Wiederaufbau nach Tornado in Kuba schreitet voran

Rund 10.000 Personen wurden in Folge des Tornados aus den betroffenen Gebieten evakuiert, die meisten von ihnen sollen bis zum Ende des Jahres in ihre Häuser zurückkehren können (Quelle: Cubadebate)

Havanna. Rund drei Wochen nach dem verheerenden Tornado, der Ende Januar mehrere Stadtteile im Süden der kubanischen Hauptstadt verwüstete und dabei sieben Todesopfer forderte, kommt der Wiederaufbau in Havanna zügig voran. Rund die Hälfte der betroffenen Familien verfügen inzwischen über Materialien zur Instandsetzung ihrer Häuser, während der Ersatz der 730 völlig zerstörten Gebäude mit staatlichen Bautrupps unter Hilfe der Nachbarprovinzen organisiert wird. „Jetzt stehen die größten Herausforderungen an“, sagte Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel.

Dieser Tage kommt Kubas Ministerrat fast täglich zusammen, um über den Fortschritt des Wiederaufbaus zu beraten. Die abendliche Fernsehsendung „Mesa Redonda“ (Runder Tisch) fand zu diesem Anlass jüngst sogar in den Räumlichkeiten des selbigen statt, wobei neben Präsident Díaz-Canel auch zahlreiche Fachminister und Vertreter der Staatsorgane anwesend waren, um über den letzten Stand der Wiederherstellungsmaßnahmen Rede und Antwort zu stehen. Nach letzten Angaben beläuft sich die Anzahl der beschädigten Gebäude auf rund 7.700, darunter 730 Totalverluste. Wie kubanische Medien berichteten, verstarb einer der noch in Behandlung befindlichen Patienten am Samstag, womit sich die Anzahl der Todesopfer auf sieben erhöhte. Die Schäden an den Gebäuden betreffen meist teilweise oder ganz zerstörte Dächer. Unter den betroffenen Gebäuden befinden sich 78 Bildungseinrichtungen, von denen bereits 49 wieder in Betrieb sind. Von den 19 beschädigten Einrichtungen des Gesundheitswesens sind inzwischen zwei Drittel wieder instandgesetzt, ähnlich verhält es sich bei den 31 betroffenen Industrieanlagen. Die größten Schäden sind im Stadtteil Diez de Octubre zu verzeichnen, wo der Sturm 4.063 Häuser beschädigte und 439 zerstörte.

Verlauf des Tornados vom 27. Januar (Quelle: INSMET)

Der Tornado der Stärke EF4 bewegte sich am Abend des 27. Januar bei Windgeschwindigkeiten von über 300 Stundenkilometern auf einer Strecke von 11,5 Kilometern über Havannas Stadtteile Cerro, Diez de Octubre, Regla, Guabanaboa sowie Habana del Este hinweg. Bereits wenige Tage nach dem Sturm konnte die Strom-, Wasser- und Gasinfrastruktur in den betroffenen Gebieten wiederhergestellt werden. Binnen dreier Tage wurde der Schulbetrieb wiederaufgenommen. Inzwischen sind mehr als 9.000 Schadensfälle bei den Behörden eingegangen, wovon inzwischen rund 60 Prozent bearbeitet, aber erst rund zehn Prozent gelöst werden konnten. Um schnellstmöglich neuen Wohnraum zu schaffen, plant die Regierung, leerstehende staatliche Einrichtungen in Wohngebäude umzuwidmen. „Wenn wir in diesem Tempo weiterarbeiten, können wir die Mehrzahl der Fälle bis zum Ende dieses Jahres lösen“, sagte Díaz-Canel.

Mit Blick auf den 500. Jahrestag Havannas, der im November dieses Jahres begangenen wird, ist es ein erklärtes Ziel der Regierung, beim Wiederaufbau der Infrastruktur signifikante Verbesserungen zu erreichen. Dies soll nicht zuletzt in den Katastrophengebieten erfolgen: neue Glasfaserleitungen, die verlegt werden, können künftig rund 4.000 zusätzliche Haushalte mit Internet versorgen. Die alte Straßenbeleuchtung wird durch energiesparende LEDs ersetzt. Díaz-Canel forderte mehrfach, beim Wiederaufbau darauf zu achten, die Dinge „besser als vorher“ zu machen.

