Menschliches Versagen brachte mexikanische Boeing über Havanna zum Absturz

Der Flugzeugabsturz am 18. Mai 2018 forderte 112 Todesopfer (Quelle: Granma)

Havanna. Fast ein Jahr nach dem Absturz einer Boeing 737-200 beim Start von Kubas Hauptstadtflughafen José Martí in Havanna hat die Untersuchungskommission am Donnerstag ihren Abschlussbericht veröffentlicht. Demnach war menschliches Versagen der Grund für das tragische Unglück, das am 18. Mai 2018 zum Absturz der aus Mexiko geleasten Maschine führte. 112 der 113 Insassen kamen dabei ums Leben, darunter alle Besatzungsmitglieder.

Wie die zuständigen Untersuchungsbehörden des kubanischen Instituts für zivile Luftfahrt (IACC) auf einer Pressekonferenz bekannt gaben, war der Absturz, der sich kurz nach dem Start der Maschine in Bodennähe ereignete, auf fehlerhafte Gewichtsberechnungen der Crew zurückzuführen. Dies führte zu einem Kontrollverlust während des zu steilen Aufstiegs. Technische Defekte an der Maschine konnten nicht festgestellt werden, auch habe der Absturz nichts mit den aktuellen Schwierigkeiten der Boeing 737 Max zu tun.

Zur Ermittlung der Absturzursache konnten die IACC-Ermittler auf die Daten beider Flugschreiber zurückgreifen, die erfolgreich geborgen und zur Auswertung in die USA geschickt wurden. „Dies ermöglichte es, Daten wie die Geschwindigkeit, Flugbahn, Höhe, Triebwerksleistung und mögliche technische Ausfälle mit Genauigkeit zu bestimmen“, wie das Nachrichtenportal Cubadebate berichtet. Neben kubanischen Ermittlern halfen auch US-amerikanische Spezialisten sowie Mitarbeiter der Firma Boeing bei der Auswertung der Daten. Der Flug mit der Nummer XA-UHZ sollte am 18. Mai von Havanna nach Holguín starten. Die staatliche Fluggesellschaft Cubana hatte das 39 Jahre alte Flugzeug von der mexikanischen Global Air geleast, auch die Besatzung stammte aus Mexiko.

In Folge des Unglücks wurde die gesamte zivile Luftfahrt auf Kuba einer umfassenden Überprüfung unterzogen. Zahlreiche Inlandsflüge wurden deshalb gestrichen. Inzwischen wurde jedoch der Normalbetrieb wieder aufgenommen. Kuba sucht heute neue ausländische Partner, um sein Angebot an Inlandsflügen weiter zu verbessern. (A21)

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Neue Zugverbindung Havanna-Holguín startet im Sommer, erste Waggonlieferung aus China eingetroffen

Die ersten 56 der insgesamt 240 neuen Waggons trafen am Sonntag aus China ein (Quelle: jlorenzo1956 / Twitter)

Zugfahren wird auf Kuba schon bald deutlich komfortabler. Nach 13 Jahren nimmt auf der Insel erstmals wieder ein klimatisierter Intercity-Zug den regulären Betrieb auf. Die ersten 56 Waggons, welche auf der Strecke Havanna-Holguín eingesetzt werden, sind am Sonntag aus der Volksrepublik China eingetroffen. Die neue Verbindung soll bereits im August starten, doch auch andere Strecken werden profitieren. Derzeit laufen letzte Arbeiten an den Bahnhöfen von Havanna und Holguín, welche mit moderner Informationstechnik ausgestattet werden. In einigen Wochen sollen erste Testfahrten auf der Strecke beginnen, die mit 10 Zwischenhalten den Westen mit dem Osten der Insel verbindet. Der Preis, welcher laut vorläufigen Angaben umgerechnet 4,10€ für die erste Klasse beträgt, dürfte für viele Kubaner attraktiv sein.

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Vier Monate nach dem Tornado in Havanna: die meisten Schäden sind beseitigt

Bis September soll der Wiederaufbau nach dem Tornado abgeschlossen sein, welcher Ende Januar über 8.000 Gebäude in Havanna beschädigte oder zerstörte (Quelle: Prensa Latina)

Gut vier Monate nachdem ein verheerender Tornado in der kubanischen Hauptstadt Havanna wütete, sind heute rund 80 Prozent der beschädigten Gebäude wieder instandgesetzt worden, wie die Nachrichtenagentur „Prensa Latina“ meldet. Die Windhose verwüstete in der Nacht auf den 28. Januar mehr als 1.000 Gebäude im Süden und Osten Havannas. Drei Menschen starben, während 172 Personen verletzt wurden.

