Vier Monate nach dem Tornado in Havanna: die meisten Schäden sind beseitigt

Bis September soll der Wiederaufbau nach dem Tornado abgeschlossen sein, welcher Ende Januar über 8.000 Gebäude in Havanna beschädigte oder zerstörte (Quelle: Prensa Latina)

Gut vier Monate nachdem ein verheerender Tornado in der kubanischen Hauptstadt Havanna wütete, sind heute rund 80 Prozent der beschädigten Gebäude wieder instandgesetzt worden, wie die Nachrichtenagentur „Prensa Latina“ meldet. Die Windhose verwüstete in der Nacht auf den 28. Januar mehr als 1.000 Gebäude im Süden und Osten Havannas. Drei Menschen starben, während 172 Personen verletzt wurden.

Wie Havannas erster Parteisekretär, Luis Antonio Torres Iríbar, erklärte, konnten inzwischen 7.630 der 8.310 beschädigten Objekte, die allermeisten davon Wohnhäuser, repariert werden. Immer mit der Zielvorgabe die Dinge „besser als vorher“ zu hinterlassen, so Iríbar. Von den 1.068 Totalverlusten sind inzwischen 531 wieder aufgebaut worden. Die allermeisten der noch offenen Fälle (497) befinden sich im Stadtteil 10 de Octubre, 112 in der Gemeinde Guanabacoa, 63 in Regla, fünf in Cerro und zwei Gebäude müssen noch in Habana del Este wieder aufgebaut werden.

Trotz der wirtschaftlich schwierigen Situation in der sich das Land befinde, komme der Wiederaufbau gut voran und könne so planmäßig bis September abgeschlossen werden. Neben staatlichen Bauunternehmen sind auch private Bauarbeiter sowie Kooperativen an den Arbeiten zum Wiederaufbau beteiligt. Unterstützung erhält Havanna dabei aus fünf anderen Provinzen.

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Kontroverse um LGBT-Demonstration in Kuba

Vom Parque Central zog die erste LGBT-Demonstration am Samstag unter Beisein zahlreicher internationaler Medienvertreter bis zum Malecón (Quelle: Cubanet/Twitter)

Havanna. Trotz vorheriger Absage durch die Veranstalter hat am Samstag in der kubanischen Hauptstadt Havanna die diesjährige Parade der LGBT-Bewegung stattgefunden. Rund 200 Aktivisten marschierten vom Parque Central der Altstadt bis zur Uferpromenade Malecón. Die Polizei reagierte zurückhaltend auf die nicht genehmigte Demonstration. Dennoch kam es gegen Ende zu Provokationen einiger Teilnehmenden in deren Folge drei Personen festgenommen wurden. Anders als in deutschsprachigen Medien berichtet, wurde der Zug jedoch nicht bereits nach 400 Metern gestoppt.

Am vergangenen Dienstag hat in Kuba die 12. Ausgabe der „Tage gegen Homo- und Transphobie“ unter dem Motto „Alle Rechte für alle Personen“ begonnen, die bis zum 18. Mai andauern. Zu den Zielen gehört nach Angaben der Veranstalter, alle Formen von Diskriminierung und Gewalt aufgrund des Geschlechts sichtbar zu machen, zu bekämpfen und zu überwinden, insbesondere solche, die mit der sexuellen Orientierung oder der Geschlechtsidentität zusammenhängen. Mit Filmen, Diskussionsveranstaltungen und Workshops soll Aufklärung gegen homophobe Ressentiments betrieben werden.

Die traditionelle Parade wurde dieses Jahr jedoch aufgrund „internationaler und regionaler Spannungen“ vom Gesundheitsministerium abgesagt, wie das Nationale Zentrum für Sexualerziehung (Centro Nacional de Educación Sexual, Cenesex) als Veranstalter im Vorfeld bekannt gab. Die Leiterin des Instituts, Mariela Castro, warnte bereits im Vorfeld vor ausländischer Einflussnahme auf die Demonstration.