Während vielerorts die Normalität zurückgekehrt ist, die Straßen nach dem freiwilligen Einsatz tausender Studenten wieder passierbar sind, nimmt auch die Politik wieder Kurs auf die nächsten Aufgaben. Wie Kubas Wahlkommission (CEN) jüngst bekannt gab, sind in den vom Tornado betroffenen Gebieten sowie in den Notunterkünften „alle Bedingungen zur Umsetzung des Referendums“ gegeben, das am 24. Februar stattfindet. Mehr als acht Millionen wahlberechtigte kubanische Bürger sind aufgerufen, über die neue Verfassung des Landes abzustimmen, die im letzten Herbst im Rahmen breiter Volksaussprachen diskutiert wurde. (A21)

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Kuba veröffentlicht Studie zu Geschlechterverhältnissen

Kampagne gegen häusliche Gewalt auf Kuba (Quelle: ips)

Kubas Statistikbüro veröffentlichte jüngst die Ergebnisse der neuesten Studie zur Geschlechtergleichheit auf der Insel. Die repräsentative Umfrage wurde im Auftrag des Zentrums für Frauenstudien (CEM) im Jahr 2016 durchgeführt und brachte manch überraschendes Ergebnis zu Tage. Dabei wurden mehr als 19.000 Kubanerinnen und Kubaner nach ihren Ansichten zu Themen wie Homosexualität, häusliche Gewalt und Gleichberechtigung befragt.

Die Studie zu dem Thema dürfte wohl die umfangreichste seit langem im sozialistischen Kuba sein. Umso spannender daher der detaillierte Blick auf die Ergebnisse, die ein differenziertes Bild über den Stand der Gleichberechtigung auf Kuba zeichnen. Für die Studie wurden 19.189 Kubanerinnen und Kubaner zwischen 15 und 74 Jahren in einer demographisch repräsentativen Stichprobe aus allen 168 Gemeinden des Landes interviewt. Die Befragung fand im Dezember 2016 statt. Ziel war es, die Lage der Frauen und Homosexuellen auf Kuba sowie den allgemeinen Stand der Gleichberechtigung zu ermitteln, um daraus konkrete Handlungsvorschläge für die Politik abzuleiten.

Die Studie „Encuesta Nacional sobre Igualdad de Género / ENIG-2016“ findet sich auf der Seite des nationalen Statistikbüros zum Download (PDF, ca. 70 Megabyte)

Ein zentrales Thema der Erhebung waren die Ansichten über die Stellung der Frau und das Verhältnis der Geschlechter untereinander. Demnach sind 70,6 Prozent der Frauen sowie 71,5 Prozent der Männer heute der Ansicht, dass die Rechte der Frau innerhalb der Familie auf Kuba respektiert werden. Weitere 19 Prozent der Befragten können der Aussage zumindest teilweise zustimmen. Trotz nach wie vor bestehender Probleme (welche weiter unten aufgeschlüsselt werden) sehen die meisten Kubaner die staatliche Politik zum Schutz der Frauen positiv. So stimmen laut der Studie rund 88 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass der kubanische Staat gezielte Policies implementiert hat, welche Frauen schützen. Von den Kubanerinnen stimmen dieser Aussage sogar 89 Prozent zu. 86,7 Prozent der Frauen stimmen ebenfalls der Aussage zu, dass der Staat Orte für Frauen anbietet, die Opfer von häuslicher Gewalt sind. Die Mehrzahl der Befragten sieht in den Basisorganisationen des Staates eine gute Anlaufstelle, um Hilfe und Unterstützung zu erhalten.

Homosexualität: Gleiche Rechte „ja – aber nein“

Interessant ist der historische Wandel in Bezug auf die Ansichten zur Homosexualität. Heute findet die große Mehrheit der Kubaner, dass Personen, welche ein sexuelles Verhältnis mit einer Person des eigenen Geschlechts haben, die gleichen Rechte wie alle anderen genießen sollten: Insgesamt gaben 77 Prozent an, damit einverstanden zu sein. Deutlich mehr als bei der letzten Umfrage zu dem Thema 1988-89: damals teilten lediglich 23,3 der Befragten diese Ansicht. Dabei begrüßen Frauen eher als Männer die Gleichberechtigung homosexueller Paare. Während sich 80,5 Prozent der Frauen für gleiche Rechte aussprachen, waren es unter den Männern nur 73,3 Prozent. Interessant wäre hier außerdem eine Aufschlüsselung nach Altersgruppen gewesen, welche die Studie leider nicht liefert.

