Spitzendiplomatin der EU plant Besuch in Kuba

Havanna. Die Außenbeauftragte der Europäischen Union, Federica Mogherini, hat angekündigt, am 23. März nach Kuba reisen zu wollen. Es wäre seit geraumer Zeit der höchstrangigste Besuch von EU-Vertretern in Kuba. Seit dem Beginn der Gespräche mit den USA am 17. Dezember vergangenen Jahres besuchten zahlreiche Delegationen aus Europa die Insel. Vor wenigen Tagen erst empfing Kubas Präsident Raúl Castro den italienischen Außenminister Paolo Gentiloni in Havanna.

Am 12. März wurde Außenminister Gentiloni von seinem kubanischen Amtskollegen Bruno Rodríguez in der kubanischen Hauptstadt empfangen. Bei den Gesprächen wurden mögliche Felder der bilateralen Kooperation erörtert, darunter auf den Gebieten Kultur, Biotechnologie und im Bildungsbereich. Die Aktualisierung des kubanischen Modells würde es italienischen Unternehmen erleichtern, in Sektoren wie dem Tourismus oder den erneuerbaren Energien zu investieren, erklärte Gentiloni.

Der angekündigte Besuch der EU Top-Diplomatin Mogherini gilt als Zeichen für ein Tauwetter in den Beziehungen zwischen Kuba und den EU-Staaten. Im vergangenen Jahr nahmen beide Seiten diplomatische Verhandlungen auf, um den 1996 eingeführten „Gemeinsamen Standpunkt“ zu ersetzen. Das von der damaligen rechtskonservativen Regierung Spaniens durchgesetzte Dokument verlangt einen „Regimewechsel“ in Kuba. 14 EU-Staaten haben jedoch heute bereits bilaterale Abkommen mit Kuba abgeschlossen, weshalb der Druck zur Neuausrichtung der Beziehungen mit dem sozialistischen Land wächst. Hierzu trafen sich zuletzt Anfang März kubanische Diplomaten und EU-Verteter in Havanna.

von Marcel Kunzmann / Amerika21

Havannas erster WiFi-Hotspot mit kostenlosem Internetzugang

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Vor den Eingangstoren zum „Kcho Estudio“ im Barrio Romerillo, Playa (Quelle: am.com.mx)

In Havanna eröffnete vor kurzem der erste kostenlose und öffentliche Internetzugangspunkt Kubas. Nach Berichten der Washington Post begann der Betrieb des WiFi-Hotspots vor wenigen Wochen in einem Kulturzentrum des Stadtteils Playa. Dutzende Kubaner pilgern seitdem regelmäßig dorthin, um den freien Zugang zum weltweiten Netz zu nutzen. Der Künstler Alexis Leyva hatte zuvor von der staatlichen Telekom ETECSA die Genehmigung erhalten, seinen privaten Anschluss öffentlich zugänglich zu machen.

„Ich komme so oft ich kann“, sagte ein 20-jähriger Kubaner gegenüber der Zeitung. Er nutzt den Zugangspunkt vor allem zur Videotelefonie mit seinem Vater, der in den Vereinigten Staaten lebt. Facebook, Google und Yahoo gehören zu den beliebtesten Seiten. Die Leitungskapazität von lediglich 2 Mbps wird tagsüber von dutzenden Nutzern gleichzeitig beansprucht, was die Verbindung oftmals quälend langsam werden lässt. Dennoch erfreut sich der Hotspot großer Beliebtheit, auch weil er 24 Stunden am Tag verfügbar ist. Manche Kubaner nutzen daher die Nachtstunden, um in den Genuss einer schnelleren Verbindung zu gelangen.

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Viele Gäste gehen mit ihren Smartphones oder Tablets online (Quelle: Miami Herald)

„Das ist eine ungewöhnliche Sache, und sie ist nur möglich durch die Bereitschaft so zu handeln und auch die Kosten zu tragen“, sagte Layva, der unter dem Künstlernamen „Kcho“ bekannt ist. Er betreibt die Kunstgallerie, in der die Habaneros zum freien surfen und verweilen eingeladen sind. Eine Wand am Eingang des Gebäudes gibt das Passwort des Netzwerks bekannt: „aquinoserindenadie“, in Anspielung auf die berühmten Worte des Comandante Juan Almeida aus dem Jahr 1956: „Hier ergibt sich niemand!“ Fidel Castro besuchte die Eröffnungsfeier der Einrichtung bei seinem letzten öffentlichen Auftritt im Januar 2014.