Wie Havannas erster Parteisekretär, Luis Antonio Torres Iríbar, erklärte, konnten inzwischen 7.630 der 8.310 beschädigten Objekte, die allermeisten davon Wohnhäuser, repariert werden. Immer mit der Zielvorgabe die Dinge „besser als vorher“ zu hinterlassen, so Iríbar. Von den 1.068 Totalverlusten sind inzwischen 531 wieder aufgebaut worden. Die allermeisten der noch offenen Fälle (497) befinden sich im Stadtteil 10 de Octubre, 112 in der Gemeinde Guanabacoa, 63 in Regla, fünf in Cerro und zwei Gebäude müssen noch in Habana del Este wieder aufgebaut werden.

Trotz der wirtschaftlich schwierigen Situation in der sich das Land befinde, komme der Wiederaufbau gut voran und könne so planmäßig bis September abgeschlossen werden. Neben staatlichen Bauunternehmen sind auch private Bauarbeiter sowie Kooperativen an den Arbeiten zum Wiederaufbau beteiligt. Unterstützung erhält Havanna dabei aus fünf anderen Provinzen.

Kubas erstes staatliches Hostel eröffnet in Havanna

Kubas erstes staatliches Hostel bietet 63 klimatisierte Schlafplätze sowie Gastronomie (Quelle: ACN)

In Havannas Stadtteil Vedado wurde am Sonntag wurde unter Beisein von Tourismus-Minister Manuel Marrero das erste staatliche Hostel des Landes eröffnet. Das Projekt soll Teil der „ständigen Erneuerung des kubanischen Tourismus-Angebots“ sein und steht darüber hinaus im Kontext des anstehenden 500. Jubiläums der kubanischen Hauptstadt, wie die Lokalzeitung „Tribuna de La Habana“ berichtet. Neben drahtlosem Internetzugang verfügt die Einrichtung auch über einen Fahrradverleih.

Das „Hostel Vedado Azul“, wie die Herberge genannt wird, befindet sich in der Calle 2, Ecke 23 und 25 und wird von der staatlichen „Islazul“-Gruppe betrieben. Das Gebäude war ursprünglich ein Wohnhaus und wurde in den 1930er Jahren errichtet. Seit den 1970ern diente es staatlichen Einrichtungen als Herberge in Havanna. In den vergangenen 18 Monate wurde das Haus für eine Summe von 1,8 Millionen Pesos (CUP) umfangreich saniert und wird als Hostel ab sofort 24 Stunden am Tag geöffnet sein. 

Die 20 klimatisierten Zimmer, welche sich über zwei Etagen verteilen, sind mit Stockbetten ausgestattet und bieten insgesamt  63 Übernachtungsplätze. Darüber hinaus verfügt die Einrichtung wie international üblich über einen Gemeinschaftsraum, eine Bar mit Cafetería, sowie Internetzugang per WiFi. Außerdem können an der Rezeption Fahrräder ausgeliehen werden, mit denen sich Havanna erkunden lässt. Eine Übernachtung inklusive Frühstück soll 15 CUC (ca. 13 €) kosten.

Kubas Tourismusministerium arbeitet derzeit daran, seine Produktpalette für ausländische Besucher stärker zu diversifizieren. Die beliebten „Sonne und Strand“-Familienpakete in den Hotelanlagen sollen um Angebote im hochpreisigen Segment ergänzt werden. Die Eröffnung des ersten staatlichen Hostels auf Kuba deutet jedoch an, dass künftig auch Backpacker und Touristen mit kleinem Geldbeutel stärker berücksichtigt werden könnten, welche bisher vor allem auf private Casa Particulares zurückgreifen.