Wird die Akzeptanz zu konkreten Rechten für gleichgeschlechtliche Paare abgefragt, sinkt die Zustimmung jedoch signifikant. In Bezug auf die Einführung der „Ehe für alle“ ist die kubanische Gesellschaft weiterhin gespalten: Mit 49,1 Prozent der Befragten sagen etwas weniger als die Hälfte, dass homosexuelle Paare die Möglichkeit einer Eheschließung erhalten sollten (52,7 Prozent der Frauen sowie 45,5 Prozent der Männer würden dies unterstützen). Noch geringer fällt die Zustimmung in Bezug auf die Adoption von Kindern aus: nur 31 Prozent finden, dass männliche homosexuelle Paare das Recht auf Adoption erhalten sollten. Für das Adoptionsrecht weiblicher homosexueller Paare sprachen sich mit 34,6 Prozent kaum mehr aus. Explizit „dagegen“, dass homosexuelle Paare heiraten, waren zum Zeitpunkt der Befragung 28,3 Prozent der kubanischen Frauen sowie 36,7 Prozent der Männer. Dabei konnten bei diesen Haltungen kaum Unterschiede zwischen Stadt- und Landbevölkerung festgestellt werden.

Gute Neuigkeiten gibt es beim Thema der Diskriminierung: 96 Prozent der Umfrageteilnehmer beiden Geschlechts gaben an, in den letzten fünf Jahren kein Opfer von Diskriminierung (aufgrund von Alter, Geschlecht, Hautfarbe, Beschäftigung, Geburtsort, Aussehen, sexueller Orientierung oder geschlechtlicher Identität) gewesen zu sein. Der Schutz vor all diesen Formen der Diskriminierung wurde indes auch in die neue Verfassung des Landes aufgenommen. Die Schwierigkeiten lagen demnach auf anderen Gebieten. Gefragt nach den größten Problemen der Frau im heutigen Kuba nannten 72,8 Prozent ihr geringes Einkommen, gefolgt von der Knappheit an Wohnraum (35,2 Prozent) und den Problemen beim Transportsektor (31,8 Prozent). Darüber hinaus wurden Schwierigkeiten beim Einkauf von Lebensmitteln sowie beim finden von Beschäftigung genannt. Rund ein Drittel der Frauen gaben die Mehrbelastung im Haushalt als Problem an, ansonsten fiel das Ergebnis ähnlich wie bei den Männern aus. Gut sieht es auf dem Gebiet der Gesundheitsversorgung aus, welches nur 10,6 Prozent der Frauen sowie 5,9 Prozent der Männer als Problem für sich identifizierten. Fehlende Freizeit wurde lediglich von 11,1 Prozent der Befragten angeführt. Auch der Zugang zu Fortbildungsmaßnahmen sowie die Gründung einer Familie wird von beiden Geschlechtern kaum als Problem wahrgenommen.

Regional wurde der Mangel an Wohnraum mit 39 Prozent bei den Einwohnern Havannas etwas häufiger genannt als in anderen Regionen des Landes, auch das Transportproblem scheint im Westen des Landes sowie in der Hauptstadt größer als in den zentralen und östlichen Provinzen zu sein. Dort wird hingegen das erlangen einer Arbeitsstelle mit rund 25 Prozent etwas häufiger als Problem wahrgenommen als im Westen des Landes. 16,2 Prozent der Frauen im Osten des Landes nehmen laut der Umfrage häusliche Gewalt und Misshandlung als ein Problem wahr, fast doppelt so viele wie in den anderen Teilen der Insel.

Interessant waren auch die Ergebnisse im Bereich „Genderstereotypen“:

  • 44,8 Prozent der kubanischen Männer stimmen der Aussage ganz oder teilweise zu, dass Männer den Frauen beim Treffen von Entscheidungen überlegen sind, während die Mehrzahl ihrer Geschlechtsgenossen (52,7 Prozent) sowie 62 Prozent aller Befragten dieser Aussage widersprechen.
  • 62 Prozent der Befragten finden, dass Frauen keine körperlich anstrengenden Tätigkeiten verrichten sollten. Interessanterweise waren hier kaum Unterschiede zwischen den Geschlechtern auszumachen: 60,2 Prozent der Frauen und 63,9 Prozent der Männer teilen diese Ansicht.
  • Bei der Kindererziehung waren 59,3 Prozent der Befragten der Ansicht, dass Babys vor allem die Nähe der Mutter bräuchten, während 51 Prozent der Aussage zustimmten, dass ein Mann nicht die selbe Achtsamkeit bei Kindern wie eine Frau an den Tag legen könne.
  • 62 Prozent sind der Ansicht, dass eine Frau sich auch als solche gut fühlen kann, ohne Kinder zu haben. Rund 29,7 Prozent der Frauen und 26 Prozent der Männer lehnen diese Aussage ab.

