8. Dezember 2022

Baumärkte: Kuba genehmigt erstes Joint-Venture im Großhandel

Zwei Monate nach der Ankündigung, ausländische Investoren im Groß- und Einzelhandel zuzulassen, wurde das erste Joint-Venture in diesem Bereich genehmigt. Wie die Parteizeitung „Granma“ berichtet, wird die gemischte Firma „Gran Ferretero S.A“ noch vor Jahresende in den Großhandelsbedarf für Baumarktartikel einsteigen. Darüber hinaus laufen Gespräche mit 16 weiteren Unternehmen.

Gegründet wurde das Joint-Venture zwischen dem kubanischen Staatsbetrieb Albus S.A. und der spanischen Gurea Industrial & Automotive Equipment SL mit Sitz in Madrid. Die Firma, welche sich bereits im April konstituiert hat, wird sich der Vermarktung von Eisenwaren und Baumaterialien widmen und soll „kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) ermöglichen, Ressourcen und Produkte für die Entwicklung ihrer Betriebe zu erwerben“, erklärte der Leiter der zuständigen Branchenorganisation, Raúl Delgado Rodríguez.

Baumarktartikel sind auf der Insel überaus gefragt. Bereits vor der aktuellen Wirtschaftskrise waren die staatlichen Baumärkte schlecht ausgestattet, viele essentielle Güter nicht oder nur sporadisch erhältlich. Das fehlende Angebot an Zement, Fliesen, Schrauben, Sanitärbedarf und qualitativ hochwertigem Werkzeug hat nicht nur Hausbesitzer auf Kuba regelmäßig auf den Schwarzmarkt zurückgreifen lassen. Seit Beginn der Pandemie sind die Baumarktregale leergefegt, da dem Staat Devisen für Importe fehlen.

Für die mittlerweile 5463 KMU zählt die Versorgung mit Rohstoffen und Zwischengütern zu den größten Herausforderungen. Die neuen Direktimporte laufen zwar langsam an, doch bis dato sind die meisten Betriebe außen vor. Wie der Leiter eines privaten Möbelherstellers im Wirtschaftsmagazin „Cuadrando la caja“ erklärt, wird in seiner Firma derzeit mit Reserven aus Grauimporten gewirtschaftet. Noch immer würden sich viele Staatsbetriebe weigern mit dem Privatsektor zusammenzuarbeiten oder an diesen zu verkaufen. Umgekehrt stecken nicht wenige Staatsunternehmen in Schwierigkeiten und sind mit eigenen Aufgaben ausgelastet. Die Versorgung von KMU und Genossenschaften wird sich nur über den Groß- und Einzelhandel nachhaltig lösen lassen.

Mit der jüngsten Reform sind neben Joint-Ventures im Einzelhandel auch Firmen mit 100 Prozent ausländischem Kapital im Großhandel möglich. Neben dem Unterhalt von Märkten werden Investoren für Logistik- und Kühlketten gesucht, die Vorfinanzierung von heimischen Produzenten und Onlinehandel sind ausdrücklich erwünscht. Voraussetzung ist, dass in den Geschäften neben Importwaren auch lokale Produkte verkauft werden. Diese Konditionen hätten bislang für keinen der Partner ein Problem dargestellt, so Delgado.

Wie Regierungsvertreter angekündigt haben, setzt Kuba bei der Öffnung des Handels verstärkt auf Unternehmen aus befreundeten Ländern und langjährige Partner. „Eine weitere Gruppe von Unternehmen ist bereits registriert und wartet darauf, angesprochen zu werden“, kündigte Delgado an. Gespräche liefen unter anderem mit Firmen aus Vietnam, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kanada, Russland, Spanien, Italien und Indien. Die Verhandlungen seien „eine Chance zur Reaktivierung der Wirtschaft, mit der künftig eine Reihe von Produkten stärker auf dem kubanischen Markt vertreten sein werden“.

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