo, Cayo Cruz und Cayo Largo del Sur) nächtigen und müssen sich zudem nach Ankunft einem PCR-Test unterziehen. Reisen außerhalb der Cayos sind nicht möglich. Bisher gibt es noch keine Besucher, die Saison wird wohl nur sehr langsam wieder anlaufen. In Fachkreisen wird damit gerechnet, dass es bis zu zwei Jahre dauern kann, bis die kubanischen Besucherzahlen wieder ihr Vor-Corona-Niveau erreichen. Um zumindest einen Teil der Verluste auszugleichen, will Kuba möglichst schnell den nationalen Tourismus wieder hochfahren. Strände und Hotels in Varadero haben unter Berücksichtigung der Hygiene-Regeln und mit reduzierter Kapazität seit dem 22. Juni wieder für inländische Besucher geöffnet. Wann Varadero, Havanna und andere beliebte Touristen-Destinationen wieder für den internationalen Fremdenverkehr öffnen, ist derzeit noch nicht absehbar.

Lockerungen in Havanna & Versorgungslage:

Seit dem 3. Juli verkehren wieder Busse in Havanna, auch die bekannte Eisdiele „Coppelia“ (links im Bild) hat wieder geöffnet (Quelle: Cubadebate)

  • „Neue Normalität“ in Havanna: seit am Freitag die „Phase I“ der Lockerungen auch für Havanna gilt, haben viele Einrichtungen der Hauptstadt wieder eröffnet. Restaurants, Bars und Caféterias können wieder Sitzplätze für ihre Kunden anbieten. Auch Museen, Banken, Freizeitparks, Fitnesstudios und Schwimmbäder sind seit dem 3. Juli geöffnet. Es gelten die üblichen Hygiene- und Abstandsregeln sowie Obergrenzen bei der Besucherkapazität.
  • Versorgungslage wird schwieriger: bereits vor der Corona-Pandemie befand sich Kubas Wirtschaft in schwieriger Lage: die mehrfach verschärfte US-Blockade und die zurückgehende wirtschaftliche Unterstützung aus Venezuela hatte im vergangenen Herbst zu einer mehrwöchigen Energiekrise geführt, welche den Transport auf der Insel weitgehend stilllegte. Durch Corona sind seit Ende März auf Kuba die Tourismus-Einnahmen komplett eingebrochen, zudem haben die Vereinigten Staaten mit der Einschränkung von familiären Geldsendungen die Daumenschrauben für Kubas Wirtschaft zuletzt empfindlich angezogen. In der Folge muss jetzt auch bei den Lebensmittelimporten gespart werden, was zu langen Schlangen, einer Abnahme des Angebots und steigenden Schwarzmartkpreisen geführt hat. Grundnahrungsmittel wie Reis, Bohnen, Eier und Fleisch sind knapp, während Wurzel- und Knollenfrüchte dieser Tage häufig als Substitut herhalten müssen. Mit neuen Landwirtschaftsreformen will die Regierung den hohen Importanteil von 70 Prozent bei Lebensmitteln reduzieren. Präsident Miguel Díaz-Canel mahnte zuletzt „zügig und mit Innovation“ die Wirtschaft wieder auf die Beine zu bringen. Nachdem die Pandemie langsam unter Kontrolle ist wird die Wirtschaft wieder zur „Hauptaufgabe“, kündigte Premierminister Manuel Marrero an.
  • Anzahl der fehlenden Medikamente auf Kuba seit Januar 2019 (Quelle: Cubadebate)

    Knappheit an Medikamenten: wie Gesundheitsminister José Angel Miranda erklärte, sei die anhaltende Knappheit an Medikamenten „eine Sorge der Bevölkerung, der wir uns sehr bewusst sind.“ So wurde bereits die Anzahl der auf Kuba vertriebenen Medikamente (cuadro básico de medicamentos, CBM) im Mai 2019 von rund 800 auf 619 reduziert, davon können 58 Prozent im Land selbst hergestellt werden. Dennoch hat sich der Mangel seit Januar wieder erhöht und betrifft jetzt 116 Medikamente oder 19 Prozent aller zugelassenen Mittel. „Es handelt sich um die schwierigste Situation der vergangenen vier Jahre, auch wenn es in den letzten zwei Monaten eine leichte Verbesserung gab“, so Miranda. Derzeit versuche das Land mit Hochdruck die fehlende Medizin durch nationale Produktion auszugleichen. Zu den am stärksten betroffenen Medikamenten zählen u.a. das Asthma-Medikament Salbutamol, das Blutdruckmedikament Enalapril sowie diverse Antibiotika. Grund für den jüngsten Mangel sind u.a. Lieferengpässe von Rohmaterial aus China und Indien.

Weitere Entwicklungen:

  • Ärztebrigaden kehren zurück: inzwischen ist eine weitere kubanische Ärztebrigade zurückgekehrt, die Europa im Kampf gegen die Corona-Pandemie unterstützt hat. Die 39 Mediziner des „Henry-Reeve“-Kontingents sind vergangene Woche aus Andorra nach Havanna aufgebrochen.
  • Havannas ÖPNV läuft wieder an: mit Beginn der „Phase I“ haben sich Stadtbusse und Taxis die Straßen Havannas zurückerobert. Allerdings nicht mit voller Auslastung: Mitarbeiter von Havannas Busgesellschaft stehen an frequentierten Haltestellen bereit, um die Passagierzahlen zu überprüfen. Alle verfügbaren Sitzplätze sollen voll ausgelastet werden, die Stehplätze nur zu 50 Prozent. Ab der zweiten Phase sollen 60 Prozent der Stehplätze belegt werden. Taxis können schon jetzt wieder mit voller Passagierzahl verkehren. Die Benutzung von Mund-Nasenschutz ist in allen Verkehrsmitteln Pflicht. Eine ursprünglich für August geplante Neuerungen an den Tankstellen, welche Treibstoff nur noch per Girokarte verkaufen sollen, wurde auf Dezember verschoben.
  • Reisspende aus Vietnam: wie das Nachrichtenportal „Cubadebate“ berichtet, ist die Mitte April angekündigte Spende von 5.000 Tonnen Reis aus dem befreundeten Vietnam auf der Insel eingetroffen.
  • Fernverkehr startet mit eigener App: nicht nur in Corona-Zeiten soll die Digitalisierung auf Kuba helfen, Schlangen zu vermeiden. Mit einer neuen Version der App „Viajando“ können erstmals Fernbustickets bequem am Smartphone oder Laptop gebucht und über den Dienst „Transfermóvil“ bezahlt werden. Bisher war dazu das Erscheinen am Schalter sowie die händische Eintragung in eine Warteliste erforderlich. Der Fernverkehr wird ab „Phase II“ wieder anlaufen, welche demnächst in allen Provinzen außerhalb Havannas starten soll. Die ersten Routen im neuen Fahrplan decken bisher nur die Provinzen Cienfuegos bis Santiago ab, der Westen der Insel wird also noch ein wenig länger auf den Fernverkehr warten müssen. Die Fährverbindung zwischen der Isla de la Juventud und der Hauptinsel bleibt weiterhin unterbrochen.

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