Das einzigartige Projekt ist für Kuba absolutes Neuland und könnte als Versuchsballon für den weiteren Ausbau des Internets auf der Insel dienen. Netzzugang gibt es bisher nur an wenigen staatlichen Arbeitsplätzen und Bildungseinrichtungen, während Privatanschlüsse Berufsgruppen wie Ärzten, Künstlern und Journalisten vorbehalten sind. Öffentlicher Internetzugang kostet in den 155 staatlichen Internetcafés 4,50 US$ pro Stunde, was etwa einem Viertel des durchschnittlichen Monatsgehalts entspricht. Den meisten bleiben daher nur die offline verfügbaren Inhalte auf USB-Sticks, die in wöchentlich aktualisierter Form getauscht werden.

Kubas Regierung hat in den vergangenen Monaten mehrfach angekündigt, den Internetzugang auf der Insel ausbauen zu wollen. Für dieses Jahr plant ETECSA die Anzahl der Internetcafés landesweit zu verdoppeln. Das Unternehmen will dabei verstärkt auf WiFi-Hotspots setzen, zu den langfristigen Plänen gehören auch Privatanschlüsse. Kubas erster Vizepräsident Miguel Díaz-Canel forderte zuletzt auf einem Informatikkongress im Januar, das Internet müsse „verfügbar, erreichbar und für alle erschwinglich“ gemacht werden.

Tourismus nimmt im Januar an Fahrt auf

Varadero, Cuba

Hotelkomplex in Varadero. Die Anzahl der Touristen in Kuba legte im Januar um 16% gegenüber dem Vorjahresmonat zu.  (Quelle: cmbtravel)

Die kubanische Tourismusindustrie erlebt gerade ein deutliches Wachstum. Allein im Januar 2015 kamen 371.160 Besucher auf der Insel an, 16 Prozent mehr als im selben Monat vergangenen Jahres. Nach Angaben der kubanischen Statistikbehörde ONE kommt knapp die Hälfte der Touristen aus Kanada, gefolgt von Deutschland, England und Frankreich als den wichtigsten Herkunftsländern. Die Wintermonate von November bis März markieren die Hochsaison für den Tourismus in Kuba.

Kuba profitiert bereits von der Erleichterung der Reisebestimmungen für US-Amerikaner, die im Vorfeld des Dialogs mit den Vereinigten Staaten im Dezember von Barack Obama per Dekret erlassen wurde. Im letzten Jahr besuchten 3 Millionen Menschen die Insel, 5 Prozent mehr als noch 2013. Kubas Tourismusindustrie könnte bei anhaltendem Wachstum dabei schon bald an die eigenen Kapazitätsgrenzen stoßen.

Verbesserungsbedarf gibt es nicht nur in Bezug auf die Qualität, sondern vor allem bei der Anzahl der Unterkünfte. Derzeit verfügt Kuba über 61.000 Schlafplätze, bis zum Jahr 2020 sollen es ingesamt 85.000 werden. Dafür sind auch Investitionen in die Infrastruktur notwendig. Zahlreiche Projektvorschläge für ausländische Direktinvestitionen zielen deshalb auf den Tourismus ab, der gerade in Kubas östlichen Provinzen besser entwickelt werden soll.

Auch die Hafen- und Flugverkehrsinfrastruktur des Landes wird derzeit modernisiert. So kündigte die brasilianische Baufirma Odebrecht am Montag an, Terminal 3 des internationalen Flughafens „José Martí“ in Havanna ausbauen zu wollen. Das Unternehmen war bereits an der Errichtung des Containerports von Mariel beteiligt.  Noch diesen Monat sollen die Arbeiten am Terminal beginnen, die insgesamt 207 Mio. US$ kosten werden. Langfristig plant Kuba mit russischer Hilfe einen neuen internationalen Flughafen im 10 Kilometer entfernten San Antonio de los Baños zu errichten.