In Bezug auf unbezahlte häusliche Tätigkeiten konnte die Studie eine klare Mehrbelastung für Frauen ermitteln. Diese verbringen pro Woche durchschnittlich 35 Stunden (und damit 9,2 Stunden mehr als die Männer) mit Haushaltstätigkeiten. Vor allem kochen, waschen, putzen sowie der Betreuung der Kinder kostet Kubas Frauen signifikant mehr Zeit als die Männer. Während 89,9 Prozent der Frauen angaben, beim reinigen der Wohnung beteiligt zu sein, zählten dies nur 35 Prozent der Männer zu ihren Tätigkeiten. Ähnlich fielen die Ergebnisse beim Kochen und beim Wäschewaschen aus. Abgesehen davon scheinen die Alltagsaktivitäten der Kubaner unabhängig ihres Geschlechts jedoch nicht sonderlich verschieden zu sein: die Zeit, welche für Freunde, Mediennutzung und andere soziale Aktivitäten aufgewandt wird, unterscheidet sich nicht zwischen den Geschlechtern.

Häusliche Gewalt weiterhin verbreitet

Besorgniserregende Ergebnisse gab es in Bezug auf die häusliche Gewalt. So gaben 26,7 Prozent der Befragten Frauen an, innerhalb der letzten 12 Monate Opfer von Gewalt innerhalb ihrer Beziehung gewesen zu sein. Überdurchschnittlich häufig betraf dies Frauen mit Universitätsabschluss (29,6 Prozent) sowie Frauen die im Osten des Landes leben (30,9 Prozent vs. 21,4 Prozent in Havanna). Bei den Hautfarben gab es hingegen kaum Unterschiede. Während die meisten Formen davon psychische Gewalt (Druck, Kontrolle, etc.) waren, wurde auch physische (2,4 Prozent), sexuelle (2,2 Prozent) und ökonomische Gewalt (6,6 Prozent) genannt.

Die Reaktion war meist die Trennung / Scheidung (57,4 Prozent), das Erstatten einer Anzeige (45,3 Prozent) oder ein Anruf bei der Polizei (28,8 Prozent). Dabei wird häusliche Gewalt gegen Frauen in der kubanischen Gesellschaft von beiden Geschlechtern überwiegend abgelehnt. 78 Prozent der Männer sowie 80,8 Prozent der Frauen sehen dafür keinerlei Rechtfertigung. Andererseits stieß die Aussage: „Frauen, die Misshandlung erdulden, gefällt dieser Zustand, ansonsten hätten sie die Beziehung längst beendet“ auf die Zustimmung von 59 Prozent der Befragten. 65 Prozent gaben Alkohol als Ursache für häusliche Gewalt an. Zudem gehen 63 Prozent der Befragten davon aus, dass die meisten Frauen nach erstatten einer Anzeige in Folge häuslicher Gewalt, diese wieder zurückziehen würden.

Fazit

Die Studie, welche vom CEM zusammen mit der kubanischen Frauenförderation (FMC) und anderen Organisationen durchgeführt wurde, liefert wichtige Einblicke in den Stand der Gleichberechtigung und LGBT-Rechte auf Kuba. Während die wenigsten Kubanerinnen und Kubaner sich selbst als Opfer von Diskriminierung sehen und die staatliche Gleichstellungspolitik gegenüber Frauen positiv bewerten, gibt es noch immer große Vorbehalte in der Gesellschaft gegen die rechtliche Gleichstellung homosexueller Partnerschaften. Diese kamen auch bei den Volksaussprachen über die neue kubanische Verfassung zum Ausdruck, wo das Thema mit am kontroversesten diskutiert und mehrheitlich abgelehnt wurde. Hier gaben die Autoren der Studie dem Staat die Empfehlung mit auf den Weg, für bessere Sensibilisierung und Aufklärung zu sorgen. Dabei ist bei der grundsätzlichen Akzeptanz homosexueller Partnerschaften ein positiver Trend zu beobachten: während auf der Nachbarinsel Jamaica Hassverbrechen gegen Schwule und Lesben noch immer zum Alltag gehören, kann Kuba hier im Vergleich zu den späten 1980er Jahren einen messbaren Bewusstseinswandel (von 23,3 zu 77 Prozent Akzeptanz) vorweisen.

Als nach wie vor gravierendes Problem wurde das Thema der häuslichen Gewalt gegen Frauen identifiziert. Rund ein Viertel der Kubanerinnen gaben an, auf die eine oder andere Form von ihrem Partner misshandelt worden zu sein. Aus gutem Grund wird deshalb dem Thema, welches nicht nur auf Kuba ein Problem darstellt, seit einigen Jahren besondere Aufmerksamkeit von Seiten staatlicher Institutionen gewidmet. So beteiligt sich Kuba nicht nur an der laufenden UN-Kampagne gegen häusliche Gewalt, sondern setzt sich mit einer Strategie aus Beratungsstellen und öffentlichen Aufklärungsspots gegen sexuelle Belästigung intensiv mit dieser Form der Gewalt auseinander. Der Kampf gegen den „Machismo“ ist auf Kuba noch längst nicht abgeschlossen, doch das Thema wird heute von Politik und Wissenschaft systematisch angegangen. In rund zwei Jahren soll auf Kuba ein neues Familiengesetz verabschiedet werden, welches unter anderem die Fragen von Ehe und Partnerschaft neu regeln wird. Im Vorfeld soll das Gesetz im Rahmen einer Volksaussprache diskutiert werden – auch hierfür könnte die Studie wichtige Impulse liefern.

