Dritte Gesprächsrunde Kuba-EU beendet

Kubas Vizeaußenminister Abelardo Moreno und Christian Leffler, zuständiger Direktor der EU für Beziehungen zu Nord-und Südamerika

Kubas Vizeaußenminister Abelardo Moreno und Christian Leffler, zuständiger Direktor der EU für Beziehungen zu Nord-und Südamerika und Chefunterhändler (Quelle: Cubadebate)

Havanna. In der kubanischen Hauptstadt haben erneut Gespräche zwischen der Europäischen Union (EU) und Kuba stattgefunden. Vertreter der EU waren am vergangenen Mittwoch für zweitägige Gespräche in Havanna eingetroffen, um einen zukünftigen Vertrag über politischen Dialog und Zusammenarbeit mit dem Karibikstaat zu erarbeiten. Das Treffen markierte die dritte Gesprächsrunde seit der Wiederaufnahme des Dialogs mit Kuba im April 2014.

Beide Seiten hoben den konstruktiven Dialog hervor, bei dem auch Fragen wie Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit diskutiert wurden. Insbesondere bei der Zusammenarbeit auf den Gebieten Kultur, Bildung, Gesundheit und Landwirtschaft seien Fortschritte erzielt worden, betonte Kubas Vizeaußenminister Abelardo Moreno. Man sei substanziell weitergekommen bei den rechtlichen und technischen Bestimmungen der Zusammenarbeit, sagte Christian Leffler, zuständiger Direktor der EU für Beziehungen zu Nord-und Südamerika.

Die Verhandlungen waren die ersten zwischen der EU und Kuba, seitdem das Land vergangenen Dezember den Dialog mit den USA wieder aufgenommen hat. Das ursprünglich für Januar angesetzte Treffen wurde von den Kubanern mehrfach verschoben.

Bei den Gesprächen ging es auch darum, den „Gemeinsamen Standpunkt“ der EU von 1996 abzulösen, der die Beziehung mit dem sozialistischen Staat an politische Bedingungen knüpft. Dieses von der damaligen rechtskonservativen Regierung Spaniens durchgesetzte Dokument verlangt einen „Regimewechsel“ in Kuba. In den vergangenen Jahren kam es vermehrt zu Auseinandersetzungen unter den Mitgliedsstaaten der EU, weil dieser „Gemeinsame Standpunkt“ gegenüber Kuba, der ein Einzelfall in den Außenbeziehungen Brüssels ist, nur einstimmig abgeschafft werden kann. Eine kleine Staatengruppe um die CDU-geführte deutsche Bundesregierung hatte sich immer gegen diesen Schritt gewandt. In den vergangenen Jahren haben jedoch bereits 14 Staaten der EU bilaterale Abkommen mit Kuba abgeschlossen.

Frankreichs Präsident François Hollande hat bereits für den 11. Mai einen Staatsbesuch in Kuba angekündigt. Es wäre der erste Besuch eines französischen Präsidenten auf der sozialistischen Insel. Die Lockerungen des US-Embargos könnten europäische Unternehmen bald der Konkurrenz durch die Vereinigten Staaten aussetzen, kommentierte die französische Zeitung „Le Monde“ die Ankündigung aus dem Élysée-Palast.

Die französische Unternehmerschaft habe großes Interesse, sich an den Geschäfts-und Investionsmöglichkeiten in Kuba zu beteiligen, betonte Frankreichs Staatsminister für Außenhandel, Matthias Fekl, bei einer Pressekonferenz am Samstag in Havanna. Auf der „Basis von Respekt und Zusammenarbeit“ wolle Frankreich „Kuba in dieser Etappe der Aktualisierung seines ökonomischen Modells begleiten“. Dies käme der Entwicklung des Karibikstaates sowie der Diversifizierung seiner Beziehungen zum Ausland zugute, so Fekl.

Auch Spanien will seine Präsenz auf Kuba verstärken. Der Staatssekretär für Handel, Jaime García-Legaz, wird zusammen mit einer Unternehmerdelegation Mitte April nach Havanna reisen, um die Möglichkeiten für eine weitere Unterstützung spanischer Firmen auf der Insel auszuloten.