Dritte Gesprächsrunde Kuba-EU beendet

Kubas Vizeaußenminister Abelardo Moreno und Christian Leffler, zuständiger Direktor der EU für Beziehungen zu Nord-und Südamerika

Kubas Vizeaußenminister Abelardo Moreno und Christian Leffler, zuständiger Direktor der EU für Beziehungen zu Nord-und Südamerika und Chefunterhändler (Quelle: Cubadebate)

Havanna. In der kubanischen Hauptstadt haben erneut Gespräche zwischen der Europäischen Union (EU) und Kuba stattgefunden. Vertreter der EU waren am vergangenen Mittwoch für zweitägige Gespräche in Havanna eingetroffen, um einen zukünftigen Vertrag über politischen Dialog und Zusammenarbeit mit dem Karibikstaat zu erarbeiten. Das Treffen markierte die dritte Gesprächsrunde seit der Wiederaufnahme des Dialogs mit Kuba im April 2014.

Beide Seiten hoben den konstruktiven Dialog hervor, bei dem auch Fragen wie Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit diskutiert wurden. Insbesondere bei der Zusammenarbeit auf den Gebieten Kultur, Bildung, Gesundheit und Landwirtschaft seien Fortschritte erzielt worden, betonte Kubas Vizeaußenminister Abelardo Moreno. Man sei substanziell weitergekommen bei den rechtlichen und technischen Bestimmungen der Zusammenarbeit, sagte Christian Leffler, zuständiger Direktor der EU für Beziehungen zu Nord-und Südamerika.

Die Verhandlungen waren die ersten zwischen der EU und Kuba, seitdem das Land vergangenen Dezember den Dialog mit den USA wieder aufgenommen hat. Das ursprünglich für Januar angesetzte Treffen wurde von den Kubanern mehrfach verschoben.

Bei den Gesprächen ging es auch darum, den „Gemeinsamen Standpunkt“ der EU von 1996 abzulösen, der die Beziehung mit dem sozialistischen Staat an politische Bedingungen knüpft. Dieses von der damaligen rechtskonservativen Regierung Spaniens durchgesetzte Dokument verlangt einen „Regimewechsel“ in Kuba. In den vergangenen Jahren kam es vermehrt zu Auseinandersetzungen unter den Mitgliedsstaaten der EU, weil dieser „Gemeinsame Standpunkt“ gegenüber Kuba, der ein Einzelfall in den Außenbeziehungen Brüssels ist, nur einstimmig abgeschafft werden kann. Eine kleine Staatengruppe um die CDU-geführte deutsche Bundesregierung hatte sich immer gegen diesen Schritt gewandt. In den vergangenen Jahren haben jedoch bereits 14 Staaten der EU bilaterale Abkommen mit Kuba abgeschlossen.

Frankreichs Präsident François Hollande hat bereits für den 11. Mai einen Staatsbesuch in Kuba angekündigt. Es wäre der erste Besuch eines französischen Präsidenten auf der sozialistischen Insel. Die Lockerungen des US-Embargos könnten europäische Unternehmen bald der Konkurrenz durch die Vereinigten Staaten aussetzen, kommentierte die französische Zeitung „Le Monde“ die Ankündigung aus dem Élysée-Palast.

Die französische Unternehmerschaft habe großes Interesse, sich an den Geschäfts-und Investionsmöglichkeiten in Kuba zu beteiligen, betonte Frankreichs Staatsminister für Außenhandel, Matthias Fekl, bei einer Pressekonferenz am Samstag in Havanna. Auf der „Basis von Respekt und Zusammenarbeit“ wolle Frankreich „Kuba in dieser Etappe der Aktualisierung seines ökonomischen Modells begleiten“. Dies käme der Entwicklung des Karibikstaates sowie der Diversifizierung seiner Beziehungen zum Ausland zugute, so Fekl.

Auch Spanien will seine Präsenz auf Kuba verstärken. Der Staatssekretär für Handel, Jaime García-Legaz, wird zusammen mit einer Unternehmerdelegation Mitte April nach Havanna reisen, um die Möglichkeiten für eine weitere Unterstützung spanischer Firmen auf der Insel auszuloten.

Mit harscher Kritik reagierte indes die spanische Regierung auf den Besuch des früheren Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero (2004–2011) Ende Februar in Kuba. Er war dort auch von Präsident Raúl Castro empfangen worden. Der Außenminister der konservativen Regierung in Madrid, José Manuel García-Margallo, warf Zapatero mangelnde Loyalität gegenüber der Außenpolitik seines Landes vor. Zapatero hielt dagegen, er versuche immer „im Interesse Spaniens“ zu handeln. In Havanna war der frühere Regierungschef auch mit Kubas Außenminister Bruno Rodríguez und dem Minister für Außenhandel, Antonio Carricarte, zusammengetroffen.

von Marcel Kunzmann / Amerika21

Kuba genehmigt erstes Projekt in Mariel

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Containerterminal in der Sonderwirtschaftszone von Mariel (Quelle: Traveltradecaribbean)

Havanna. Eine mexikanische Firma wird als erstes ausländisches Unternehmen in der kubanischen Sonderwirtschaftszone von Mariel (ZEDM) investieren. Dies verkündete das mexikanische Außenministerium am vergangenen Samstag in einer Pressemitteilung.