Die Eröffnung erfolgte unter Beisein von Havannas erstem Parteisekretär Luis Antonio Torres Iríbar (links) und Tourismusminister Manuel Marrero (mitte) (Quelle: ACN)

Gastronomie- und Gemeinschaftsbereich (Quelle: Tribuna)

Das Hostel verfügt über moderne sanitäre Einrichtungen und WiFi. Die 63 Schlafplätze verteilen sich auf Stockbetten in 20 Räumen (Quelle: Tribuna)

14 Angestellte sollen rund um die Uhr für den Betrieb der staatlichen Herberge sorgen (Quelle: Tribuna)

Neue Apps erleichtern den Transport auf Kuba

Mit modernen Apps soll Kubas Transportsektor transparenter werden (Quelle: Habana Trans)

Wenige Monate erst sind seit dem Start des mobilen Internets im sozialistischen Kuba vergangen, und auf der Insel blüht bereits die App-Entwicklung. Vor allem das leidige Thema Transport hat in jüngster Zeit die Aufmerksamkeit der kubanischen Programmierer gewinnen können. „Cuba heute“ stellt vier Smartphone-Apps vor, welche die Beförderung im Land deutlich vereinfachen.

Habana Trans

Busfahren kann in Kubas Hauptstadt Havanna ganz schön kompliziert sein. Den Netzplan sollte man sich als Tourist vorher im Internet ausdrucken. Vor Ort hilft sonst nämlich oft nur fragen und probieren, wenn man eine Busverbindung sucht. Dabei hat Kuba in den vergangenen Jahren kräftig in das Busnetz der Hauptstadt investiert. Noch nutzen nur wenige Besucher den extrem günstigen ÖPNV (eine Fahrt kostet umgerechnet rund 10 Cent). Doch auch die Habaneros selbst sind angesichts der jüngsten Änderungen am Linienplan sowie den neuen Angeboten aus dem Kooperativen Sektor manchmal überfragt, welcher Bus oder welches Sammeltaxi gerade das richtige ist. Abhilfe schafft hier die App Habana Trans. Ob mit dem staatlichen Bus oder dem quietschgelben „Taxi-Rutero“: Die App kennt alle ÖPNV-Verbindungen in der kubanischen Hauptstadt und wird dabei laufend aktualisiert. Diese können auf Wunsch einzeln oder komplett auf einer interaktiven Karte visualisiert werden, womit man einen flexiblen Linienplan in der Tasche hat. Besonders praktisch: die Navigationsfunktion ermittelt die nächste Haltestelle am aktuellen Standort und schlägt dann die entsprechenden Linien vor. Feste Abfahrtszeiten gibt es nicht, weshalb die App auch nicht mit (theoretisch!) minutengenauer Ankunftszeit aufwarten kann wie ihre europäischen Pendants – aber zu wissen wo die nächste Haltestelle ist, welche Linie man nehmen muss und wie das Fahrzeug aussieht, ist eine erhebliche Erleichterung, um in Havanna von A nach B zu kommen.

 

 

 

 

 

 

 

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Bajanda

Uber auf kubanisch! Erst seit wenigen Wochen am Start, kann man mit dem neuen Dienst Bajanda bequem mit dem Taxi durch die Stadt reisen. Dabei kann man sich entweder Orten lassen oder den Startpunkt manuell auf der Karte markieren. Anschließend gibt man sein Ziel ein und innerhalb von wenigen Minuten vermittelt die App einen Fahrer, der auch kleine Gruppen zum vorher festgelegten Preis abholt und befördert. Obwohl erst seit kurzem verfügbar, haben sich bereits ausreichend viele Fahrer registriert, so dass die Taxivermittlung in der Regel innerhalb von wenigen Minuten funktioniert. Gute Neuigkeiten also für jene, die irgendwo im Regen stehen, oder auf dem Heimweg mitten in der Nacht keine Lust auf Verhandlungen mit dem nächstbesten Fahrer haben. Bezahlt wird immer in Cash, wobei perspektivisch auch bargeldlose Bezahlmethoden eingeführt werden sollen. Jeder Fahrer verfügt über eine spezifische Nummer, so dass Verwechslungen ausgeschlossen werden. Optimiert für den kubanischen Markt, soll „Bajanda“ den Entwicklern zu Folge äußerst sparsam mit dem Datenvolumen des Nutzers umgehen.