Dennoch versammelten sich am Samstag mehrere hundert Aktivisten im Parque Central der Altstadt, um von dort aus die Demonstration zu beginnen. Anders als in deutschsprachigen Medien berichtet, wurde der Zug nicht bereits nach 400 Metern gestoppt, sondern konnte die fast einen Kilometer lange Strecke bis zur Uferpromenade Malecón unter Duldung der Behörden zurücklegen. Wie Zeugen vor Ort berichten, begann sich die Demonstration an dieser Stelle langsam aufzulösen, Gruppenbilder wurden gemacht.

Einige Teilnehmer zogen anschließend jedoch weiter in Richtung Malecón. Die Polizei untersagte dies aus Gründen der Verkehrssicherheit und sprach eine Verwarnung aus. Die vierspurige Uferstraße wird normalerweise bei Demonstrationen weiträumig für den Verkehr gesperrt, was aufgrund der fehlenden Genehmigung am Samstag nicht der Fall war. In der Folge kam es zu Handgemengen, die in drei Festnahmen mündeten. Wie das oppositionelle Medium „14ymedio“ berichtet, waren alle Festgenommenen, unter denen sich auch die bekannte Dissidentin Iliana Hernández befand, noch am selben Tag wieder auf freiem Fuß.

Einige der Aktivisten kritisierten das Vorgehen der Polizei anschließend scharf. Auch der Liedermacher Silvio Rodríguez und der Parlamentsabgeordnete Luis Ángel Adán Roble schlossen sich der Kritik an. Adán Roble, der selbst LGBT-Aktivist ist, bezeichnete die Absage der offiziellen Demonstration als „Fehler“ und widersprach der Aussage, diese sei von außen instrumentalisiert worden. Andere hingegen verurteilten die Provokation durch Teile der Demonstrierenden.

Mariela Castro bezeichnete die Eskalation am Ende der Demonstration als „von Miami orchestrierte Show“. In einem Facebook-Post vom Sonntag kritisierte sie die Instrumentalisierung der Demonstration durch Funktionäre der US-Botschaft sowie ausländischer Medien, welche die LGBT-Bewegung gegen die Revolution in Stellung bringen wollten. „Unseren Regenbogen malen wir stolz in den Farben des Antiimperialismus“, so Castro.

Der chilenische LGBT-Aktivist Víctor Hugo Robles warnte in einem Artikel vor der Instrumentalisierung der Schwulen- und Transsexuellenbewegung auf Kuba durch die USA. Anders als in den letzten Jahren befanden sich am Samstag auch einige bekannte Dissidenten unter den Demonstrierenden, darunter die in den USA lebende Tania Bruguera, die offensichtlich extra angereist war. Laut Gerüchten vor Ort unterstützten auch ausländische Botschaften die Kundgebung.

Cenesex fördert bereits seit Jahren den Kampf gegen Homo- und Transphobie auf Kuba. Obwohl die Einführung der „Ehe für alle“ im Zuge der Volksaussprache im Vorfeld zu Kubas neuer Verfassung mehrheitlich abgelehnt wurde, hat sich die Stimmung in den letzten Jahren zugunsten der LGBT-Community gewandelt. Laut einer 2016 veröffentlichten Studie sind 77 Prozent der Kubaner der Ansicht, dass Schwule und Lesben die gleichen Rechte wie alle anderen genießen sollten. In der selben Umfrage im Jahr 1989 teilten lediglich 23,3 Prozent der Befragten diese Haltung. Zu den schärfsten Kritikern der Gleichstellung zählen in jüngster Zeit auf Kuba vor allem evangelikale Gruppen und andere christliche Fundamentalisten. (Amerika21)

Kehrt Kuba zurück in die Sonderperiode? (Analyse)

Die Sonderperiode der 1990er Jahre mit ihren Einschränkungen und Improvisationen ist vielen Kubanern noch in lebendiger Erinnerung (Quelle: Commons)

Angefangen hat es mit der Verknappung von Mehl und Speiseöl. Inzwischen bekommt Kuba auch in anderen Bereichen die Folgen der Krise in Venezuela sowie die jüngste Verschärfung der US-Blockade zu spüren. Während die Zeitungen ihren Umfang reduzieren mussten, haben viele Provinzen bereits mit Einschränkungen beim Transport und im Stromverbrauch zu kämpfen. Raúl Castro warnte Mitte April, dass sich die Lage „in den kommenden Monaten“ weiter verschlechtern könne. Droht Kuba die Rückkehr in die Sonderperiode der 1990er Jahre?