Mit harscher Kritik reagierte indes die spanische Regierung auf den Besuch des früheren Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero (2004–2011) Ende Februar in Kuba. Er war dort auch von Präsident Raúl Castro empfangen worden. Der Außenminister der konservativen Regierung in Madrid, José Manuel García-Margallo, warf Zapatero mangelnde Loyalität gegenüber der Außenpolitik seines Landes vor. Zapatero hielt dagegen, er versuche immer „im Interesse Spaniens“ zu handeln. In Havanna war der frühere Regierungschef auch mit Kubas Außenminister Bruno Rodríguez und dem Minister für Außenhandel, Antonio Carricarte, zusammengetroffen.

von Marcel Kunzmann / Amerika21

Kuba genehmigt erstes Projekt in Mariel

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Containerterminal in der Sonderwirtschaftszone von Mariel (Quelle: Traveltradecaribbean)

Havanna. Eine mexikanische Firma wird als erstes ausländisches Unternehmen in der kubanischen Sonderwirtschaftszone von Mariel (ZEDM) investieren. Dies verkündete das mexikanische Außenministerium am vergangenen Samstag in einer Pressemitteilung.

Die Firma Richmeat plant, eine Fabrik zur Verarbeitung und Verpackung von Fleischwaren in Kuba zu errichten, gab das Ministerium bekannt. Das Unternehmen sei „die erste Firma von internationalem Rang, die die Genehmigung für ein Investment in Mariel erhalten hat“, hieß es in der Erklärung weiter.

Die Sonderwirtschaftszone Mariel liegt in der westlichen Provinz Artemisa und erstreckt sich über eine Fläche von 466 Quadratkilometern. Sie wurde zusammen mit einem modernen Containerterminal im Januar 2014 eröffnet. Vergangenen Sommer wurde der Hafen an das kubanische Schienennetz angeschlossen. Derzeit laufen weitere Arbeiten zur Errichtung von Lager- und Kühlhäusern auf dem Gelände.

Im vergangenen Jahr informierten die kubanischen Behörden, dass 23 verschiedene Projektvorschläge überprüft würden, die meisten davon aus Spanien, Frankreich, Italien, Brasilien, Russland und China. Bisher wurde jedoch noch keines der anderen Projekte genehmigt.

von Marcel Kunzmann / Amerika21

Neues Wahlgesetz und weitere Reformen

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Sitzung des kubanischen Ministerrats am 26. Februar in Havanna (Quelle: Granma)

Vergangene Woche traf sich in Havanna das Zentralkomitee der regierenden kommunistischen Partei Kubas (PCC), um die Erarbeitung eines neuen Wahlgesetz für die nächsten Parlamentswahlen 2018 in die Wege zu leiten. Gleichzeitig wurde auf der Sitzung der VII. Parteitag der PCC für April 2016 angekündigt. Weitere Details zu den Vorhaben wurden zunächst nicht bekannt. Der amerikanische Politikwissenschaftler Arturo López-Levy von der Universität New York vermutet jedoch, dass mit dem nächsten Parteitag der „erste Generationenwandel auf höchster Ebene seit Beginn der Revolution“ vollzogen werde.

Generationenwechsel im Gange

López-Levy geht dabei von einem geregelten Übergang aus. Der Generationenwechsel habe bereits auf der Provinz- und Kommunalebene bis hin zum Zentralkomitee stattgefunden. Beim nächsten Parteitag könnte deshalb auch das 14-köpfige Politbüro einige Neubesetzungen erfahren. López-Levy, der am New Yorker Zentrum für globale Studien tätig ist, rechnet mit dem Rücktritt der alten Garde um José Machado Ventura (stellvertreter Raúl Castros bis 2013), Abelardo Colomé (Innenminister), Ramiro Valdés (koordinierender Energieminister), Ramón Espinosa (General) und anderen.

An ihre Stelle könnte die junge Generation treten, an deren Spitze der 54-jährige Miguel Díaz-Canel steht. Der studierte Elektronikingenieur war zunächst Hochschuldozent in seiner Geburtsstadt Santa Clara, ab 1993 trat er eine Karriere als Provinzfunktionär in Villa Clara und Holguín an, bis er 2003 in das Politbüro der PCC gewählt wurde. Von 2009 bis 2012 fungierte er als Hochschulminister Kubas, seit 2013 ist er erster Vizepräsident und damit Stellvertreter Raúl Castros. Auch Wirtschaftsminister Marino Murillo (54), Außenminister Bruno Rodríguez (57) und die Parteichefin von Havanna, Mercedes López Acea (50), könnten in Zukunft eine wichtige Rolle spielen.

