28. November 2022

Kuba goes Crypto?

Ab sofort können Interessierte eine Lizenz bei der kubanischen Zentralbank für den Handel mit Kryptowährungen beantragen. Ende April wurde mit der „Resolución 89/2022“ ein entsprechendes Gesetz im Amtsblatt veröffentlicht, das am heutigen 16. Mai in Kraft getreten ist. Mit dem Schritt will das sozialistische Land bestehende US-Finanzsanktionen umgehen. Anwendungsgebiete sind vor allem der Außenhandel sowie Geldsendungen von Familien im Ausland (Remesas), die von Washington in den vergangenen Jahren immer weiter eingeschränkt wurden. Einige Gastronomen akzeptieren inzwischen aber auch Bitcoin statt Pesos.

„Experimenteller Schritt“

Die neuen Lizenzen für „Anbieter von Dienstleistungen für virtuelle Vermögenswerte“ werden an natürliche und juristische Personen im In- und Ausland ausgegeben. Das bedeutet, dass sowohl Einzelpersonen, als auch staatliche und private Unternehmen sowie ausländische Investoren in dem Bereich werden mitmischen können. Die Lizenzen sind aufgrund des „neuartigen und experimentellen Charakters“ der Maßnahme zunächst auf ein Jahr befristet und können danach verlängert werden. Für die Beantragung der Genehmigung müssen sieben Dokumente vorgelegt werden, die vom Geschäftsmodell über das Startkapital bis hin zu den Vorkehrungen gegen Geldwäsche reichen.

Mit der „Resolución 215“, die am vergangenen 15. September in Kraft getreten ist, hat Kubas Zentralbank letztes Jahr erstmals die Grundlagen für die Nutzung und Regulierung von Kryptowährungen gelegt. Deren Popularität hat in den vergangenen Jahren in der technikaffinen Szene auf der Insel stark zugenommen. Dazu beigetragen hat der massive Ausbau des schnellen mobilen Internets auf 4G-Basis, welches mittlerweile große Teile der Bevölkerung erreicht. Inzwischen bieten mehrere Dienste an, Handyaufladungen und Geldsendungen mittels Bitcoin und anderen Kryptowährungen abzuwickeln.

Alternative zum US-Dollar

Finanzdienste wie PayPal waren aufgrund der Wirtschaftsblockade der USA noch nie eine Option für Kubaner. Mit der Schließung sämtlicher Western Union-Filialen im Herbst 2020 in Folge neuer US-Sanktionen hat sich die Entwicklung jedoch weiter beschleunigt. „Als Western Union zumachte, gab es einen deutlichen Anstieg bei den Überweisungen in Kryptowährung“, erinnert sich Erich García, Gründer des Startups „Bitremesas.com“. Teilweise findet der Handel über Telegram-Gruppen statt: „Ich habe Verwandte in Chile. Biete Kryptowährungen im Austausch gegen Pesos an“, lesen sich dort typische Angebote. Anfangs liefen die Transaktionen in persona ab, mittlerweile bieten Dienste wie Bitremesas Überweisungen auf kubanische Konten an.

Bezahlung mit Ethereum in einem Café in Havanna (Quelle NBC)

Der Austausch über die digitale Währung ist unlängst eine Realität auf Kuba, die sich bislang allerdings in einer rechtlichen Grauzone abgespielt hat. Laut inoffiziellen Schätzungen hielten vergangenen Sommer 10.000 Personen auf Kuba Bitcoin, der damit das beliebteste Krypto-Asset auf der Insel ist. Mittlerweile werden insgesamt rund 100.000 Krypowährungsnutzer gezählt.

Auch andere Länder der Region haben in der jüngeren Vergangenheit die Nutzung von Kryptowährungen gefördert und reguliert. So führte El Salvador am 7. September 2021 den Bitcoin als offizielles Zahlungsmittel ein, mit zuletzt gemischter Bilanz. Panama verabschiedete fast zeitgleich mit Kuba ein entsprechendes Gesetz und auch Brasilien arbeitet an Regularien. Im Unterschied zu El Salvador geht es dem Gesetzgeber auf Kuba weniger darum, Kryptowerte als Alternative zur Landeswährung zu etablieren, sondern vor allem um die Abwicklung von Devisenströmen mit dem Ausland unter Vermeidung traditioneller Banken. Doch es gibt auch einige Cafés und Bars in Havanna, die bereits Bitcoin und Ethereum als Zahlungsmittel akzeptieren. Deren Nutzung für den Erwerb von Speisen und Getränken dürfte auf der Insel jedoch auf absehbare Zeit eine Nische von und für Enthusiasten bleiben.

Anders als in Venezuela, das 2018 beim Versuch der Einführung einer eigenen staatlichen Kryptowährung mit dem „Petro“ gescheitert war, werden auf Kuba etablierte Coins genutzt. Wie der ehemalige kubanische Zentralbankökonom Pavel Vidal gegenüber „Forbes“ erklärt, dürften die neuen Kryptogesetze in der Praxis vor allem dabei helfen „die Kosten für internationale Transaktionen zu senken und eine Alternative zu Dollar-Überweisungen zu schaffen, welche weniger empfindlich auf Sanktionen reagiert“.

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