 

 

 

 

 

 

 

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Sube

Nach ganz ähnlichem Prinzip wie „Bajanda“ funktioniert die Konkurrenz-App Sube. Die Mitfahrgelegenheiten sind grundsätzlich in ganz Kuba möglich, allerdings liegt der Schwerpunkt auf der Hauptstadt Havanna. Nach kurzer Registrierung ist man binnen weniger Minuten unterwegs. Anders als bei Bajanda gibt es hier allerdings keine Festpreise, sondern die Fahrer machen eigene Preisvorschläge, die man auch ablehnen kann. Zudem verfügt „Sube“ über eine weitere Sicherheitsfunktion: um die Fahrt zu verifizieren, kann der Kunde jederzeit den QR-Code des Fahrers scannen. Sowohl „Sube“ als auch „Bajanda“ scheinen momentan bereits zuverlässig zu funktionieren, allerdings läuft die Vermittlung bei „Bajanda“ manchmal einen Tick schneller. Da beide Apps im Moment noch recht neu sind, kann wohl nur die Zeit zeigen, womit man letzten Endes besser fährt.

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Viajando

Für die meisten Besucher uninteressant, für Kubaner und Ausländer mit Aufenthaltstitel jedoch von großem Interesse: die Bus-App Viajando, welche vor wenigen Tagen als Beta-Version erschienen ist. Die offizielle App der staatlichen Fernbuslinie „Astro“ ermöglicht derzeit nur das finden von Verbindungen und die Anzeige der verfügbaren Plätze. In Zukunft sollen jedoch auch Reservierungen und Ticketkauf bequem per App von überall aus möglich sein. Die Zeit des Schlangestehens und Nummern-ziehens bei  Busreisen könnte also für die Kubaner schon bald vorbei sein. Touristen müssen für die Bus-Reservierungen vorerst jedoch weiterhin mit der Homepage der Buslinie „Víazul“ vorlieb nehmen, wo Fahrkarten nach Registrierung reserviert werden können.

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Fazit

Die App-Entwicklung auf Kuba nimmt an Fahrt auf. Mit neuen Anwendungen für Smartphones versucht sowohl der Staat als auch der Privatsektor die Digitalisierung für mehr Komfort und Transparenz zu nutzen. Der Transportsektor, welcher jeden Tag Millionen Kubaner und Touristen auf der Insel bewegt, spielt hier eine wichtige Rolle. Häufig sind Preise und die genauen Linien nicht sofort ersichtlich. Der Zugang über Handy-Apps kann hier sowohl für Kubaner als auch für Touristen eine echte Erleichterung darstellen.

Seit dem Start des mobilen Internets auf Kuba im Dezember 2018 befindet sich App-Entwicklung der Insel auf der Überholspur. Während „Habana Trans“ bereits auf einige Jahre Entwicklungszeit zurückblicken kann (was man der App deutlich anmerkt), sind die drei anderen Anwendungen erst wenige Wochen alt und müssen sich im Alltag erst noch bewähren. Doch schon jetzt scheinen die Apps gut zu funktionieren, zudem erscheinen für alle der getesteten Anwendungen regelmäßige Updates.

Kuba wird digital. Fast zwei Millionen Kubaner haben sich innerhalb der ersten 12 Wochen für das mobile Internet angemeldet, Tendenz stark steigend. In Havanna und Varadero werden neue 4G-Masten installiert. Durch die späten Investitionen können alte Standards übersprungen werden, Kuba setzt beim Aufbau seiner Netze auf modernste Technik des chinesischen Herstellers Huawei. Wie viele andere Entwicklungsländer könnte die Insel damit rasch wieder den Anschluss an die Digitalinfrastruktur gewinnen und schon bald so manch europäisches Land hinter sich lassen. Die Apps auf Kuba, soviel ist sicher, stehen gerade erst am Anfang.

Havanna nach dem Tornado: Grundversorgung kehrt zurück

Auf der Sitzung des kubanischen Ministerrats vom 2. Februar wurde der Stand des Wiederaufbaus diskutiert (Quelle: Cubadebate)

Eine Woche nach dem Tornado, welcher mehrere Stadtteile im Süden und Osten der kubanischen Hauptstadt Havanna verwüstet hat, konnte in den betroffenen Gebieten die Grundversorgung weitgehend wiederhergestellt werden. Der Wiederaufbau der 2.699 beschädigten und zerstörten Gebäude wird auf Weisung von Kubas Präsidenten indes schnellstmöglich angegangen. Inzwischen wurden auch nähere Informationen über offizielle Spendenkanäle veröffentlicht.