López-Levy vermutet, dass Miguel Díaz-Canel bereits 2016 zum Parteivorsitzen aufsteigen könnte. Der 72-jährige Verteidigungsminister Leopoldo Cintra Frías würde jedoch als Garant für Kontinuität vermutlich weiterhin politische Ämter bekleiden. Trotz des langsamen Ausscheidens der historischen Generation aus der Politik seien sich Analysten, Forscher und sogar Teile der kubanischen Opposition darin einig, dass die Kubaner Änderungen wollten, „aber innerhalb des politischen Systems in dem sie leben“, sagte López-Levy gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Reform des Wahlsystems für mehr Dezentralisierung

Auch zum neuen Wahlgesetz gab López-Levy eine Einschätzung. Die Direktwahl des Präsidenten durch die Bevölkerung sei zwar nicht auf der Reformagenda, allerdings „existiert vielleicht ein Platz dafür in den Munizipios bis hin zur Provinzebene.“ Derzeit wird der kubanische Präsident von den 612 Mitgliedern des Parlaments gewählt. Raúl Castro hat bereits angekündigt, durch eine Verfassungsreform die Besetzung der wichtigsten Ämter in Staat und Partei auf eine Periode von maximal zwei mal fünf Jahren beschränken zu wollen.

Obwohl noch kein konkretes Datum bekannt ist, soll sowohl die Wahlreform als auch die Verfassungsänderung auf jeden Fall vor der nächsten Parlamentswahl 2018 umgesetzt werden, bei der Raúl Castro nicht mehr als Präsident kandidieren wird. Radikale Änderungen am politischen System sind dabei nicht zu erwarten, vielmehr wird versucht werden einen Weg zu mehr Dezentralisierung und Verlagerung der Kompetenzen auf die unteren Ebenen zu finden, was bereits in den Provinzen Artemisa und Mayabeque seit 2011 erprobt wird.

Ministerrat beschließt neue Kulturfinanzierung

Auch Kubas Ministerrat traf jüngst zu einer Sitzung in Havanna zusammen, um verschiedene neue Gesetze und Reformvorhaben auf den Weg zu bringen. Im Mittelpunkt stand dabei die Verbesserung der Finanzierung von kulturellen Projekten auf der Insel, für die nun auch private Förderer aufkommen können.

So sollen kubanische Künstler in Zukunft über die Zuwendungen des Staatshaushalts hinaus auch Fördergelder von staatlichen und privaten Unternehmen, Einzelpersonen und ausländischen Geldgebern in Anspruch nehmen können. Die Förderung bedarf weiterhin der Genehmigung der zuständindigen Kulturinstitutionen, wobei die Gelder nicht versteuert werden müssen.

„Mit der Aufhebung der Einschränkungen zum Erhalt der Fördergelder wird man mehr Projekte finanzieren können und vereinfacht gleichzeitig den staatlichen Auftrag der Künstler“, sagte Wirtschaftsminister Marino Murillo über das neue Gesetz. Die Kulturförderung soll in Zukunft schneller vonstatten gehen und den Künstlern direkt zu Gute kommen.

Reduzierung der Bürokratie in Wissenschaft und Verwaltung

Im Bereich der öffentlichen Verwaltung will Kuba die Bürokratie zurückfahren, indem bestimmte Anträge zusammengefasst und vereinfacht werden. Die Entwicklung der „elektronischen Regierung“ sei ein Schritt auf dem Weg zur Informatisierung der Gesellschaft, erklärte Murillo auf der Sitzung. In den Gemeindebehörden soll in Zukunft die notwendige technische und personelle Infrastruktur hergestellt werden, um die Anzahl der Behördengänge zu reduzieren.

Der kubanische Wissenschaftssektor soll ebenfalls reformiert werden, wobei sich die Staatsunternehmen stärker an der Finanzierung der Forschungseinrichtungen beteiligen sollen. Die Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Wissenschaft soll gestärkt werden, um Forschungsergebnisse besser in neue Produkte umsetzen zu können.

Eisenbahn und Dienstleistungsexport auf der Agenda

Auch der Status der kubanischen Eisenbahn stand auf der Agenda des Ministerrats. Das Zugnetz der Insel soll künftig von einer neu zu schaffenden „Administration des Schienenverkehrs“ verwaltet werden, der die bisherige Zuggesellschaft „Unión de Ferrocarriles de Cuba“ sowie die Eisenbahnpolizei untergeordnet sind. Das Personal der Eisenbahner soll geschult werden und ein neues Lohnsystem erhalten, um die Verantwortlichkeit der einzelnen Arbeitsplätze zu stärken. Auf der Sitzung sagte Kubas Präsident Raúl Castro Ineffizienz und Disziplinlosigkeiten beim Eisenbahntransport den Kampf an.

