19. Juli 2024

Schnelleres Internet: „Arimao“-Kabel geht in Testbetrieb

Kuba hat den Testbetrieb eines neuen Untersee-Glasfaserkabels aufgenommen, das die Insel mit Martinique verbindet. Damit wird die Kapazität der bestehenden Alba-1-Leitung mit Venezuela erweitert. Wie der staatliche Telefonversorger ETECSA bekannt gab, konnte bereits im Rahmen erster Tests das Datenvolumen um 17 Prozent gesteigert werden. In den kommenden Wochen und Monaten folgen aufwändige Optimierungsarbeiten an den Netzen, mit deren Hilfe die Kapazität des Kabels bestmöglich ausgenutzt werden soll.

Kuba hatte mit der Inbetriebnahme seines 4G-Netzes im Herbst 2019 zeitweise das zweitschnellste Internet Lateinamerikas. Die Freude hielt allerdings nur kurz an: durch die massiv gestiegene Nutzerzahl in Folge mehrerer Preissenkungen gelangte die Alba-1 Glasfaserleitung schon bald an ihre Grenzen. Heute lässt die Geschwindigkeit vielerorts zu wünschen übrig: „Die Nutzer hatten viele Probleme beim surfen Langsame Geschwindigkeiten, selbst bei 4G, beeinträchtigen weiterhin die Qualität des Dienstes“, erklärte die ETECSA-Vizepräsidentin für Netzoperationen, Esther Hidalgo Rodríguez. Diese Probleme sollen sich im Laufe des Jahres lösen.

Mit dem „Arimao“-Kabel, das in Zusammenarbeit mit dem französischen Mobilfunkanbieter Orange verlegt wurde, ist Kuba erstmals auf direktem Wege mit dem französischen Übersee-Département Martinique und damit der Europäischen Union verbunden. Mit der 2470km langen Leitung, deren Endpunkt sich in der westkubanischen Stadt Cienfuegos befindet, soll die Netzkapazität des Landes „erweitert und diversifiziert werden“, kündigte ETECSA bei Baubeginn im Dezember 2022 an. Ab 2013 war Kuba ausschließlich über das venezolanische Alba-1-Kabel mit dem WWW verbunden, nachdem sich die USA zuletzt weiterhin weigerten, der Insel die Anbindung an eines ihrer zahlreichen Unterseekabel zu ermöglichen.

Glasfaserleitungen im karibischen Meer: Das Arimao-Unterseekabel hier grau hervorgehoben (Quelle: Submarinecablemap.com)

Damit die Bandbreite des Kabels voll ausgenutzt werden kann, sind jedoch weitere Optimierungen am Netz erforderlich. So sind die Signaltransportschichten des Mobilnetzes zuletzt durch neue Geräte ersetzt worden, da die bestehenden nicht mehr erweitert werden konnten. „Darüber hinaus hat sich die Zugangsebene durch Optimierungen bei der Abdeckung und der Zellumschaltung sowie durch die Nutzung neuer Frequenzen stark erweitert“, erklärte Hidalgo. Ein Kernelement der Optimierungen ist die verstärkte Nutzung des 2100 Mhz Frequenzbereichs, was bisher in den Regionen Havanna, Matanzas (Provinzhauptstadt und Varadero) und Cienfuegos erfolgt ist. Mit der schrittweisen Umstellung von analoger auf digitaler Fernsehübertragung wird zudem das 700 Mhz Frequenzband regionsweise für die 4G-Nutzung freigegeben. Pinar del Río, Artemisa und die Insel der Jugend machten hier den Anfang. Da die Signalreichweite im 700 Mhz Frequenzbereich höher ist, profitieren vor allem ländliche Gegenden mit bisher schwacher Netzabdeckung. Insgesamt wurden im Laufe dieses Jahres 47 neue 2G-Zellen, 227 3G-Zellen und 1521 4G-Zellen errichtet, womit die Kapazitäten des mittlerweile hauptsächlich genutzten 4G-Netzes um ein Viertel angewachsen sind.

Insgesamt können mit der bisherigen Netzanpassungen heute 2,2 Millionen der 6,7 Millionen Mobildatennutzer Kubas gleichzeitig bei voller Leistung surfen. Der Ausbau soll weitergehen. Derzeit werde daran gearbeitet, auch das 900 Mhz Frequenzband in „Gebieten mit besonders hohem Datenverkehr zu nutzen“, so Hidalgo. Der Testbetrieb hierfür läuft seit kurzem in Havannas Stadtteil La Lisa, wo erstmals drei Frequenzen (1800 Mhz, 2100 Mhz und 900 Mhz) gleichzeitig mit 4G bespielt werden. Damit soll nicht zuletzt auch der Empfang innerhalb von Gebäuden deutlich besser werden, ein häufiger Kritikpunkt der kubanischen Interntnutzer.

Der Ausbau von Heimanschlüssen kommt indes weiterhin nur schleppend voran, derzeit verfügen erst sieben Prozent der kubanischen Haushalte über einen DSL-Anschluss. Hauptproblem sind die hohen Kosten: Seit der Währungsreform 2021 wird das Internet zu moderaten Preisen (1GB á 100 Pesos, ca. 80 Eurocent) in der Landeswährung bezahlt, für den Ausbau der Glasfaserkabel sind jedoch größere Investitionen in Devisen erforderlich, über die der Anbieter derzeit nicht verfügt. Eine Zwischenlösung könnten LTE-Router sein, die über Mobildaten betrieben werden können und deren Einführung in den vergangenen Jahren bereits angekündigt wurde. Die jüngsten Optimierungen in Zusammenhang mit dem neuen Kabel deuten jedenfalls darauf hin, dass sich Kuba bereit macht für eine erneute „Internetwelle“ des Mobilnetzes.

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