Die Firma Richmeat plant, eine Fabrik zur Verarbeitung und Verpackung von Fleischwaren in Kuba zu errichten, gab das Ministerium bekannt. Das Unternehmen sei „die erste Firma von internationalem Rang, die die Genehmigung für ein Investment in Mariel erhalten hat“, hieß es in der Erklärung weiter.

Die Sonderwirtschaftszone Mariel liegt in der westlichen Provinz Artemisa und erstreckt sich über eine Fläche von 466 Quadratkilometern. Sie wurde zusammen mit einem modernen Containerterminal im Januar 2014 eröffnet. Vergangenen Sommer wurde der Hafen an das kubanische Schienennetz angeschlossen. Derzeit laufen weitere Arbeiten zur Errichtung von Lager- und Kühlhäusern auf dem Gelände.

Im vergangenen Jahr informierten die kubanischen Behörden, dass 23 verschiedene Projektvorschläge überprüft würden, die meisten davon aus Spanien, Frankreich, Italien, Brasilien, Russland und China. Bisher wurde jedoch noch keines der anderen Projekte genehmigt.

von Marcel Kunzmann / Amerika21

Neues Wahlgesetz und weitere Reformen

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Sitzung des kubanischen Ministerrats am 26. Februar in Havanna (Quelle: Granma)

Vergangene Woche traf sich in Havanna das Zentralkomitee der regierenden kommunistischen Partei Kubas (PCC), um die Erarbeitung eines neuen Wahlgesetz für die nächsten Parlamentswahlen 2018 in die Wege zu leiten. Gleichzeitig wurde auf der Sitzung der VII. Parteitag der PCC für April 2016 angekündigt. Weitere Details zu den Vorhaben wurden zunächst nicht bekannt. Der amerikanische Politikwissenschaftler Arturo López-Levy von der Universität New York vermutet jedoch, dass mit dem nächsten Parteitag der „erste Generationenwandel auf höchster Ebene seit Beginn der Revolution“ vollzogen werde.

Generationenwechsel im Gange

López-Levy geht dabei von einem geregelten Übergang aus. Der Generationenwechsel habe bereits auf der Provinz- und Kommunalebene bis hin zum Zentralkomitee stattgefunden. Beim nächsten Parteitag könnte deshalb auch das 14-köpfige Politbüro einige Neubesetzungen erfahren. López-Levy, der am New Yorker Zentrum für globale Studien tätig ist, rechnet mit dem Rücktritt der alten Garde um José Machado Ventura (stellvertreter Raúl Castros bis 2013), Abelardo Colomé (Innenminister), Ramiro Valdés (koordinierender Energieminister), Ramón Espinosa (General) und anderen.

An ihre Stelle könnte die junge Generation treten, an deren Spitze der 54-jährige Miguel Díaz-Canel steht. Der studierte Elektronikingenieur war zunächst Hochschuldozent in seiner Geburtsstadt Santa Clara, ab 1993 trat er eine Karriere als Provinzfunktionär in Villa Clara und Holguín an, bis er 2003 in das Politbüro der PCC gewählt wurde. Von 2009 bis 2012 fungierte er als Hochschulminister Kubas, seit 2013 ist er erster Vizepräsident und damit Stellvertreter Raúl Castros. Auch Wirtschaftsminister Marino Murillo (54), Außenminister Bruno Rodríguez (57) und die Parteichefin von Havanna, Mercedes López Acea (50), könnten in Zukunft eine wichtige Rolle spielen.