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Keine Parade dieses Jahr bei den kubanischen „Tagen gegen Homophobie“

Die traditionelle „Conga“ gegen Homo- und Transphobie auf Kuba wurde dieses Jahr vom Gesundheitsministerium abgesagt (Quelle: Facebook)

Am Dienstag hat in Kubas Hauptstadt Havanna die 12. Ausgabe der „Tage gegen Homo- und Transphobie“ begonnen. Noch bis zum 17. Mai wird im Rahmen von Filmen, Diskussionsveranstaltungen und anderen Events über die Rolle der LGBT-Bewegung auf Kuba diskutiert und Aufklärung gegen homophobe Ressentiments betrieben. Die traditionelle Parade jedoch wurde dieses Jahr aufgrund „internationaler und regionaler Spannungen“ vom Gesundheitsministerium abgesagt.

Den Ausfall der Parade gab das nationale Sexualaufklärungszentrum CENESEX, der als Veranstaltung der Tage gegen Homophobie fungiert, am Montag in einem Facebook-Posting bekannt. Die diesjährige „Conga“, wie der bunte Marsch genannt wird der zeitgleich in Havanna und Camagüey stattfindet, müsse aufgrund „verschiedener Gründe, die nicht zu seinem erfolgreichen Verlauf beitragen würden“ abgesagt werden.

„Las nuevas tensiones en el contexto internacional y regional afectan de manera directa e indirecta a nuestro país y tiene impactos tangibles e intangibles en el normal desenvolvimiento de nuestra vida cotidiana y en la implementación de las políticas del Estado cubano.“
(Aus der Stellungnahme von CENESEX)

 

Als Gründe wurden „neue internationale und regionale Spannungen“ genannt, welche „auf direkte und indirekte Weise das Land […], das ruhige zusammenleben und die Implementierung der staatlichen Gesetze“ beeinträchtigten. Welches Phänomen genau damit gemeint ist, geht aus der Stellungnahme nicht hervor. Neben der jüngsten Verschärfung der US-Blockade könnte jedoch auch die anhaltende Krise im befreundeten Venezuela gemeint sein. Beide Ereignisse haben in den letzten Wochen zu stärker werdenden Versorgungsengpässen auf Kuba geführt. Einige LGBT-Aktivisten vermuten, dass auch der Widerstand von evangelikalen Gruppen bei der Entscheidung zur Absage eine Rolle gespielt haben könnte. Diese drohten in den vergangenen Wochen offenbar mit einer Gegendemonstration.

Ungeachtet dieser Umstände finden alle übrigen Veranstaltungen der „Tage gegen Homo- und Transphobie“ wie geplant statt. Hierzu gehören neben mehreren Diskussionsrunden und Filmvorführungen auch Workshops, die in Havanna und der zentralkubanischen Stadt Camagüey veranstaltet werden.

Der Kampf gegen Homophobie wird auf Kuba von der staatlichen Sexualaufklärungsinstitution CENESEX maßgeblich unterstützt. An deren Spitze steht seit dem Jahr 2000 die Tochter des Expräsidenten des sozialistischen Landes, Mariela Castro. Während die Einführung der „Ehe für alle“ im Zuge der Volksaussprache im Vorfeld zu Kubas neuer Verfassung mehrheitlich abgelehnt wurde, hat sich die Stimmungen in den letzten Jahren dennoch zugunsten der LGBT-Community gewandelt. Laut einer 2016 veröffentlichten Studie sind 77 Prozent der Kubaner der Ansicht, dass Schwule und Lesben die selben Rechte wie alle anderen genießen sollten – zum Vergleich: bei der selben Umfrage im Jahr 1989 teilten lediglich 23,3 Prozent der Befragten diese Haltung. Dennoch gibt es noch immer Teile der kubanischen Gesellschaft, welche nicht bereit sind, Homo- und Transsexuelle zu akzeptieren. Neben „klassischen“ Vorurteilen des Machismo zählen hierzu auch in jüngster Zeit entstandene evangelikale Gruppen und andere christliche Fundamentalisten.

