20. Februar 2024

Kuba schafft Barzahlungen an Tankstellen ab

Wie der staatliche Tankstellenbetreiber CIMEX S.A. am heutigen Dienstag ankündigte, soll die Barzahlung an den landesweit mehr als 1000 Filialen bis zum 31. Oktober abgeschafft werden. Kunden können dann nur noch mit kubanischen Girokarten, internationalen Kreditkarten, der digitalen Bezahlapp „Transfermóvil“ sowie den vor einigen Monaten eingeführten Ein- und Mehrwerg-Guthabenkarten tanken.

Mit der Maßnahme soll die allgegenwärtige Korruption an den Zapfsäulen zurückgedrängt werden. Das illegale Abzweigen von Benzin ist bereits seit Jahrzehnten ein Problem. Fidel Castro entsandte Mitte der Nullerjahre tausende Sozialarbeiter an die Tankstellen, mit dem der Schwarzmarkt für Treibstoff ausgetrocknet werden sollte. Die Kampagne führte allerdings nicht zu einem nachhaltigen Erfolg: noch immer existiert ein großer Schwarzmarkt für Treibstoff, der die Tankstellenpreise traditionell immer unterbot. Seit der Währungsreform wird der Preis für Treibstoff allerdings mit dem 24er Kurs gebildet und ist damit günstiger als in anderen Ländern geworden – bei gleichzeitig stark limitiertem Angebot. Mit den Treibstoffkrisen der vergangenen Jahre und Monate hat sich die Situation weiter verschärft. Dem illegalen Abzwacken an den Tankstellen soll über transparente Verrechungssysteme das Wasser von den Mühlen genommen werden. Die digitale Infrastruktur ist inzwischen soweit gediehen, dass man sich die vollständige Umstellung auf diese Kanäle zutraut.

Parlamentspräsident Esteban Lazo kündigte am Montag auf einer Sitzung des Ministerrats an, die auf der letzten Parlamentstagung getroffenen Entscheidung zur „Bekämpfung von Korruption und illegalen Aktivitäten“ rasch zu implementieren. Den Rahmen schaffen soll ein Programm zur „Bankariserung“ der Zahlungsströme.

Ein wichtiger Schritt, um den Zugang weiterhin niedrigschwellig zu halten, war die Einführung von Einweg-Guthabenkarten. Diese haben in den vergangenen Monaten mehrere „Features“ erhalten: So kann das Guthaben von bis zu fünf verschiedenen Prepaidkarten für einen Tankvorgang kombiniert werden, auch Rückerstattungen per QR-Code sind möglich. Eine weitere Möglichkeit ist mit der universellen Bezahlapp „Transfermóvil“ hinzugekommen, die bereits seit Jahren für die Bezahlung von Strom und Nebenkosten genutzt wird und die inzwischen mehr als vier Millionen Nutzer zählt. Der Finanzdienstleister Fincimex bietet darüber hinaus Mehrweg-Chipkarten, die beliebig oft wieder aufgeladen werden können. Damit bestehen im Fall der nicht selten vorkommenden Ausfälle von Kartenlesegeräten drei alternative Bezahlmöglichkeiten.

CIMEX hat auf seiner Facebook-Seite einen Zeitplan für die Umstellung jeder einzelnen Filiale veröffentlicht. So wird beispielsweise in Centro Habana die letzte Tankstelle am 14. Oktober ihre Bargeldkasse schließen, während die beiden Tankstellen des beliebten Touristenorts Viñales bereits am 7. September auf bargeldlose Bezahlung umstellen. Bis Ende Oktober soll die Umstellung landesweit abgeschlossen sein. Für Reisende mit Mietwagen ist die Bezahlung mit internationaler Kreditkarte die einfachste Option, für den Fall technischer Probleme bietet sich der Erwerb von Einweg-Guthabenkarten („tarjetas prepago desechables“) als Reserve an.

Die Treibstoffsituation selbst hat sich indes in den vergangenen Monaten etwas verbessert: Nach der Treibstoffkrise im April, in deren Folge die Abgabe von Diesel und Benzin stark rationiert werden musste, sind die Kontingentierungsmaßnahmen inzwischen aufgeweicht. Sollte die Umstellung auf digitale Bezahlkanäle die gewünschten Ergebnisse bringen, dürfte sich die Situation tendenziell weiter verbessern.

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Ein Gedanke zu “Kuba schafft Barzahlungen an Tankstellen ab

  1. Nein, die Korruption ist nicht der Grund dafür. Dem wurde vorher schon begegnet, indem man an einigen Tankstellen Wertbons verkauft mit denen durch einen QR-Code erst die Zapfsäule freigeschaltet wurde. Das hätte man ausweiten können, wenn es denn nicht ums Bargeld ginge. Vielmehr geht Kuba das Bargeld aus, weil die Inflation ins unermessliche steigt und Kuba keine neuen Noten drucken kann. Also wird versucht, das Bargeld mit virtuellem Geld dort zu ersetzen, wo es nur geht. Ganz nebenbei kann man Geldkreisläufe besser kontrollieren.

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