López-Levy vermutet, dass Miguel Díaz-Canel bereits 2016 zum Parteivorsitzen aufsteigen könnte. Der 72-jährige Verteidigungsminister Leopoldo Cintra Frías würde jedoch als Garant für Kontinuität vermutlich weiterhin politische Ämter bekleiden. Trotz des langsamen Ausscheidens der historischen Generation aus der Politik seien sich Analysten, Forscher und sogar Teile der kubanischen Opposition darin einig, dass die Kubaner Änderungen wollten, „aber innerhalb des politischen Systems in dem sie leben“, sagte López-Levy gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Reform des Wahlsystems für mehr Dezentralisierung

Auch zum neuen Wahlgesetz gab López-Levy eine Einschätzung. Die Direktwahl des Präsidenten durch die Bevölkerung sei zwar nicht auf der Reformagenda, allerdings „existiert vielleicht ein Platz dafür in den Munizipios bis hin zur Provinzebene.“ Derzeit wird der kubanische Präsident von den 612 Mitgliedern des Parlaments gewählt. Raúl Castro hat bereits angekündigt, durch eine Verfassungsreform die Besetzung der wichtigsten Ämter in Staat und Partei auf eine Periode von maximal zwei mal fünf Jahren beschränken zu wollen.

Obwohl noch kein konkretes Datum bekannt ist, soll sowohl die Wahlreform als auch die Verfassungsänderung auf jeden Fall vor der nächsten Parlamentswahl 2018 umgesetzt werden, bei der Raúl Castro nicht mehr als Präsident kandidieren wird. Radikale Änderungen am politischen System sind dabei nicht zu erwarten, vielmehr wird versucht werden einen Weg zu mehr Dezentralisierung und Verlagerung der Kompetenzen auf die unteren Ebenen zu finden, was bereits in den Provinzen Artemisa und Mayabeque seit 2011 erprobt wird.

Ministerrat beschließt neue Kulturfinanzierung

Auch Kubas Ministerrat traf jüngst zu einer Sitzung in Havanna zusammen, um verschiedene neue Gesetze und Reformvorhaben auf den Weg zu bringen. Im Mittelpunkt stand dabei die Verbesserung der Finanzierung von kulturellen Projekten auf der Insel, für die nun auch private Förderer aufkommen können.

So sollen kubanische Künstler in Zukunft über die Zuwendungen des Staatshaushalts hinaus auch Fördergelder von staatlichen und privaten Unternehmen, Einzelpersonen und ausländischen Geldgebern in Anspruch nehmen können. Die Förderung bedarf weiterhin der Genehmigung der zuständindigen Kulturinstitutionen, wobei die Gelder nicht versteuert werden müssen.

„Mit der Aufhebung der Einschränkungen zum Erhalt der Fördergelder wird man mehr Projekte finanzieren können und vereinfacht gleichzeitig den staatlichen Auftrag der Künstler“, sagte Wirtschaftsminister Marino Murillo über das neue Gesetz. Die Kulturförderung soll in Zukunft schneller vonstatten gehen und den Künstlern direkt zu Gute kommen.

Reduzierung der Bürokratie in Wissenschaft und Verwaltung

Im Bereich der öffentlichen Verwaltung will Kuba die Bürokratie zurückfahren, indem bestimmte Anträge zusammengefasst und vereinfacht werden. Die Entwicklung der „elektronischen Regierung“ sei ein Schritt auf dem Weg zur Informatisierung der Gesellschaft, erklärte Murillo auf der Sitzung. In den Gemeindebehörden soll in Zukunft die notwendige technische und personelle Infrastruktur hergestellt werden, um die Anzahl der Behördengänge zu reduzieren.

Der kubanische Wissenschaftssektor soll ebenfalls reformiert werden, wobei sich die Staatsunternehmen stärker an der Finanzierung der Forschungseinrichtungen beteiligen sollen. Die Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Wissenschaft soll gestärkt werden, um Forschungsergebnisse besser in neue Produkte umsetzen zu können.

Eisenbahn und Dienstleistungsexport auf der Agenda

Auch der Status der kubanischen Eisenbahn stand auf der Agenda des Ministerrats. Das Zugnetz der Insel soll künftig von einer neu zu schaffenden „Administration des Schienenverkehrs“ verwaltet werden, der die bisherige Zuggesellschaft „Unión de Ferrocarriles de Cuba“ sowie die Eisenbahnpolizei untergeordnet sind. Das Personal der Eisenbahner soll geschult werden und ein neues Lohnsystem erhalten, um die Verantwortlichkeit der einzelnen Arbeitsplätze zu stärken. Auf der Sitzung sagte Kubas Präsident Raúl Castro Ineffizienz und Disziplinlosigkeiten beim Eisenbahntransport den Kampf an.