In den kommenden zwei Jahren soll auf Kuba ein neues Familiengesetz beschlossen werden, in dessen Vorfeld ebenfalls öffentliche Aussprachen stattfinden werden. In diesem Rahmen soll dann auch die Frage nach der Einführung der „Ehe für alle“ nochmals diskutiert werden.

Warum gibt es die „Granma“ auf deutsch?

Editorial der deutschen Erstausgabe der „Granma“ vom Mai 1994 (Quelle: Granma-Archiv)

Vor einem Vierteljahrhundert lief die Deutschland-Ausgabe der „Granma Internacional“ in Havanna erstmals durch die Druckerpresse: im Mai 1994 erschien die Nullnummer des kubanischen Parteiorgans in deutscher Sprache. Seitdem durchlief das Blatt eine wechselvolle Geschichte. Doch wie kommt es eigentlich, dass eine karibische Inselzeitung bei uns gelesen werden kann?

Sendungsbewusstsein über das eigene Ufer hinaus

Beilage vom Dezember 1995 (Quelle: Granma-Archiv)

Alles begann am 20. Februar 1966. Anlässlich der ersten Konferenz der Solidarität der Völker Asiens, Afrikas und Lateinamerikas („Tricontinental“), bei dem sich auch namhafte politische Führer wie der spätere chilenische Präsident Salvador Allende in Havanna versammelten, erschien die erste Ausgabe der „Resumen Semanal de Granma“, der „wöchentlichen Zusammenfassung der Granma“. Angesichts der hohen internationalen Wirkmächtigkeit, hatten Kubas Kommunisten beschlossen, eine eigene Ausgabe ihres Parteiorgans auf Englisch, Französisch und Spanisch für den internationalen Vertrieb zu entwickeln. Später kam noch eine portugiesische Variante hinzu. Ab 1990 nannte sich das Blatt dann offiziell „Granma Internacional“ und erschien monatlich im 16-Seitigen Format.

Nun ist das große internationalistische Sendungsbewusstsein der Insel kein Geheimnis. Nicht nur bei den militärischen Missionen in Angola und anderen afrikanischen Ländern im Kampf gegen das Apartheitsregime, auch bei den heutigen Ärzteeinsätzen in Krisengebieten zeigt sich, dass die Kubaner ihre Revolution immer auch in globalen Maßstäben und weit über das eigene Ufer hinaus denken. Doch eine „internationalistische Zeitung“ herauszugeben, die mit einer Auflage von über 100.000 Exemplaren in über 120 Ländern bereitgestellt wird, stellte die Insel immer wieder vor große logistische wie personelle Herausforderungen.

Mit Robotron-Schreibmaschinen und klapprigem Dienstwagen

In Deutschland begann die Geschichte der „Granma“ im Mai 1994, inmitten der schweren Wirtschaftskrise der „Periódo Especial“, welche die Insel in Folge des Wegfalls des sozialistischen Lagers heimsuchte. Eine Gruppe von sechs Enthusiasten, darunter eine diplomierte Dolmetscherin, begann inmitten der schwierigen Situation das Projekt, um „Interessierten im deutschsprachigen Raum endlich Originalinformationen aus Kuba zukommen zu lassen“, wie es in einem Artikel heißt, der anlässlich des fünften Erscheinungsjubiläums veröffentlicht wurde. Die Gruppe in Havanna, bestehend aus nicht wenigen deutschen Muttersprachlern aus der Solidaritätsbewegung, hatte damals inmitten der Krise mit allerlei Widrigkeiten zu kämpfen: alte Technik und ein klappriger Dienstwagen erschwerte das Erscheinen der Zeitung über viele Jahre hinweg. „Sechs Schreibmaschinen vom Typ Robotron und sieben Wörterbücher“, zählten damals zum Inventar der Redaktion, die nur dank jeder Menge Enthusiasmus ihre Arbeit verrichten konnte.