Der Export von Dienstleistungen soll künftig besser koordiniert werden. Die über 50.000 kubanischen Ärzte, die sich derzeit im Ausland befinden, stellen die wichtigste Einnahmenquelle des Staates dar. In Zukunft soll das Angebot solcher Dienstleistungen weiter verbreitert und verbessert werden, die beteiligten kubanischen Firmen sollen sich professioneller auf die Verhandlungen vorbereiten.

Fidel Castro trifft die Cuban Five

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Fidel Castro empfing die „Cuban Five“ in seinem Haus in Havanna (Quelle: Granma)

Offizielle deutsche Übersetzung der Nachricht Fidel Castros vom 1. März 2015:

Ich empfing sie am Samstag, dem 28. Februar, 73 Tage nachdem sie kubanischen Boden betreten hatten. Drei von ihnen hatten 16 lange Jahre ihres besten Lebensalters damit aufgezehrt, die feuchte, schlecht riechende und ekelhafte Luft der Keller von Yankee-Gefängnisen zu atmen, nachdem sie von käuflichen Richtern verurteilt worden waren. Die anderen beiden, die ebenfalls versucht hatten, die kriminellen Pläne des Imperiums gegen ihr Vaterland zu vereiteln, wurden auch zu langen Jahren brutaler Haft verurteilt.

Die Untersuchungsbehörden, bar jeden elementaren Gefühls für Gerechtigkeit, waren selbst an der unmenschlichen Jagd beteiligt.

Der kubanische Geheimdienst hatte es absolut nicht nötig, die Bewegungen auch nur einer einzigen militärischen Einheit der Vereinigten Staaten zu verfolgen, denn man konnte über die Radioelektronische Forschungsbasis „Lourdes“ im Süden der Hauptstadt Kubas alles beobachten, was sich auf unserem Planeten bewegte. Dieses Zentrum war in der Lage, jedes bewegliche Objekt, auch wenn es Tausende von Meilen von unserem Land entfernt war, aufzuspüren.

Die fünf antiterroristischen Helden, die niemals den Vereinigten Staaten Schaden zugefügt haben, versuchten, terroristischen Aktionen gegen unser Volk vorzubeugen und diese zu verhindern, welche von den US-Geheimdienst-Organen arrangiert wurden, die der Weltöffentlichkeit zur Genüge bekannt sind. Keiner der fünf Helden führte seine Aufgaben aus, um Beifall, Lohn oder Ruhm zu ernten. Sie erhielten ihre ehrenvollen Titel, weil sie darauf nicht aus gewesen waren. Sie, ihre Ehefrauen, ihre Eltern, ihre Kinder, ihre Geschwister und ihre Mitbürger, wir alle haben das legitime Recht, uns stolz zu fühlen.

Im Juli 1953, als wir die Moncada Kaserne angriffen, war ich 26 Jahre alt und hatte viel weniger Erfahrung als die, die sie bewiesen haben. Wenn sie in den Vereinigten Staaten waren, geschah dies nicht, um diesem Land zu schaden oder Rache für die Verbrechen zu üben, die von dort organisiert wurden, von wo auch Sprengkörper für den Einsatz gegen unser Land geliefert wurden. Der Versuch, dies zu verhindern, war absolut legitim.

Bei ihrer Ankunft war das Wichtigste, ihre Familienangehörigen, ihre Freunde und das Volk zu begrüßen, ohne auch nur eine Minute die Gesundheit und die strengen medizinischen Untersuchungen zu vernachlässigen.

Ich war während der Stunden gestern glücklich. Ich hörte wundervolle Geschichten, die vom Heldentum der Gruppe zeugen, wobei Gerardo der Wortführer war und von allen anderen ergänzt wurde, einschließlich des Malers und Dichters, den ich kennengelernt hatte, als er eine seiner Arbeiten auf dem Flugfeld von Santiago de Cuba durchführte. Und die Ehefrauen? Die Söhne und Töchter? Die Schwestern und Mütter? Werden sie auch empfangen werden? Man muss doch die Rückkehr und die Freude mit der Familie feiern!