Der Export von Dienstleistungen soll künftig besser koordiniert werden. Die über 50.000 kubanischen Ärzte, die sich derzeit im Ausland befinden, stellen die wichtigste Einnahmenquelle des Staates dar. In Zukunft soll das Angebot solcher Dienstleistungen weiter verbreitert und verbessert werden, die beteiligten kubanischen Firmen sollen sich professioneller auf die Verhandlungen vorbereiten.

Fidel Castro trifft die Cuban Five

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Fidel Castro empfing die „Cuban Five“ in seinem Haus in Havanna (Quelle: Granma)

Offizielle deutsche Übersetzung der Nachricht Fidel Castros vom 1. März 2015:

Ich empfing sie am Samstag, dem 28. Februar, 73 Tage nachdem sie kubanischen Boden betreten hatten. Drei von ihnen hatten 16 lange Jahre ihres besten Lebensalters damit aufgezehrt, die feuchte, schlecht riechende und ekelhafte Luft der Keller von Yankee-Gefängnisen zu atmen, nachdem sie von käuflichen Richtern verurteilt worden waren. Die anderen beiden, die ebenfalls versucht hatten, die kriminellen Pläne des Imperiums gegen ihr Vaterland zu vereiteln, wurden auch zu langen Jahren brutaler Haft verurteilt.

Die Untersuchungsbehörden, bar jeden elementaren Gefühls für Gerechtigkeit, waren selbst an der unmenschlichen Jagd beteiligt.

Der kubanische Geheimdienst hatte es absolut nicht nötig, die Bewegungen auch nur einer einzigen militärischen Einheit der Vereinigten Staaten zu verfolgen, denn man konnte über die Radioelektronische Forschungsbasis „Lourdes“ im Süden der Hauptstadt Kubas alles beobachten, was sich auf unserem Planeten bewegte. Dieses Zentrum war in der Lage, jedes bewegliche Objekt, auch wenn es Tausende von Meilen von unserem Land entfernt war, aufzuspüren.

Die fünf antiterroristischen Helden, die niemals den Vereinigten Staaten Schaden zugefügt haben, versuchten, terroristischen Aktionen gegen unser Volk vorzubeugen und diese zu verhindern, welche von den US-Geheimdienst-Organen arrangiert wurden, die der Weltöffentlichkeit zur Genüge bekannt sind. Keiner der fünf Helden führte seine Aufgaben aus, um Beifall, Lohn oder Ruhm zu ernten. Sie erhielten ihre ehrenvollen Titel, weil sie darauf nicht aus gewesen waren. Sie, ihre Ehefrauen, ihre Eltern, ihre Kinder, ihre Geschwister und ihre Mitbürger, wir alle haben das legitime Recht, uns stolz zu fühlen.

Im Juli 1953, als wir die Moncada Kaserne angriffen, war ich 26 Jahre alt und hatte viel weniger Erfahrung als die, die sie bewiesen haben. Wenn sie in den Vereinigten Staaten waren, geschah dies nicht, um diesem Land zu schaden oder Rache für die Verbrechen zu üben, die von dort organisiert wurden, von wo auch Sprengkörper für den Einsatz gegen unser Land geliefert wurden. Der Versuch, dies zu verhindern, war absolut legitim.

Bei ihrer Ankunft war das Wichtigste, ihre Familienangehörigen, ihre Freunde und das Volk zu begrüßen, ohne auch nur eine Minute die Gesundheit und die strengen medizinischen Untersuchungen zu vernachlässigen.

Ich war während der Stunden gestern glücklich. Ich hörte wundervolle Geschichten, die vom Heldentum der Gruppe zeugen, wobei Gerardo der Wortführer war und von allen anderen ergänzt wurde, einschließlich des Malers und Dichters, den ich kennengelernt hatte, als er eine seiner Arbeiten auf dem Flugfeld von Santiago de Cuba durchführte. Und die Ehefrauen? Die Söhne und Töchter? Die Schwestern und Mütter? Werden sie auch empfangen werden? Man muss doch die Rückkehr und die Freude mit der Familie feiern!

Gestern wollte ich mich erstmal mit den fünf Helden austauschen. Fünf Stunden lang war dies das Thema. Ich verfüge glücklicherweise seit gestern über genügend Zeit, um sie zu bitten, dass sie einen Teil ihres immensen Ansehens in etwas investieren, das höchst nützlich für unser Volk sein wird. [Hervorhebung durch Cubaheute]

 

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Fidel Castro, 1. März 2015, 22:12 Uhr.