8. Dezember 2022

Neues Kraftwerksschiff erreicht Bucht von Havanna

Gute Neuigkeiten für die Stromversorgung in Kuba: Wie das Nachrichtenportal „Cubadebate“ berichtet, hat vor wenigen Stunden ein weiteres Kraftwerksschiff die Bucht von Havanna erreicht. Die „Irem Sultan“ des türkischen Betreibers Karadeniz soll mit ihrer Leistung von 110 Megawatt bei der Bewältigung der aktuellen Energiekrise helfen.

Nach Angaben von Lázaro Guerra Hernández, technischer Direktor des Stromversorgers UNE, sind die Übertragungsleitungen für den Anschluss der Anlage fertig. „Zur Stunde wird das Kraftwerk direkt zur Raffinerie Ñico López gebracht, um dort mit Treibstoff betankt zu werden. Anschließend folgt die Verankerung am finalen Standort und ein Motorentest.“ Wenn alles nach Plan läuft, wird die Irem Sultan vor Ende des Monats mit dem Stromnetz synchronisiert werden.

Das Schiff wurde 1984 von der italienischen Werft Fincantieri Marghera in Venedig als Leichtermutterschiff gebaut und trug ursprünglich den Namen MV Nikolay Markin. Nach mehreren Namens- und Besitzerwechseln wurde sie 2014 vom türkischen Stromschiffanbieter Karadeniz gekauft und fährt heute unter liberischer Flagge. Die Irem Sultan verfügt über sechs Generatoren, die mit Schweröl betrieben werden können. Berichten der Zeitung „Dominican Today“ zu Folge musste das Schiff seinen bisherigen Einsatzort in der Dominikanische Republik aufgrund lokaler Unruhen vorzeitig verlassen.

Seit 2019 verstärkt Kuba sein Stromnetz mit schwimmenden Kraftwerken. Die Aufstockung mit der teuren, aber sofort verfügbaren Zusatzenergie auf Leasingbasis ist Teil der Strategie des Stromversorgers zur Lösung der aktuellen Energiekrise. Darüber hinaus sollen in diesem Winter hunderte dezentrale Dieselkraftwerke der deutschen Firma MTU instandgesetzt werden um weitere Kapazitäten für die Überholung der Großkraftwerke zu schaffen.

Mit der Irem Sultan wird Kuba insgesamt sieben Kraftwerksschiffe mit einer Leistung von 400 Megawatt nutzen. Sie befinden sich in den Buchten von Havanna, Mariel und Santiago de Cuba. Sechs von 20 Kraftwerksblöcken auf der Insel sind aktuell wegen Wartungsarbeiten vom Netz genommen, zwei weitere sind havariert. Das Erzeugungsdefizit betrug zuletzt 1078 Megawatt bei einer Spitzennachfrage von 3100 Megawatt, rund ein Drittel des Bedarfs. Die Folge sind regelmäßige Stromabschaltungen, die acht Stunden und mehr pro Tag andauern können. Nach den Plänen von Stromversorger und Ministerium soll sich die Situation bis zum Jahresende deutlich verbessern.

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