Gestern wollte ich mich erstmal mit den fünf Helden austauschen. Fünf Stunden lang war dies das Thema. Ich verfüge glücklicherweise seit gestern über genügend Zeit, um sie zu bitten, dass sie einen Teil ihres immensen Ansehens in etwas investieren, das höchst nützlich für unser Volk sein wird. [Hervorhebung durch Cubaheute]

 

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Fidel Castro, 1. März 2015, 22:12 Uhr.

Fortschritte bei Verhandlungsrunde Kuba – USA

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Die amerikanische (links) und die kubanische Delegation bei der zweiten Gesprächsrunde in Washington (Quelle: Cubadebate)

Washington. Kuba und die USA haben am vergangenen Freitag in Washington die zweite Verhandlungsrunde über die Normalisierung der bilateralen Beziehungen zwischen beiden Ländern abgehalten. Diplomaten beider Seiten gaben sich vorsichtig optimistisch und betonten, dass die Gespräche Fortschritte machten. Ein definitives Datum für die Wiedereröffnung von Botschaften in Havanna und Washington gibt es allerdings noch nicht. Am 17. Dezember vergangenen Jahres verkündeten US-Präsident Obama und Kubas Staatschef Raúl Castro, die Beziehungen zwischen beiden Ländern wiederherstellen zu wollen.

Für die Kubaner war vor allem die Streichung von der US-Regierungsliste der Staaten, die den Terrorismus fördern, ein zentrales Anliegen bei den Verhandlungen. Die sozialistische Insel wird seit 1982 von den USA als Förderer des Terrorismus eingestuft, da Havanna damals linksgerichtete Kräfte in Lateinamerika und Afrika unterstützt habe, darunter die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC). Obwohl Kuba heute als Garant der Friedensverhandlungen zwischen den FARC und der kolumbianischen Regierung in Havanna fungiert, wird die Insel noch immer zusammen mit dem Iran, dem Sudan und Syrien auf der Liste geführt.

Die kubanische Verhandlungsführerin Josefine Vidal betonte indes, dass die Streichung von der Liste nicht Vorbedingung für die Normalisierung der diplomatischen Beziehungen, jedoch „eine Priorität“ für Kuba sei. Zahlreiche Banken weigern sich aufgrund der Nennung in der Liste mit Kuba Geschäfte abzuwickeln, weshalb das Land schwer internationale Kredite erhält.

Davon ist auch die kubanische Interessenvertretung in Washington betroffen, die alle ihre Geschäfte mit Bargeld abwickeln muss. Die amerikanische Seite betonte, dass der ergebnisoffene Überprüfungsprozess beinahe abgeschlossen sei, anschließend müsse man den Antrag dem Kongress vorlegen. Bei der Überprüfung muss nachgewiesen werden, dass Kuba in den letzten sechs Monaten keine Förderung von Terroristen betrieben hat, wobei der Überprüfungsprozess mindestens 45 Tage in Anspruch nimmt.

„Es ist schwierig sich vorzustellen, was daran so lange braucht“, kommentierte Philip Peters, Leiter des „Cuban Research Center“ und ehemaliger Staatssekretär der Bush-Administration. „Es scheint ziemlich offensichtlich zu sein, dass sie von der Liste gestrichen werden“, sagte Peters gegenüber der New York Times. Die Kubaner betonten, es sei „absurd“, über die Eröffnung von Botschaften zu sprechen, während sich Kuba auf dieser Liste befinde.

Die USA wollten in der jüngsten Gesprächsrunde die Eröffnung einer regulären Botschaft in Havanna noch vor dem Amerika-Gipfel vorantreiben, der am 10. April in Panama stattfinden wird. Neben Barack Obama wird auch erstmals der kubanische Präsident Raúl Castro zu den anwesenden Regierungschefs gehören. „Ich denke, wir können das rechtzeitig zum Amerika-Gipfel erledigen“, sagte US-Verhandlungsführerin Roberta Jacobson auf Nachfrage von Journalisten. Die kubanische Seite bekräftigte indes die Notwendigkeit der Prinzipien der Wiener Konvention und des internationalen Rechts als Grundbedingung für die künftige Arbeit beider Botschaften.