Dennoch gelang es, die deutsche Ausgabe der „Granma“ bis zu ihrem 25. Jubiläum zu erhalten und weiter auszubauen. Inzwischen wurde auch das komplette Archiv der Zeitung digitalisiert und ist kostenlos im Netz abrufbar. Bei der Lektüre fällt auf, dass manchmal die größte Veränderung der Geschichte in ihrer Kontinuität liegt: „USA verschärfen Blockade mit Helms-Burton“, hieß es vor 23 Jahren. Heute könnte man mit der selben Schlagzeile titeln. Und auch manchen Artikeln über die Probleme mit der Korruption, neue Ideen zur Belebung der Landwirtschaft oder Energieeinsparungen aufgrund der schwierigen Wirtschaftssituation merkt man ihr Alter nicht an.

Heute verfügt die Zeitung neben einer runderneuerten Homepage dank der Kooperation mit dem Verlag 8. Mai auch über einen eigenen Druckstandort in Deutschland, was den aufwändigen Versand der Monatszeitung über den Atlantik erspart. Noch immer liefert sie zuverlässig die schnellste Übersetzung offizieller Reden kubanischer Politiker, was gerade für die wissenschaftliche und journalistische Arbeit zu Kuba eine wichtige Primärquelle darstellt. Und auch der verklausulierte Satzbau und die sehr wortwörtlichen Übersetzungen, welche so manches Stirnrunzeln beim geneigten Leser erzeugen, gehört noch immer zum eigenen Charme der „Granma Internacional“, die wohl noch viele weitere Jahre Kubas wichtigste Stimme im Ausland sein dürfte.

Tierschützer veranstalten Demo in Havanna

Am Sonntag fand auf Kuba die erste Demonstration für mehr Tierschutz statt (Quelle: Cubadebate)

Am Sonntag fand in Havanna eine Demonstration für die Stärkung des Tierschutzes im sozialistischen Kuba statt. Mehrere Dutzend Aktivisten zogen teilweise in Begleitung ihrer Haustiere durch die Straßen und forderten Verbesserungen bei der Gesetzgebung. Die Demo war die erste ihrer Art in Kuba.

Mit Schildern wie „Kuba gegen die Misshandlung von Tieren“ und „Tierschutzgesetz jetzt!“ demonstrierten die Tierschützer am Sonntag in der kubanische Hauptstadt. „Für diejenigen zu sprechen, die nicht sprechen können“ um auf den Tierschutz aufmerksam zu machen, nannten die Organisatoren als Ziel der Veranstaltung. Kubas Medien berichteten über die Demonstration.

Was auf den ersten Blick nach einer gewöhnlichen Sonntag-Nachmittag-Kundgebung aussieht, ist auf der Insel bisher noch Neuland. Getreu der Aussage Raúl Castros „Die Straße gehört den Revolutionären“ waren Demonstrationen auf Kuba bisher in Form von organisierten Kundgebungen durch die etablierten Massenorganisationen bekannt. Neben ungezählten Mobilisierungen gegen die US-Blockade findet in diesem Kontext auch die alljährliche Kundgebung anlässlich des Tags der Arbeit am ersten Mai statt.