Havanna nach dem Tornado: Grundversorgung kehrt zurück

Auf der Sitzung des kubanischen Ministerrats vom 2. Februar wurde der Stand des Wiederaufbaus diskutiert (Quelle: Cubadebate)

Eine Woche nach dem Tornado, welcher mehrere Stadtteile im Süden und Osten der kubanischen Hauptstadt Havanna verwüstet hat, konnte in den betroffenen Gebieten die Grundversorgung weitgehend wiederhergestellt werden. Der Wiederaufbau der 2.699 beschädigten und zerstörten Gebäude wird auf Weisung von Kubas Präsidenten indes schnellstmöglich angegangen. Inzwischen wurden auch nähere Informationen über offizielle Spendenkanäle veröffentlicht.

Nach jüngsten Berichten des kubanischen Ministerrats, der in letzter Zeit unter Leitung seines Präsidenten Miguel Díaz-Canel fast täglich zusammenkommt, konnte die Stromversorgung nach den schweren Schäden des Tornados vom letzten Sonntag fast vollständig wiederhergestellt werden. Während in Diez de Octubre bereits 98 Prozent der Haushalte wieder am Stromnetz hängen, sind es in Regla und Guanabacoa jeweils 95 bzw. 99 Prozent. Um alle Schäden am Netz schnellstmöglich beseitigen zu können sind seit Sonntag mehr als 1.000 Techniker aufgeteilt in über 200 Brigaden rund um die Uhr im Einsatz, darunter zahlreiche Kräfte aus den Nachbarprovinzen.

Die Zahl der Todesopfer bleibt weiterhin bei vier, sie wurden inzwischen alle identifiziert. Noch immer werden die 195 Verletzten in diversen Krankenhäusern Havannas behandelt.Zur Stunde sind noch immer rund 4.800 Personen evakuiert. Fast alle konnten bei Freunden oder Familienmitgliedern unterkommen, lediglich 164 befinden sich in staatlichen Notunterkünften. Bei den ersten 144 Gebäuden wurde bereits mit dem Wiederaufbau begonnen. Die Zahl der beschädigten Gebäude hat sich indes von den ursprünglich geschätzten 1.238 auf 2.699 erhöht, darunter 78 Schulen und 23 Kinderkrippen. Während die meisten der betroffenen Häuser lediglich das Dach verloren wurden 342 Gebäude wurden vom Tornado quasi dem Erdboden gleichgemacht. Mehrere Architekten haben in der vergangenen Woche mit Unterstützung von Studenten der technischen Hochschule Havannas (CUJAE) an der Feststellung der genauen Schäden gearbeitet.

Havannas Studenten helfen beim Freiräumen der Straßen in den betroffenen Gebieten (Quelle: Twitter)

Auch beim Freischaufeln der Straßen und der Beseitigung von Trümmern waren zuletzt hunderte Stundeten der Hochschulen Havannas auf freiwilligen Arbeitseinsätzen im Katastrophengebiet. Inzwischen sind fast alle Straßen wieder passierbar, was die Reparatur der Infrastruktur beschleunigen dürfte. Hier gibt es auch noch einiges zu tun. Noch immer sind tausende Bewohner ohne Wasser und müssen per Tankwagen versorgt werden. Festnetz und Telekommunikation sind erst zur Hälfte wiederhergestellt.

Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel lobte indes die „arbeitsame Atmosphäre“ in den betroffenen Wohnvierteln. Er hielt seine Kader an, regelmäßig vor Ort vorbeizuschauen und mit „größtmöglicher Sensibilität“ zu agieren. Hierzu wurden auch Ärzte- und Psychologenteams entsandt, während der Verkauf von Baumaterialien bereits begonnen hat. Ziel sei es, alle Schäden zu beseitigen, damit die verwüsteten Gebiete „besser als vorher“ aussähen. Zu den bereits umgesetzten Sofortmaßnahme zählt neben der Abgabe subventionierter Lebensmittel auch eine 50-prozentige Reduktion des Kaufpreises für Baumaterialien. In besonders schwerwiegenden Fällen übernimmt der Staat die komplette Finanzierung. Betroffene können ihre Anträge in mehreren Büros direkt vor Ort stellen.

