20. Februar 2024

Die „Guiteras“ fährt hoch: Neues zur Energiesituation in Kuba

„Diese Mischung aus Freude und Erwartung… der Beweis, dass Herausforderungen zu meistern sind: Bei 3600 Umdrehungen werden 90 Tage Arbeit enschieden, an denen fast 2000 Arbeiter, Techniker und Ingenieure beteiligt waren“, schreibt der Energiejournalist José Miguel Solís auf seiner Facebook-Pinnwand über den Start der „Guiteras“ in Matanzas, zusammen mit Bildern von weißem Rauch, der aus den Schornsteinen der sowjetischen Anlage emporsteigt. „Habemos corriente“, wir haben Strom, möchte man fast sagen, doch noch sind die Tests nicht abgeschlossen. Kubas leistungsfähigstes Großkraftwerk mit einer Kapazität von 280 Megawatt ist einer der wichtigsten Bausteine für die Versorgungssicherheit des Landes. Ohne den Strom aus der Guiteras droht dem Land erneut ein Sommer mit mehrstündigen geplanten Abschaltungen („apagones“) und ohne die Guiteras lässt sich auch die aktuelle Treibstoffkrise nicht beenden, da der Strom dann ersatzweise über kleinere Dieselgeneratoren erzeugt werden muss – deren Brennstoff an den Tankstellen fehlt.

Noch ist die gute Neuigkeit erst wenige Stunden alt, doch Solís zeigt sich vorsichtig optimistisch, dass die 90 Tage intensiver Wartungs- und Überholungsarbeiten unter Anleitung von Kubas Energieminister Vicente de la O Levy ihre Wirkung nicht verfehlt haben. Zur Erinnerung: die 1988 errichtete Guiteras ist zwar Kubas jüngstes Kraftwerk, aufgrund des Devisenmangels wurden jedoch in den verangenen Jahre dringende Wartungsarbeiten verschleppt. Die Folge war eine Havarieserie im vergangenen Jahr, in der die Guiteras immer wieder nach viel zu kurzen Notfallreparaturen ans Netz gezwungen wurde. Mit einem weiteren schwimmenden Kraftwerksschiff aus der Türkei (über Erdogans Wiederwahl war man in Havanna deshalb nicht ganz unglücklich) konnten die nötigen Reserven geschaffen werden, um die jetzt beendete dreimonate Wartung einzuleiten.

Noch liegt der Erzeugungsdefizit bei 300 bis 500 Megawatt am Tag, noch sind die Schlangen vor den Tankstellen lang. Sollte die Guiteras demnächst stabil einspeisen, könnte sich die Lage jedoch endlich wieder zu bessern beginnen.

Erst vor wenigen Tagen gab der Minister Auskunft zur aktuellen Situation und den Plänen für den Sommer. Wie bereits vor einigen Monaten angekündigt, war der Mai schon von Anfang an „auf Kante“ genäht, um Kubas Kraftwerke fit für den intensiven Sommerbetrieb mit höherem Verbrauchsmoment zu machen. O Levy erklärte:

Ab Februar haben wir die Wartungslast noch weiter erhöht und Einheiten wie Céspedes und Felton außer Betrieb genommen, um dieses Ziel [Vorbereitung für den Sommer] zu erreichen. Unter diesen Bedingungen und mit diesen grundlegenden Einheiten vom Netz betrug die durchschnittliche Anzahl der Ausfallstunden weniger als drei Stunden, und wir waren in der Lage, die geplanten Blöcke alle vier Tage zu rotieren.

Lieferausfälle und unerwarteter Mehrverbrauch des Verkehrssektors haben ab das Stromnetz ab April 400 Megawatt an Leistung gekostet. Trotz der Energiekrise der vergangenen Wochen habe man jedoch „alle geplanten Wartungsarbeiten für den Sommer abschließen können“, so O Levy, der aufzählte:

Die Wartung des Blocks Felton 1, die Wiederherstellung von Mariel Block 6, die Wartung des Wärmekraftwerks Cienfuegos, die Wiederherstellung der Motorenleistung in den Kraftwerken von Mariel und Moa, die Erhöhung der gasbasierten Stromerzeugung von Energas auf 300 MW, die Wiederherstellung von mehr als 600 MW in der dezentralen Stromerzeugung (Dieselkraftwerke) und der Einbau neuer Heizölmotoren (100 MW).

Wie kubanische Medien berichteten, hat sich erst vor kurzem die Stromerzeugung über heimisches Erdgas durch die Inbetriebnahme eines neuen Gasfeldes in Puerto Escondido (im Norden der Provinz Mayabeque) erhöht. Aus dem Feld werden täglich rund 200.000 Kubikmeter Gas gefördert, über die bisher 30 zusätzliche Megawatt elektrischer Energie erzeugt werden können. „Obwohl die Menge gering erscheinen mag, erlaubt sie dem Unternehmen, bisher ungenutzte Ressourcen zu erschließen“, erklärte der Leiter der Erdgasanlage Boca de Jaruco, Oniel Tápanes. Durch zwei weitere Bohrungen soll die zusätzliche Gasproduktion auf 400.000 Kubikmeter verdoppelt werden. Insgesamt erzeugt Kuba derzeit 300 Megawatt an Strom durch heimisches Erdgas.

Energieminister O Levy gab bekannt, dass sich bei den Bohrungen vergangenen Sonntag eine Havarie ereignete, in deren Folge die Erdgasversorgung Havannas zeitweise eingeschränkt war. O Levy erklärte, dass „die Gasversorgung wiederhergestellt wurde und bis nächste Woche auch wieder die vollen 300 Megawatt verstromt werden“ und fügte hinzu: „Wenn diese beiden Probleme – Guiteras und Energas – bis Ende Mai gelöst sind, erwarten wir einen erheblichen Rückgang der Beeinträchtigungen und bessere Bedingungen für die Sommermonate.“

Voraussetzung dafür ist, dass der weiße Rauch über der Guiteras bleibt.

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