Obwohl bei den Gesprächen keine Durchbrüche zu vermelden waren, betonten beide Seiten den „konstruktiven Dialog“, der „ehrlich und ernsthaft“ geführt worden sei. Bei einer Reihe anderer Probleme „technischer Natur“ sei man „nahe an einer Lösung“. Bereits nächste Woche will Kuba zwei Fachdelegationen nach Washington schicken, die Gespräche über Menschenhandel, zivile Luftfahrt und Seegrenzen führen sollen. Zudem wird im März eine US-Delegation in Havanna eintreffen, um mit der kubanischen Regierung an der Erweiterung der Internetkapazitäten des Landes zu arbeiten. Eine weitere US-Delegation soll Ende des Monats in Kuba über Themen wie den Missbrauch der US-Migrationsgesetze und Menschenrechte sprechen. Bis dahin wollen beide Seiten in permanentem Kontakt bleiben.

von Marcel Kunzmann / Amerika21

Russland hilft Kuba bei der Ölförderung und plant neuen Flughafen

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Kubanische Ölfelder im Norden der Provinz Matanzas (Quelle: TheCubanEconomy)

Russische und kubanische Spezialisten arbeiten derzeit an der Modernisierung alter Ölpumpen, um die kubanische Erdölproduktion mit neuer Technik zu verbessern. Im Rahmen eines 2014 geschlossenen Vertrags zwischen der kubanischen Ölgesellschaft CUPET und dem russischen Staatsunternehmen Zarubezhneft, könnte die kubanische Erdölproduktion um bis zu 25.000 Barrel pro Tag gesteigert werden. Gleichzeitig sind russische Unternehmen auf der Suche nach Investoren für einen geplanten Flughafen in der Provinz Artemisa.

Thermische Methode verspricht schnelle Erfolge

Kuba verfügt über einige Ölfelder auf dem Festland und fördert heute ca. 50.000 Barrel pro Tag, was etwa 40 Prozent des Eigenbedarfs entspricht. Den Rest importiert das Land aus Venezuela im Austausch für medizinische Dienstleistungen. Aufgrund seiner schlechten Qualität kann das kubanische Erdöl nicht zu Benzin weiterverarbeitet werden, sondern wird vor allem zur Stromerzeugung sowie zur Herstellung von Zement und Asphalt genutzt.

Im Rahmen des Deals mit Zarubezhneft wird eine neue thermische Fördermethode angewandt, die auf Kuba erstmals zum Einsatz kommt. Sie hat die Senkung der Viskosität des Erdöls mit Hilfe von Wasserdampf zum Ziel, um so das Öl mit einer geringeren Dichte an die Oberfläche zu befördern. Die Technik wird derzeit in einem Testgebiet erprobt. „Im Moment benutzen wir sie um Ölquellen zu aktivieren, die bereits verbraucht waren“, sagte der Direkter der russischen Firma, Andrey Grebenev, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Die Methode würde Kuba „in kurzer Zeit“ neue Möglichkeiten für seine Ölindustrie eröffnen, meint der Branchenexpoerte Jorge Piñón, von der Universität Austin in Texas. Piñón schätzt, dass Kuba auf diese Weise seine tägliche Ölfördermenge um gut 50 Prozent auf 70.000 bis 75.000 Barrel steigern könnte. Auch die Erkundung der Ölreserven jenseits des Festlands steht auf der Agenda. Vier Offshore-Bohrversuche im Golf von Mexiko gingen in den letzten Jahren leer aus, allerdings ist Kuba an weiteren Bohrungen interessiert.

Russland plant neuen Flughafen für 200 Mio. US$

In Abu Dabi war der russische Handels- und Industrieminister Denis Manturov derweil auf der Suche nach möglichen Investitionspartnern für einen geplanten Flughafenneubau in der kubanischen Provinz Artemisa. „Wir sind tief in diese Verhandlungen eingestiegen“, sagte Manturov gegenüber einer Zeitung in den Emiraten. Kuba über mehrere internationale Flughäfen, der 1930 eröffnete „José Martí“ südlich der Hauptstadt ist die wichtigste Plattform für den Flugverkehr des Landes.

Der Neubau soll nur zehn Kilometer weiter südlich in der Stadt San Antonio de los Baños stattfinden, wo ein ehemaliger Militärflugplatz als Grundlage dient. Kuba will dort eine „große Drehscheibe für den Flugverkehr in Lateinamerika“ errichten, sagte Manturov. Der geplante Flughafen soll über die Schiene mit dem neu eröffneten Containerport von Mariel verbunden werden und ein eigenes Frachtterminal erhalten. Das Projekt wurde bereits beim Besuch Vladimir Putins in Havanna vergangenen Sommer angekündigt. Russland plant mindestens 200 Millionen US$ für den Neubau zu investieren.