Auch internationale Hilfe kam inzwischen an. Venezuela lieferte mehr als 100 Tonnen Baumaterialien sowie chinesische Baustellenfahrzeuge nach Kuba. Bolivien hat ebenfalls seine Bereitschaft zu helfen bekräftigt. Darüber hinaus wurden inzwischen offizielle Spendenkanäle geschaltet: „Für materielle Spenden aus dem Ausland, sei es von Regierungen, Unternehmen, Nicht-Regierungsorganisationen oder natürlichen Personen kann man sich mit den Botschaften Kubas in dem Land in Verbindung setzen, in dem sich der Spender befindet“, berichtet die Tageszeitung „Granma„. Und weiter: „Die kubanische Regierung übernimmt die Ankunft, die zollfreie Einfuhr und die Verteilung. Im Fall der Spenden von finanziellen Ressourcen in Devisen hat die Banco Financiero Internacional ein Konto mit der Nummer 0300000005093523 eingerichtet.“

UPDATE (12h Ortszeit):

  • Wie das Nachrichtenportal „Cubadebate“ meldete, sind zwei der Verletzten am Samstag ihren Verletzungen erlegen, die Zahl der Todesopfer stieg damit auf 6.
  • Nach letzten Angaben sind 3.513 Gebäude betroffen.
  • Die Wiederherstellung der Telekommunikationsinfrastruktur liegt bei 65 Prozent, die Arbeiten am Stromnetz sollen diesen Sonntag abgeschlossen werden.

Meteorit explodiert über Viñales

Fragmente des Meteoriten, welche gestern über Viñales niedergegangen waren (Quelle: Cubadebate)

Es ist noch nicht einmal eine Woche her, als ein Tornado durch Havanna zog – schon wird Kuba vom nächsten Naturereignis überrascht: am Freitag Mittag explodierte ein Meteorit über dem Örtchen Viñales in Westkuba. Was für viele Bewohner zunächst nach einem Flugzeugabstuz klang, entpuppte sich glücklicherweise als ein Naturphänomen, bei dem nach letzten Berichten weder Schäden noch Verletzte zu beklagen sind.

„Wie ein Feuerball“ beschreiben Anwohner in Viñales den Niedergang des unbekannten Meteoriten über der Tabaklandschaft, welche ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen auf der Insel ist. Eine Dumpfe Explosion ging damit einher. Was zunächst nach einem Flugzeugabsturz klang, entpuppte sich glücklicherweise schon bald als Naturphänomen ohne zerstörerische Wirkung: die größten gefundenen Trümmerteile waren 11 Zentimeter groß, wie es in einer offiziellen Pressemitteilung über das Ereignis heißt.

Die meisten Trümmerteile wurden in den Gebieten Los Jazmines, Dos Hermanas, Palmarito und El Cuajaní gefunden, alle in der Nähe des Dorfes Viñales. Auch beim „Mural de la Prehistoria“ einem beliebten Touristen-Hotspot, konnten Meteoritentrümmer entdeckt werden. Bereits wenige Stunden nach den Berichten reisten Meteorologen, Geologen und Geophysiker an, um das Ereignis zu untersuchen. Laut ersten Ergebnissen enthält das Gestein des Meteoriten vor allem Eisen, Nickel und Magnesiumsilikate und zerbrach nach dem Eintritt in die Atmosphäre in tausende Fragmente verschiedener Größen.

Etwa zur selben Zeit berichteten Bewohner der Küstenstadt Matanzas von der Sichtung eines Objekts von etwa einem Meter Durchmesser, welches unweit des Ufers ins Meer stürzte. Weitere Untersuchungen zu dem Ereignis stehen noch aus.

Video von Anwohnern in Viñales, welches die Rauchschwaden des Meteoriten zeigt:

Tornado über Havanna

Aufnahme des Tornados, welcher am Sonntagabend über Havanna hinwegzog (Quelle: Canal Habana)

Ein Tornado hat am frühen Sonntagabend eine Schneise der Verwüstung in der kubanischen Hauptstadt Havanna hinterlassen. Nach letzten Angaben vom Montagnachmittag (Ortszeit) sind drei Tote und 172 Verletzte zu beklagen, wie kubanische Medien berichten. Technikerbrigaden aus den Nachbarprovinzen wurden zur Verstärkung nach Havanna entsandt, um bei der Wiederherstellung der Strom- und Wasserversorgung der betroffenen Gebiete zu helfen.

Bereits wenige Stunden nach der Katastrophe war Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel vor Ort, um sich ein Bild von den Schäden zu machen. Zu den hauptsächlich betroffenen Gemeinden zählen die Municipios Cerro, Diez de Octubre, Regla und Guanabacoa, wo der Sturm mit Windgeschwindigkeiten von über 250 Stundenkilometer wütete. Zur Stunde liegen noch keine genauen Berichte über die Anzahl der beschädigten Gebäude vor. Nach Angaben des Tourismusministers Manuel Morreno Cruz wurden jedoch keine touristischen Einrichtungen von der Windhose getroffen.