Nach jüngsten Berichten des kubanischen Ministerrats, der in letzter Zeit unter Leitung seines Präsidenten Miguel Díaz-Canel fast täglich zusammenkommt, konnte die Stromversorgung nach den schweren Schäden des Tornados vom letzten Sonntag fast vollständig wiederhergestellt werden. Während in Diez de Octubre bereits 98 Prozent der Haushalte wieder am Stromnetz hängen, sind es in Regla und Guanabacoa jeweils 95 bzw. 99 Prozent. Um alle Schäden am Netz schnellstmöglich beseitigen zu können sind seit Sonntag mehr als 1.000 Techniker aufgeteilt in über 200 Brigaden rund um die Uhr im Einsatz, darunter zahlreiche Kräfte aus den Nachbarprovinzen.

Die Zahl der Todesopfer bleibt weiterhin bei vier, sie wurden inzwischen alle identifiziert. Noch immer werden die 195 Verletzten in diversen Krankenhäusern Havannas behandelt.Zur Stunde sind noch immer rund 4.800 Personen evakuiert. Fast alle konnten bei Freunden oder Familienmitgliedern unterkommen, lediglich 164 befinden sich in staatlichen Notunterkünften. Bei den ersten 144 Gebäuden wurde bereits mit dem Wiederaufbau begonnen. Die Zahl der beschädigten Gebäude hat sich indes von den ursprünglich geschätzten 1.238 auf 2.699 erhöht, darunter 78 Schulen und 23 Kinderkrippen. Während die meisten der betroffenen Häuser lediglich das Dach verloren wurden 342 Gebäude wurden vom Tornado quasi dem Erdboden gleichgemacht. Mehrere Architekten haben in der vergangenen Woche mit Unterstützung von Studenten der technischen Hochschule Havannas (CUJAE) an der Feststellung der genauen Schäden gearbeitet.

Havannas Studenten helfen beim Freiräumen der Straßen in den betroffenen Gebieten (Quelle: Twitter)

Auch beim Freischaufeln der Straßen und der Beseitigung von Trümmern waren zuletzt hunderte Stundeten der Hochschulen Havannas auf freiwilligen Arbeitseinsätzen im Katastrophengebiet. Inzwischen sind fast alle Straßen wieder passierbar, was die Reparatur der Infrastruktur beschleunigen dürfte. Hier gibt es auch noch einiges zu tun. Noch immer sind tausende Bewohner ohne Wasser und müssen per Tankwagen versorgt werden. Festnetz und Telekommunikation sind erst zur Hälfte wiederhergestellt.

Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel lobte indes die „arbeitsame Atmosphäre“ in den betroffenen Wohnvierteln. Er hielt seine Kader an, regelmäßig vor Ort vorbeizuschauen und mit „größtmöglicher Sensibilität“ zu agieren. Hierzu wurden auch Ärzte- und Psychologenteams entsandt, während der Verkauf von Baumaterialien bereits begonnen hat. Ziel sei es, alle Schäden zu beseitigen, damit die verwüsteten Gebiete „besser als vorher“ aussähen. Zu den bereits umgesetzten Sofortmaßnahme zählt neben der Abgabe subventionierter Lebensmittel auch eine 50-prozentige Reduktion des Kaufpreises für Baumaterialien. In besonders schwerwiegenden Fällen übernimmt der Staat die komplette Finanzierung. Betroffene können ihre Anträge in mehreren Büros direkt vor Ort stellen.

Auch internationale Hilfe kam inzwischen an. Venezuela lieferte mehr als 100 Tonnen Baumaterialien sowie chinesische Baustellenfahrzeuge nach Kuba. Bolivien hat ebenfalls seine Bereitschaft zu helfen bekräftigt. Darüber hinaus wurden inzwischen offizielle Spendenkanäle geschaltet: „Für materielle Spenden aus dem Ausland, sei es von Regierungen, Unternehmen, Nicht-Regierungsorganisationen oder natürlichen Personen kann man sich mit den Botschaften Kubas in dem Land in Verbindung setzen, in dem sich der Spender befindet“, berichtet die Tageszeitung „Granma„. Und weiter: „Die kubanische Regierung übernimmt die Ankunft, die zollfreie Einfuhr und die Verteilung. Im Fall der Spenden von finanziellen Ressourcen in Devisen hat die Banco Financiero Internacional ein Konto mit der Nummer 0300000005093523 eingerichtet.“

UPDATE (12h Ortszeit):

  • Wie das Nachrichtenportal „Cubadebate“ meldete, sind zwei der Verletzten am Samstag ihren Verletzungen erlegen, die Zahl der Todesopfer stieg damit auf 6.
  • Nach letzten Angaben sind 3.513 Gebäude betroffen.
  • Die Wiederherstellung der Telekommunikationsinfrastruktur liegt bei 65 Prozent, die Arbeiten am Stromnetz sollen diesen Sonntag abgeschlossen werden.

