22. Mai 2024

Kuba verdoppelt die Zigarettenpreise

Zum ersten Mal seit Jahren hat das sozialistische Kuba die Preise für Tabakwaren erhöht. Wie die Parteizeitung „Granma“ berichtet, sind die neuen Preise der heimischen Zigarettenmarken am heutigen 12. April in Kraft getreten. Die bisherigen Preise seien nicht mehr kostendeckend gewesen, heißt es als Begründung. Als weiteren Grund für die drastischen Erhöhungen nannte Finanzminister Vladimir Regueiro Ale die Gegenfinanzierung des hohen Haushaltsdefizits.

So kosten die filterlosen Zigaretten der Marken Criollo, Titanes und Popular jetzt 30 statt 10 Pesos pro Schachtel (die je 20 Zigaretten enthält). Ebensoviel kostet auch die Schachtel der seltenen Marke Aroma mit hellerem Tabak. Der Preis für eine Zigarre aus der Bodega, die bisher 5 Pesos kostete, hat sich auf 10 Pesos verdoppelt. Die beliebten Filterzigaretten der Marke H. Upmann sind neuerdings mit 50 statt 25 Pesos bepreist. Eine Schachtel Popular Auténtico kostet 60 statt 25 Pesos. Die beiden Marken werden vom kubanisch-brasilianischen Joint-Venture Brascuba hergestellt, das vor wenigen Jahren eine neue Fabrik in der Sonderwirtschaftszone von Mariel errichtet hat.

Eine Schachtel der günstigsten Zigarettenmarken auf Kuba kostet mit den neuen Preisen jetzt umgerechnet 25 Eurocent zum offiziellen Wechselkurs von 120:1 und 8 Eurocent gemäß dem informellen Wechselkurs (derzeit 350 Pesos /€). Für Filterzigaretten werden 40 bzw. 14 Eurocent pro Packung fällig. Zum Vergleich: Vor der Währungsreform 2021 kosteten die filterlosen Zigaretten rund 20 Eurocent und Filterzigaretten etwa 60 Eurocent pro Schachtel.

Die Preiserhöhungen betreffen nur die staatlichen Einzelhandelsverkaufspreise in Pesos, die Preise für Zigarren und andere Tabakwaren in Devisengeschäften bleiben unverändert.

Die neuen Preise stießen auf ein geteiltes Echo. Auf den Seiten des staatlichen Nachrichtenportals „Cubadebate“ avancierte die Meldung rasch zur meistkommentierten der Woche. Einige Kommentatoren nannten die neuen Preise „missbräuchlich“ und kritisierten sie als „Treibstoff für die Inflation“, während andere argumentierten, dass sich das Angebot mit den neuen Preisen wieder bessern könnte. Aufgrund der schlechten Verfügbarkeit sind kubanische Raucher seit Jahren dazu gezwungen, ihre Glimmstängel auf dem Schwarzmarkt oder mit kräftigem Aufschlag in privaten Geschäften zu erstehen. Dort kostet eine Packung Filterzigaretten aktuell rund 200 bis 300 Pesos, zwischen 60 und 80 Eurocent. Zu den offiziell festgelegten Preisen sind Zigaretten so gut wie nie erhältlich. Wie die Granma betont, seien die neuen Preise günstiger als jene auf dem informellen Markt.

Die Preiserhöhung ist Teil eines „makroökonomischen Stabilisierungsprogramms“, das Kubas Regierung im Dezember 2023 angekündigt hat. Ziel der Maßnahmen ist es, Wechselkurs- und Währungsverzerrungen zu beseitigen und die Wirtschaft anzukurbeln. Zuletzt wurden im Rahmen des Pakets am 1. März die Preise für Kraftstoff erhöht.

Obwohl Kubas Gesundheitsministerium bereits seit vielen Jahren eine Kampagne gegen das Rauchen führt, liegt die Raucherprävalenz auf der Insel mit 17,9 Prozent der Bevölkerung etwas über dem lateinamerikanischen Durchschnitt. 2005 führte das Land ein strenges Nichtraucherschutzgesetz ein, das in der Praxis allerdings kaum Anwendung findet. Auch das Rauchen in Gebäuden und Verkehrsmitteln ist auf Kuba trotz gegenläufiger Gesetze weit verbreitet.

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