Wie die Tageszeitung „Granma“ berichtete, war der jüngste Tornado ein „Ereignis ohne vergleichbare Vorgänger“ in der kubanischen Hauptstadt. Zuletzt wurden in den 1920er Jahren sowie 1961 einzelne Tornados nahe Havanna registriert, jedoch ohne vergleichbare Zerstörungskraft. Derzeit evaluiert Kubas Ministerrat das Ausmaß der Schäden. Boliviens Präsident Evo Morales sicherte Kuba indes bereits sofortige Unterstützung zu, ebenso äußerte sich Venezuelas Staatsoberhaupt Nicolás Maduro.

UPDATE (29.01):

Karte der betroffenen Gebiete (Quelle: Cubadebate)

  • Nach letzten Angaben vom Dienstag stieg die Zahl der Todesopfer auf vier, die der Verletzten auf 195.
  • Der Tornado bildete sich am Sonntag um 20:26 Uhr (Ortszeit) und legte innerhalb von 16 Minuten einen Weg von 11,5 Kilometer zurück. Die Windhose hatte dabei eine Breite von über 500 Metern. Das Wetterphänomen nahm seinen Ursprung in der Gemeinde Cerro und bewegte sich dann über Regla und Guanabacoa hinweg mit Geschwindigkeiten von bis zu 322 Stundenkilometern (Kategorie: EF4), bevor es sich gegen 20:42 Uhr über dem Meer auflöste. 
  • Insgesamt sind 1238 Gebäude betroffen [inzwischen über 7.700], davon wurden 123 total zerstört. Besonders schwerwiegend: Ein Krankenhaus mit 196 Patienten musste in Folge der Zerstörungen evakuiert werden. Laut Berichten über die Krisensitzung des kubanischen Ministerrats sollen schnellstmöglich Baumaterialien (insbesondere Dachelemente) für die betroffenen Bewohner bereitgestellt werden.
  • Noch am Montag Mittag waren eine halbe Million Haushalte in Havanna ohne Strom, am Dienstag waren es noch 220.000. Bis Donnerstag soll der Strom in allen betroffenen Gebieten wiederhergestellt sein. Derzeit werden Wasser und Lebensmittel an die Bevölkerung ausgegeben. Brigaden aus den Nachbarprovinzen arbeiten zur Stunde mit Hochdruck an der Beseitigung der Schäden an der Strom-, Wasser- und Telekommunikationsinfrastruktur (betroffen sind rund 8.000 Festnetzanschlüsse sowie WiFi-Hotspots und Sendemasten für das Mobilnetz). 

Fotos: Schäden und Wiederaufbau in Regla und anderen Municipios (Quelle: M&W und Cubadebate)

 

Feier zum 60. Jahrestag der Revolution findet am Grab Fidel Castros statt

Getreu des Ausspruchs Martís, wonach „aller Ruhm der Welt in ein einziges Maiskorn“ passe, wurde Fidel Castros Grab bewusst schlicht gehalten. Links im Hintergrund: das Mausoleum des Nationalhelden José Martí (1853 – 1895) (Quelle: Trabajadores)

Der kommende 60. Jahrestag der kubanischen Revolution soll dieses Jahr am Grab des 2016 verstorbenen Revolutionsführers Fidel Castro in Santiago de Cuba begangen werden. Mehr als 1.000 Menschen werden an dem Ereignis teilnehmen, das auf dem Friedhof „Santa Ifigenia“ im Nordwesten der Stadt stattfindet. Auf Kuba wird traditionell in der Silvesternacht neben dem neuen Jahr zugleich auch der Einzug der Rebellenarmee nach Santiago gefeiert, wo Fidel Castro am 1. Januar 1959 den Sieg der Revolution verkündete.

Kubas östliche Metropole Santiago de Cuba ist bekannt für ihre revolutionäre Gesinnung. Hier startete Fidel Castro zusammen mit einigen Dutzend Mitstreitern am 26. Juli 1953 das erste bewaffnete Manöver der Revolution, den gescheiterten Angriff auf die „Moncada“-Kaserne. Nur durch die Unterstützung der lokalen Bevölkerung konnten sich die verbliebenen Rebellen in der Folge neu gruppieren, Fidel Castro im Exil eine neue Truppe zusammenstellen. Es war deshalb auch kein Zufall dass die Motoryacht „Granma“ 1956 im Osten der Insel landete, um den dreijährigen Revolutionskrieg zu starten, dessen Sieg am 1. Januar 1959 auf dem Balkon des Rathauses von Santiago de Cuba verkündet wurde.