Tornado über Havanna

Aufnahme des Tornados, welcher am Sonntagabend über Havanna hinwegzog (Quelle: Canal Habana)

Ein Tornado hat am frühen Sonntagabend eine Schneise der Verwüstung in der kubanischen Hauptstadt Havanna hinterlassen. Nach letzten Angaben vom Montagnachmittag (Ortszeit) sind drei Tote und 172 Verletzte zu beklagen, wie kubanische Medien berichten. Technikerbrigaden aus den Nachbarprovinzen wurden zur Verstärkung nach Havanna entsandt, um bei der Wiederherstellung der Strom- und Wasserversorgung der betroffenen Gebiete zu helfen.

Bereits wenige Stunden nach der Katastrophe war Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel vor Ort, um sich ein Bild von den Schäden zu machen. Zu den hauptsächlich betroffenen Gemeinden zählen die Municipios Cerro, Diez de Octubre, Regla und Guanabacoa, wo der Sturm mit Windgeschwindigkeiten von über 250 Stundenkilometer wütete. Zur Stunde liegen noch keine genauen Berichte über die Anzahl der beschädigten Gebäude vor. Nach Angaben des Tourismusministers Manuel Morreno Cruz wurden jedoch keine touristischen Einrichtungen von der Windhose getroffen.

Wie die Tageszeitung „Granma“ berichtete, war der jüngste Tornado ein „Ereignis ohne vergleichbare Vorgänger“ in der kubanischen Hauptstadt. Zuletzt wurden in den 1920er Jahren sowie 1961 einzelne Tornados nahe Havanna registriert, jedoch ohne vergleichbare Zerstörungskraft. Derzeit evaluiert Kubas Ministerrat das Ausmaß der Schäden. Boliviens Präsident Evo Morales sicherte Kuba indes bereits sofortige Unterstützung zu, ebenso äußerte sich Venezuelas Staatsoberhaupt Nicolás Maduro.

UPDATE (29.01):

Karte der betroffenen Gebiete (Quelle: Cubadebate)

  • Nach letzten Angaben vom Dienstag stieg die Zahl der Todesopfer auf vier, die der Verletzten auf 195.
  • Der Tornado bildete sich am Sonntag um 20:26 Uhr (Ortszeit) und legte innerhalb von 16 Minuten einen Weg von 11,5 Kilometer zurück. Die Windhose hatte dabei eine Breite von über 500 Metern. Das Wetterphänomen nahm seinen Ursprung in der Gemeinde Cerro und bewegte sich dann über Regla und Guanabacoa hinweg mit Geschwindigkeiten von bis zu 322 Stundenkilometern (Kategorie: EF4), bevor es sich gegen 20:42 Uhr über dem Meer auflöste. 
  • Insgesamt sind 1238 Gebäude betroffen [inzwischen über 7.700], davon wurden 123 total zerstört. Besonders schwerwiegend: Ein Krankenhaus mit 196 Patienten musste in Folge der Zerstörungen evakuiert werden. Laut Berichten über die Krisensitzung des kubanischen Ministerrats sollen schnellstmöglich Baumaterialien (insbesondere Dachelemente) für die betroffenen Bewohner bereitgestellt werden.
  • Noch am Montag Mittag waren eine halbe Million Haushalte in Havanna ohne Strom, am Dienstag waren es noch 220.000. Bis Donnerstag soll der Strom in allen betroffenen Gebieten wiederhergestellt sein. Derzeit werden Wasser und Lebensmittel an die Bevölkerung ausgegeben. Brigaden aus den Nachbarprovinzen arbeiten zur Stunde mit Hochdruck an der Beseitigung der Schäden an der Strom-, Wasser- und Telekommunikationsinfrastruktur (betroffen sind rund 8.000 Festnetzanschlüsse sowie WiFi-Hotspots und Sendemasten für das Mobilnetz). 

Fotos: Schäden und Wiederaufbau in Regla und anderen Municipios (Quelle: M&W und Cubadebate)