Seit einigen Jahren gibt es unter Schirmherrschaft von Mariela Castro, der Vorsitzenden des Sexualaufträrungsinstituts CENESEX und Tochter Raúl Castros, auch jedes Jahr eine Kundgebung für die Rechte von Schwulen, Lesben und Transgender auf Kuba. Die jüngste Tierrechts-Demonstration, welche offenbar von einer lokalen Initiative abseits der staatlichen Strukturen initiiert wurde, stellt insofern ein Novum dar. Ob die genehmigte Demonstration dabei auch im Kontext der neuen Verfassung interpretiert werden kann, welche am 10. April in Kraft tritt und mit der die Bürgerrechte insgesamt gestärkt werden sollen, bleibt abzuwarten.

Neue Apps erleichtern den Transport auf Kuba

Mit modernen Apps soll Kubas Transportsektor transparenter werden (Quelle: Habana Trans)

Wenige Monate erst sind seit dem Start des mobilen Internets im sozialistischen Kuba vergangen, und auf der Insel blüht bereits die App-Entwicklung. Vor allem das leidige Thema Transport hat in jüngster Zeit die Aufmerksamkeit der kubanischen Programmierer gewinnen können. „Cuba heute“ stellt vier Smartphone-Apps vor, welche die Beförderung im Land deutlich vereinfachen.

Habana Trans

Busfahren kann in Kubas Hauptstadt Havanna ganz schön kompliziert sein. Den Netzplan sollte man sich als Tourist vorher im Internet ausdrucken. Vor Ort hilft sonst nämlich oft nur fragen und probieren, wenn man eine Busverbindung sucht. Dabei hat Kuba in den vergangenen Jahren kräftig in das Busnetz der Hauptstadt investiert. Noch nutzen nur wenige Besucher den extrem günstigen ÖPNV (eine Fahrt kostet umgerechnet rund 10 Cent). Doch auch die Habaneros selbst sind angesichts der jüngsten Änderungen am Linienplan sowie den neuen Angeboten aus dem Kooperativen Sektor manchmal überfragt, welcher Bus oder welches Sammeltaxi gerade das richtige ist. Abhilfe schafft hier die App Habana Trans. Ob mit dem staatlichen Bus oder dem quietschgelben „Taxi-Rutero“: Die App kennt alle ÖPNV-Verbindungen in der kubanischen Hauptstadt und wird dabei laufend aktualisiert. Diese können auf Wunsch einzeln oder komplett auf einer interaktiven Karte visualisiert werden, womit man einen flexiblen Linienplan in der Tasche hat. Besonders praktisch: die Navigationsfunktion ermittelt die nächste Haltestelle am aktuellen Standort und schlägt dann die entsprechenden Linien vor. Feste Abfahrtszeiten gibt es nicht, weshalb die App auch nicht mit (theoretisch!) minutengenauer Ankunftszeit aufwarten kann wie ihre europäischen Pendants – aber zu wissen wo die nächste Haltestelle ist, welche Linie man nehmen muss und wie das Fahrzeug aussieht, ist eine erhebliche Erleichterung, um in Havanna von A nach B zu kommen.

 

 

 

 

 

 

 

Infos & Download:

Bajanda

Uber auf kubanisch! Erst seit wenigen Wochen am Start, kann man mit dem neuen Dienst Bajanda bequem mit dem Taxi durch die Stadt reisen. Dabei kann man sich entweder Orten lassen oder den Startpunkt manuell auf der Karte markieren. Anschließend gibt man sein Ziel ein und innerhalb von wenigen Minuten vermittelt die App einen Fahrer, der auch kleine Gruppen zum vorher festgelegten Preis abholt und befördert. Obwohl erst seit kurzem verfügbar, haben sich bereits ausreichend viele Fahrer registriert, so dass die Taxivermittlung in der Regel innerhalb von wenigen Minuten funktioniert. Gute Neuigkeiten also für jene, die irgendwo im Regen stehen, oder auf dem Heimweg mitten in der Nacht keine Lust auf Verhandlungen mit dem nächstbesten Fahrer haben. Bezahlt wird immer in Cash, wobei perspektivisch auch bargeldlose Bezahlmethoden eingeführt werden sollen. Jeder Fahrer verfügt über eine spezifische Nummer, so dass Verwechslungen ausgeschlossen werden. Optimiert für den kubanischen Markt, soll „Bajanda“ den Entwicklern zu Folge äußerst sparsam mit dem Datenvolumen des Nutzers umgehen.