Nach seinem Tod am 25. November 2016 wurde Fidel Castros Leichnahm in einer eindrücklichen Zeremonie von Havanna nach Santiago de  Cuba, in den Osten des Landes zurückgebracht. Rund 100 Kilometer von der östlichen Metropole entfernt liegt auch der Geburtsort der Castro-Brüder, im beschaulichen Dörfchen Birán in der Provinz Holguín. Doch in der 600.000-Einwohner-Stadt Santiago liegt der Herz der Revolution. Hier wurden schon die wichtigsten Schlachten der Unabhängigkeitskriege ausgetragen, hier ruht der Nationalheld José Martí, dessen Mausoleum in Sichtweite des Granitfelsen liegt, der heute als Grabstein Fidel Castros dient. In Anlehnung an Martís Spruch, dass „aller Ruhm der Welt in ein Maiskorn passt“, wurde der Naturfelsen aus der Sierra Maestra nach dieser Form bearbeitet.

Insofern nimmt es nicht wunder, dass gerade der Heldenfriedhof in Santa Ifigenia zu diesem besonderen Revolutionsjubiläum für die zentralen Feierlichkeiten ausgewählt wurde. Auch wenn auf der Anlage nur Platz für 1.000 geladene Gäste sein wird, sollen immerhin weitere 2.000 Santiagueros über eine Videoleinwand im Theater „Heredia“ die Veranstaltung verfolgen können. In Havanna wird das Jahr 2018 indes mit den traditionellen Kanonen auf der Hafenfestung „Morro“ verabschiedet, welche zum Jahreswechsel genau um Mitternacht „21 Artelleriesalven anlässlich des 60. Jahrestags der Revolution“ abfeuern werden.

Kuba startete neue Kampagne gegen Belästigung und Gewalt gegen Frauen

Motto der neuen Kampagne gegen Gewalt gegen Frauen in Kuba: „Entwickle dich weiter ‒ Belästigung wirft dich zurück“ (Quelle: Cubadebate)

Havanna. Die Regierung in Kuba hat unlängst eine neue Kampagne gegen sexuelle Belästigung und Gewalt gegen Frauen gestartet. Unter dem Motto „Entwickle dich weiter ‒ Belästigung wirft dich zurück“ finden Veranstaltungen und Konzerte meist junger Künstler statt. Mit Videospots in den sozialen Netzwerken und im Fernsehen soll Männern unter anderem deutlich gemacht werden, dass die Belästigung von Mädchen und Frauen auf der Straße eine Form der Gewalt ist. „Ausgehend von einem humorvollen und kontextuellen Konzept wollen wir zum Nachdenken und zur Diskussion anregen“, heißt es dazu seitens der Produzenten.

Neben Gruppen wie Toques del Rio und Frasis nehmen zahlreiche weitere kubanische Musiker an der Kampagne teil, die über die Folgen sexueller Belästigung aufklären und Männer zur Änderung ihres Verhaltens bewegen soll. Die Initiative sei auch „ein Aufruf, die eigene Denkweise gemäß den Inhalten des aktuellen Verfassungsentwurfs zu verändern, der unter anderem die gleichgeschlechtliche Ehe beinhaltet“. Dieses Thema betone den humanistischen Charakter und die Entwicklungsidee der Kubanischen Revolution, heißt es in einer Meldung des Nachrichtenportals Cubadebate.

Vor allem die Jugend soll angesprochen werden, was sich nicht zuletzt an der Auswahl der meist jungen Künstler zeigt. Ziel sei es, in Anknüpfung an die Vorgängerkampagne „Du bist mehr“ (Eres más) in den Jahren 2016 und 2017, Orte der Fortbildung und Sensibilisierung zu schaffen. Die Initiative wird vom kubanischen Oscar-Arnulfo-Romero-Zentrum, der Föderation Kubanischer Frauen, dem Zentrum für Sexualaufklärung und dem staatlichen Zentrum für Jugendstudien getragen und soll bis zum Jahr 2022 andauern.

Kuba zählt laut den Vereinten Nationen zu den Ländern mit der größten weiblichen Repräsentanz in wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Institutionen. Mit einem Frauenanteil von 53,2 Prozent zählt das kubanische Parlament in dieser Hinsicht zu den weltweiten Vorreitern. Auch im Ministerrat sowie im Politbüro und Zentralkomitee der Kommunistischen Partei hat der Frauenanteil in jüngster Zeit weiter zugenommen. Gewalt gegen Frauen und Homophobie sind dennoch weiterhin gesellschaftliche Probleme auf der Insel. (A21)