 

 

 

 

 

 

 

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Sube

Nach ganz ähnlichem Prinzip wie „Bajanda“ funktioniert die Konkurrenz-App Sube. Die Mitfahrgelegenheiten sind grundsätzlich in ganz Kuba möglich, allerdings liegt der Schwerpunkt auf der Hauptstadt Havanna. Nach kurzer Registrierung ist man binnen weniger Minuten unterwegs. Anders als bei Bajanda gibt es hier allerdings keine Festpreise, sondern die Fahrer machen eigene Preisvorschläge, die man auch ablehnen kann. Zudem verfügt „Sube“ über eine weitere Sicherheitsfunktion: um die Fahrt zu verifizieren, kann der Kunde jederzeit den QR-Code des Fahrers scannen. Sowohl „Sube“ als auch „Bajanda“ scheinen momentan bereits zuverlässig zu funktionieren, allerdings läuft die Vermittlung bei „Bajanda“ manchmal einen Tick schneller. Da beide Apps im Moment noch recht neu sind, kann wohl nur die Zeit zeigen, womit man letzten Endes besser fährt.

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Viajando

Für die meisten Besucher uninteressant, für Kubaner und Ausländer mit Aufenthaltstitel jedoch von großem Interesse: die Bus-App Viajando, welche vor wenigen Tagen als Beta-Version erschienen ist. Die offizielle App der staatlichen Fernbuslinie „Astro“ ermöglicht derzeit nur das finden von Verbindungen und die Anzeige der verfügbaren Plätze. In Zukunft sollen jedoch auch Reservierungen und Ticketkauf bequem per App von überall aus möglich sein. Die Zeit des Schlangestehens und Nummern-ziehens bei  Busreisen könnte also für die Kubaner schon bald vorbei sein. Touristen müssen für die Bus-Reservierungen vorerst jedoch weiterhin mit der Homepage der Buslinie „Víazul“ vorlieb nehmen, wo Fahrkarten nach Registrierung reserviert werden können.

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Fazit

Die App-Entwicklung auf Kuba nimmt an Fahrt auf. Mit neuen Anwendungen für Smartphones versucht sowohl der Staat als auch der Privatsektor die Digitalisierung für mehr Komfort und Transparenz zu nutzen. Der Transportsektor, welcher jeden Tag Millionen Kubaner und Touristen auf der Insel bewegt, spielt hier eine wichtige Rolle. Häufig sind Preise und die genauen Linien nicht sofort ersichtlich. Der Zugang über Handy-Apps kann hier sowohl für Kubaner als auch für Touristen eine echte Erleichterung darstellen.

Seit dem Start des mobilen Internets auf Kuba im Dezember 2018 befindet sich App-Entwicklung der Insel auf der Überholspur. Während „Habana Trans“ bereits auf einige Jahre Entwicklungszeit zurückblicken kann (was man der App deutlich anmerkt), sind die drei anderen Anwendungen erst wenige Wochen alt und müssen sich im Alltag erst noch bewähren. Doch schon jetzt scheinen die Apps gut zu funktionieren, zudem erscheinen für alle der getesteten Anwendungen regelmäßige Updates.

Kuba wird digital. Fast zwei Millionen Kubaner haben sich innerhalb der ersten 12 Wochen für das mobile Internet angemeldet, Tendenz stark steigend. In Havanna und Varadero werden neue 4G-Masten installiert. Durch die späten Investitionen können alte Standards übersprungen werden, Kuba setzt beim Aufbau seiner Netze auf modernste Technik des chinesischen Herstellers Huawei. Wie viele andere Entwicklungsländer könnte die Insel damit rasch wieder den Anschluss an die Digitalinfrastruktur gewinnen und schon bald so manch europäisches Land hinter sich lassen. Die Apps auf Kuba, soviel ist sicher, stehen gerade erst am Anfang.